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    Kreis NeuiwedHelmut Kohl: Bestürzung im Kreis Neuwied

    Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl hat auch im Kreis Neuwied viele Wegbegleiter betroffen zurückgelassen. Der CDU-Kreisvorsitzende Erwin Rüddel würdigte Kohl als großen Europäer, mit Kohl sei aber auch ein „großer Deutscher von uns gegangen“.

    Mehr als tausend Menschen kamen 2002, als Ex-Kanzler Helmut Kohl in Neuwied Wahlkampf für Werner Wittlich (vorne) machte. Archivfoto: Jörg Niebergall
    Mehr als tausend Menschen kamen 2002, als Ex-Kanzler Helmut Kohl in Neuwied Wahlkampf für Werner Wittlich (vorne) machte. Archiv
    Foto: Jörg Niebergall

    Einer, der ein besonderes Verhältnis zum Kanzler der Einheit gepflegt hat, ist der Leubsdorfer Heinz Schwarz. Ab 1971 war der heute 88-Jährige Innenminister in der von Ministerpräsident Kohl geführten rheinland-pfälzischen Landesregierung. Kennengelernt haben sich die beiden CDU-Politiker aber schon viel früher. „Wir sind zusammen groß geworden“, erinnert sich Schwarz an die gemeinsamen Anfänge in der Politik in den Jahren 1946 und 1947. „Wir waren ganz normale Jugendliche, haben über Politik geredet und sind mit Freunden an den See schwimmen gegangen“, sagt Schwarz. Von Anfang an sei es Kohl in seiner politischen Karriere um den Aufbau eines guten Verhältnisses zu Frankreich und Polen gegangen, die Idee eines geeinten Europas habe früh gekeimt, so der langjährige Wegbegleiter. Gemeinsam machten die beiden erst in der Jungen Union, später in der Landes-, dann in der Bundespolitik Karriere. Als Schwarz 1954 Bundessekretär der Jungen Union wurde, war Kohl einer der ersten, der ihm schrieb. „Pass auf, in Bonn weht ein anderer Wind als in Rheinland-Pfalz“, gab er seinem Freund mit auf den Weg. Schwarz dankte es Kohl, indem er ihm über Jahrzehnte stets loyal zur Seite stehen sollte. „Natürlich hatte Helmut Kohl, wie jeder, auch seine Schwächen. Aber ich hätte nie ein negatives Wort über ihn verloren“, sagt Schwarz über den sechsten deutschen Bundeskanzler und erinnert lieber an das Vermächtnis Kohls: „Dass wir seit 70 Jahren Frieden in Europa haben und auch unsere Kinder und Enkel keinen Krieg in Zentraleuropa erleben werden, daran hat Helmut Kohl seinen Anteil.“

    Auch dieser Politik für Europa wegen schmückt ein gerahmter Helmut Kohl mit persönlicher Widmung Erwin Rüddels Bundestagsbüro seit dieser dort eingezogen ist. „Mein politisches Leben hat er als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Parteivorsitzender, Kanzler und Mensch stark geprägt“, sagt Rüddel und denkt dabei nicht nur an den Kanzler der Einheit. „Er hatte immer auch die Basis im Blick. Wenn irgendwo in einem Kreisverband nicht alles rund lief, durfte man sich nicht wundern, wenn man einen Anruf aus dem Kanzleramt bekam und kurzerhand ermahnt wurde“, sagt Rüddel. Dass ein solcher Anruf auch in Neuwied eingegangen wäre, ist ihm nicht bekannt. Umso besser erinnerlich ist ihm dafür seine letzte Begegnung mit dem Ex-Kanzler, bei dessen letzten Besuch in der CDU-Bundestagsfraktion im September 2012. „Es war sein erster Besuch nach zehn Jahren“, sagt Rüddel. Er selbst habe noch einige Sätze mit Kohl wechseln können. „Ich habe das damals schon ein wenig als Abschied empfunden, er war sehr von seiner Krankheit gezeichnet“, sagt Rüddel. Die Begegnung werde ihm stets in Erinnerung bleiben.

    Mit tiefer Trauer habe ihn die Nachricht vom Tod Helmut Kohls erfüllt, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Werner Wittlich aus Kurtscheid. 2002 war Kohl einst für einen Wahlkampfauftritt für Wittlich nach Neuwied gekommen. Mehr als tausend Menschen wollten den Aufritt des Ex-Kanzlers damals sehen, nicht alle waren ihm wohlgesonnen. Aus der Ruhe brachte eine solche Atmosphäre den Pfälzer nicht, erzählt Wittlich. Während seiner Zeit in Berlin hatte er häufig Kontakt mit Kohl, eine Verbindung, die auch in späteren Jahren nicht abbrach. „Er war ein sehr menschlicher, geradliniger und zuverlässiger Typ. Er hat immer eingehalten, was er versprochen hat“, sagt Wittlich. Im Berliner Büro Kohls habe man bei mehreren Gelegenheiten über „Gott und die Welt“ gesprochen: „Es hat sich ein freundschaftlicher Kontakt entwickelt, die Treffen mit Helmut Kohl waren immer auch eine politische Lehrstunde.“ Die Treffen seien dabei stets auf Initiative Kohls zustande gekommen. „Er hatte immer einen großen Bezug zur Basis und wusste um die Probleme der Leute“, erinnert sich Wittlich.

    Beruflichen Kontakt während der für Kohl so prägenden Jahre der Wiedervereinigung hatte der Erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach, der von 1988 bis 1994 Mitarbeiter der CDU-Bundestagsfraktion war. „Er wird als Kanzler der Einheit in die Geschichtsbücher eingehen“, ist sich Hallerbach sicher. Ihm selbst wird Kohl auch als Mann mit außergewöhnlichem Gedächtnis in Erinnerung bleiben. „Das war phänomenal“, sagt Hallerbach, der erstmals in Mainz kurz Kontakt mit Kohl hatte. Als er sich später in Bonn vorstellte, wusste der Kanzler sofort, wen er vor sich hatte. „Und das bei den Staatsmännern, mit denen er Umgang hatte. Das war schon beachtlich“, betont Hallerbach. Außerdem habe der geradlinige Kohl stets eine gewisse Lockerheit bewahrt: „Er war unkompliziert und direkt. Und natürlich hatte er diese Pfälzerische Schnodderigkeit“, sagt Hallerbach.

    Robin Brand

    Neuwied Linz
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