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    RengsdorfHarderter Wald: Neuwieder Unternehmen verfolgt Windkraftpläne weiter

    Eigentlich schien das Thema abgehakt: Nach intensiver Analyse hat die Verbandsgemeinde Rengsdorf keine Fläche gefunden, auf der konzentrierte Windkraftnutzung möglich ist. Am 15. März zog der VG-Rat den Schlussstrich, entschied sich, kein Vorranggebiet auszuweisen. Dennoch verfolgt das Neuwieder Unternehmen Ago Energietechnik weiter Pläne, Windräder im Harderter Wald aufstellen zu lassen - Ausgang offen, wie Geschäftsführer Sándor Györy auf RZ-Nachfrage betont.

    Blick aus dem Rengsdorfer Rathaus auf den Harderter Wald. Ein Ort für Windkraft?  Foto: Niebergall
    Blick aus dem Rengsdorfer Rathaus auf den Harderter Wald. Ein Ort für Windkraft?
    Foto: Niebergall

    Von unserem Redakteur Robin Brand

    "Das hat mich völlig überrascht", sagt Rainer Philippi, Ortsbürgermeister in Hardert und vehemente Stimme gegen Windkraftanlagen im Harderter Wald. Anfang Juli sei ein Termin mit der Firma und Vertretern der betroffenen Gemeinden anberaumt. "Dort werden wir mehr erfahren." Die Gemeinde werde an ihrem Widerstand festhalten, sagt Philippi, weiß aber auch: Da kein Vorranggebiet ausgewiesen ist, sind die Möglichkeiten begrenzt. Es greift die Privilegierung für Windkraftanlagen.

    Györy, Geschäftsführer der mehrheitlich zum Fürstenhaus zu Wied gehörenden Unternehmen Ago Stahlbau und Ago Energietechnik, sagt auf RZ-Nachfrage, das Unternehmen bereite derzeit einen möglichen Bauantrag vor. Die Gemengelage allerdings schätzt er als schwierig ein. "Wir sind nicht außerordentlich aktiv." Ein Fachplaner sei mit der Angelegenheit betraut. Die gesetzlichen Hürden glaubt Györy erfüllen zu können. "Wir haben unabhängige Institute mit den Gutachten betraut. Wir können alle Mindestabstände einhalten", sagt Györy und schränkt gleichzeitig ein: "Es ist nicht unser Ziel, etwas gegen den Willen der Bevölkerung zu tun."

    Weniger Sorgen bereitet ihm die monetäre Seite. Die Ansicht Philippis, man könne angesichts der mangelnden Windhöffigkeit im Harderter Wald Windräder kaum wirtschaftlich betreiben, teilt er jedenfalls nicht. "Wir haben das geprüft, wir haben die größten Anlagen gebaut, die normal auf dem Boden stehen. Die Windhöffigkeit wäre nicht das Problem", betont Györy. Nabenhöhen bis zu 160 Metern könnten die Anlagen erreichen. Zwei bis drei Anlagen könnten in dem Gebiet betrieben werden. "Ursprünglich haben wir mit bis zu sechs Anlagen geplant. Aber davon sind wir abgerückt", sagt Györy. Aus bis zu 100 000 Einzelteilen würden die Anlagen entstehen. Ago Stahlbau, Experte für Stahlgittermasten, wäre in der Lage diese so anzuliefern, dass für den Transport normale Lastwagen ausreichen, sagt der Geschäftsführer. Das erleichtert die Zuwegung - Hardert hatte stets betont seine kommunalen Waldbesitztümer nicht dafür zur Verfügung zu stellen.

    Und da wäre noch das Thema Naturpark. Für Philippi ist es eine "ganz rätselhafte Sache", dass das Fürstenhaus, das im Naturpark Rhein-Westerwald den Vorsitz innehat, "private Wirtschaftsinteressen in dem Wald verfolgt". Tatsächlich hatten Biologen vor Winderädern im Harderter Wald gewarnt. Gerd Schneider, Leiter des Fürstlich-Wiedischen Forstamts, betont, dass das Haus zu Wied der Windkraftnutzung im Wald offen gegenüberstehe - wenn die Rahmenbedingungen stimmen. "Für den Harderter Wald müssen interdisziplinäre Betrachtungen zeigen, ob sich für alle Beteiligten eine Win-win-Situation ergibt", sagt Schneider. Außerdem führt er an: "Es gibt Beispiele von großen Waldkomplexen, die sich in Folge von zusätzlichen Offenlandflächen - durch den Bau von Windkraftanlagen - ökologisch sehr positiv entwickelt haben."

    Den Einschlag alter Buchenbestände sieht er wenig kritisch. "Irgendwann haben Bäume ein gewisses Alter erreicht und werden geerntet. Zu einer planmäßigen, wirtschaftlichen Forstwirtschaft gehört, dass wir nicht mehr ernten als nachwächst. Nach diesem Grundsatz wirtschaften wir im Hause zu Wied schon seit über 333 Jahren." Ob sich die Bevölkerung deswegen mit Windrädern im Harderter Wald anfreunden kann, bleibt fraglich, weiß auch Györy. Trotz seiner Beteuerung nichts gegen den Willen der Bevölkerung zu unternehmen, hält er fest: "Wir haben verdammt viel Geld in Voruntersuchungen investiert. Jetzt müssen wir prüfen, ob der Bau möglich ist. Wenn nicht, ist das kein Weltuntergang. Dann bauen wir eben woanders."

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