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    EngersIn unerlaubter Eigenregie: Selbst ernannter Baumpfleger säbelt Platanen ab

    Es klingt wie ein Schildbürgerstreich, hat aber ernste Konsequenzen: In Engers hat ein älterer Mitbürger (80+) zum zweiten Mal in unerlaubter Eigenregie fünf Platanen am Rheinufer beschnitten – oder besser gesagt: abgesäbelt.

    Der Vergleich ist frappierend: Links sind zwei beschnittene Platanen zu sehen, die rechte Reihe ist noch unangetastet. Foto: Ulf Steffenfauseweh
    Der Vergleich ist frappierend: Links sind zwei beschnittene Platanen zu sehen, die rechte Reihe ist noch unangetastet.
    Foto: Ulf Steffenfauseweh

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    „Die Bäume werden daran kaputt gehen“, stellt Thomas Enders, Bereichsleiter „Grünpflege“ bei den Servicebetrieben (SBN) fest. Aufgrund des unfachmännischen Schnitts würden die Bäume von oben nach unten durchfaulen, die Krone auseinanderbrechen, sagt er und gibt den Platanen noch drei oder vier Jahre bis zur Zwangsfällung.

    Engers Ortsvorsteher Richard Erben kann die Aktion, deren Ende er live mitverfolgt hat, nicht fassen. Im Gespräch mit der RZ war er schon auf 180, als er noch davon ausging, dass sich die Bäume im Laufe der Jahre erholen und somit lediglich ein optischer Schaden entstanden sei: „Das ist schon hammerhart. Die Stadt geht ja auch nicht in Privatgärten und säbelt da die Bäume ab“, meinte er kopfschüttelnd und berichtete, dass der selbst ernannte Baumpfleger völlig uneinsichtig gewesen sei. Das bestätigt auch der Erste Polizeihauptkommissar Gerhard Engel von der Neuwieder Polizei, dessen Kollegen gerufen wurden und ein weiteres Abschneiden unterbanden. Er teilte zudem mit, dass ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet worden ist.

    Es ist nicht das erste. Der Mann soll im April eine ähnliche Aktion an den gleichen fünf Platanen durchgeführt haben. Als Resultat hätte es bereits eine Verhandlung gegen ihn vor dem Amtsgericht Neuwied geben sollen – die aber verschoben werden musste. Denn der Angeklagte war nicht zum Termin erschienen, wie der als Zeuge geladene Riehl zu berichten wusste. Stattdessen startete er zwei Wochen später die nächste Aktion.

    Doch worum geht es? Auf handgeschriebenen Plakaten (einlaminierte DIN-A4-Zettel) an den Bäumen ist mehrfach von einer „Aktion Robin Hood“ die Rede. Mangelnde Pflege wird dort angeprangert, und es wird vorgegeben, eine Fällung verhindern zu wollen. Zielscheibe der Kritik sind Stadtwerke Neuwied und SBN und vor allem deren Geschäftsführer Stefan Herschbach.

    Der selbst sieht sich aber als zufällig ausgewähltes Opfer, weil der Mann ihn als Engerser erkannt hat. Im Gespräch mit der RZ erzählt er, dass er über die jüngste Schneideaktion informiert worden war und daraufhin vom Fußballplatz weg zum Rheinufer ging und mit dem Mann redete. Seitdem tauchten die Plakate auf, die SBN-Mitarbeiter bereits dreimal abgenommen haben. Davon unabhängig hat Herschbach eine eindeutige Vermutung, worum es bei der Aktion, bei der nur fünf von insgesamt rund 40 Platanen einen „Pflegeschnitt“ erhielten, in Wirklichkeit geht: die Sicht auf den Rhein. So glaubt er, dass der Senior lediglich Erfüllungsgehilfe eines Anwohners ist, dessen Blick auf den Rhein durch die Bäume verstellt wird.

    Und Herschbach kennt den Hintergrund: Die Allee zwischen Grauem Turm und Kinderspielplatz besteht aus speziell gezüchteten Dachplatanen. Wie Fachmann Riehl ausführt, werden diese schon in der Baumschule so getrimmt, dass der Kronenansatz ab circa 2,50 Meter Stammhöhe beginnt. Dadurch wachsen die Platanen später in die Breite und bilden passend zu ihrem Namen eine Art Dach. Diese speziell getrimmte Baumsorte kann und soll im Winter so beschnitten werden, dass eigentlich nur noch der Stamm stehen bleibt. „Wie Marterpfähle im Western“, nennt Herschbach das.

    Im Bereich zwischen Grauem Turm und Kronprinzenbrücke sind jedoch später – aber immer noch vor über 30 Jahren – normale, nicht speziell gezogene Platanen gepflanzt worden. Das sei damals wohl ein Fehler gewesen, meint auch Herschbach. Zu ändern sei es indes nicht mehr, wenn man die Bäume nicht einfach fällen will – wogegen es wiederum in der Stadt Neuwied einen Grundsatzbeschluss gibt: keine Opferung von gesunden Bäumen aus optischen Gründen.

    Die Platanen, deren Kronenansatz erst bei vier bis fünf Meter Höhe beginnt, vertragen wiederum keine „Marterpfahl“-Zuschnitte. „Dass es da bei den Anwohnern Unmut gibt, weil ihnen wohl früher auch gesagt worden ist, dass es die gleichen Bäume sind, kann ich schon verstehen“, meint Thomas Endres, SBN-Geschäftsfeldleiter Öffentliche Dienstleistungen. Allein das Vorgehen, einfach selbst Hand anzulegen, sei natürlich absolut nicht zu tolerieren. Und das sähen auch die meisten Anwohner so, die sich ganz klar distanzieren.

    Doch welche Konsequenzen hat das Handeln für den „Baumpfleger“? Das Verfahren läuft noch. Die SBN haben mit einer sogenannten Gehölzwertermittlung aber schon festgestellt, dass jeder der fünf Bäume rund 2000 Euro kostet. Dem Senior droht also, dass er rund 10 000 Euro zahlen muss (auf seinen Plakaten schreibt er von 10 091 Euro), damit die gleichen Bäumen in gleicher Größe an selber Stelle neu gepflanzt werden.

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