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  • Schrottsammler im Kreis Neuwied fürchten um ihre Existenz

    Neuwied. Auf die Schrotthändler im Kreis Neuwied kommen harte Zeiten zu. Die Kreisverwaltung setzt die Gesetzesänderung im Kreislaufwirtschaftsgesetz, die seit dem 1. Juni 2012 gilt, konsequent um. Derzeit werden die Händler darüber in Kenntnis gesetzt, dass es ab sofort verboten ist, Abfälle aus Altmetallen von Privatpersonen anzunehmen. Es wird ihnen auch untersagt, Altmetalle von fahrenden Schrottsammlern anzunehmen.

    „Uns wird mit dem Gesetz die Existenzgrundlage genommen." Jürgen Grill, seit 27 Jahren Schrottsammler.
    „Uns wird mit dem Gesetz die Existenzgrundlage genommen." Jürgen Grill, seit 27 Jahren Schrottsammler.
    Foto: Philipp Daum

    Neuwied - Auf die Schrotthändler im Kreis Neuwied kommen harte Zeiten zu. Die Kreisverwaltung setzt die Gesetzesänderung im Kreislaufwirtschaftsgesetz, die seit dem 1. Juni 2012 gilt, konsequent um. Derzeit werden die Händler darüber in Kenntnis gesetzt, dass es ab sofort verboten ist, Abfälle aus Altmetallen von Privatpersonen anzunehmen. Es wird ihnen auch untersagt, Altmetalle von fahrenden Schrottsammlern anzunehmen.

    Den Schrottsammlern wiederum wird seitens der Behörde ebenfalls mitgeteilt, dass sie bei privaten Haushalten im Kreis Neuwied keine Altmetalle mehr abholen dürfen. Wer sich nicht daran hält, dem drohen Geldbußen bis zu 5000 Euro.

    Hintergrund der Verbote ist folgender: Der Kreis beruft sich auf den überarbeiteten Paragrafen 17 im Kreislaufwirtschaftsgesetz. Hier steht, dass eine gewerbliche Sammlung von Wertstoffen aus Privathaushalten – ebenso wie gemeinnützige Sammlungen – einer neuen Anzeigepflicht unterworfen sind. Dabei muss ein gewerblicher Sammler beim Kreis nachweisen, dass er wesentlich leistungsfähiger ist als die bisherige Sammlung. Das heißt: Wer Schrott sammelt, muss das besser und und effizienter machen als die Kommune. Und das ist für Sammler und niedergelassene Schrotthändler kaum möglich.

    „Letztlich kann der Kreis auf Basis dieses Gesetzes die privatwirtschaftlich geprägte Sammeltätigkeit auslöschen und selbst übernehmen“, sagt Dr. Rainer Cosson, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen. „Eine Tonne gut sortierter Stahlschrott bringt heute immerhin rund 200 Euro. Und dieses Geld können die Kommunen gut gebrauchen. Dass sie damit auch viele Existenzen der Schrotthändler gefährden und vernichten, steht auf einem anderen Blatt.“ Cosson weiß, dass die Verbote in rheinland-pfälzischen Landkreisen derzeit viel strikter ausgesprochen werden als beispielsweise in Hessen.

    Günter Schäfer (Name von der Redaktion geändert) ist Schrotthändler im Kreis Neuwied. Ihm wurde mitgeteilt, dass er von Privatpersonen keine Abfälle aus Altmetall annehmen dürfe. „Ich halte mich daran“, sagt er. Schäfer spürt daher die Auswirkungen extrem. „Weil immer weniger Schrott zu uns kommt, wird auch mit weniger Material Handel betrieben“, sagt er. „Die gesetzlichen Änderungen und vor allem die im Kreis Neuwied geübte Ausübung, gar nicht mehr von Privatleuten ankaufen zu dürfen, hat deutliche Spuren hinterlassen.“

    Dem Händler fehlen vor allem Schrottmengen von handwerklich begabten Privatleuten, die ihre Häuser oder Wohnungen im Kern sanieren und dabei wertvolle Kupfer- und Zinkrohre oder Heizungsträger entsorgen. „Die müssen ihren Schrott nun bei den kommunalen Entsorgungsbetrieben abgeben. „Wir haben immerhin noch gutes Geld dafür bezahlt, vom Kreis bekommen sie nichts“, so Schäfer.

    Für den Kreis war die Gesetzesänderung überfällig. „Gewerbliche Schrotthändler sind mit ihren Sammelfahrzeugen immer häufiger auch im Kreis Neuwied unterwegs“, weiß Umweltdezernent Achim Hallerbach. „Sie übernehmen in der Regel jedoch nur die besonders werthaltigen Bestandteile. Zurück bleibt der Abfall, an dem nichts zu verdienen ist und um den sich dann die Kommune kümmern muss und teuer zu entsorgen hat.“

    Der Kreis bekomme dies in zunehmendem Maße zu spüren. „Wir verzeichnen einen deutlichen Rückgang der Schrottmengen. Abnehmende Erlöse aus der Schrottverwertung führen aber dazu, dass sich die Gesamtkosten für die regelmäßige Abholung bei den Haushalten erhöhen“, so Hallerbach. „Über die Abfallgebühren sind alle Bürger vom Mengenrückgang betroffen.“ Mit dem neuen Gesetz sichere man aber künftig eine Entsorgungssicherheit und Gebührenstabilität. (pd)

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