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    NeuwiedGraffitikunst an der ehemaligen Mennonitenkirche in Neuwied?

    Ziert die ehemalige Mennonitenkirche aus dem Jahr 1768 bald eine Graffitibanane? Wenn es nach Thomas Baumgärtel geht, dann schon.

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    Seit über 25 Jahren sprüht der vom Niederrhein stammende Künstler sein Erkennungszeichen an Museumsfassaden. Ab dem 25. Juni nun stellt er in der Neuwieder Stadtgalerie aus und sagt: „Das gehört dazu.“

    Man darf davon ausgehen, dass er es ernst meint. Denn das historische Gebäude in der Deichstadt wäre bei Weitem nicht das erste mit einer gelben Sprühbanane: Zahlreiche deutsche Kunstorte hat Baumgärtel in den vergangenen Jahrzehnten markiert, auch international war er tätig. Das Moma in New York ist dabei nur das berühmteste Beispiel. Und die Amerikaner erlaubten ihm sogar ganz offiziell seine Graffiti - was bei Baumgärtel nicht immer der Fall war, in Neuwied aber doch auch Voraussetzung sein soll.

    Ginge es nach Galerie-Managerin Petra Neuendorf vom Amt für Stadtmarketing, wäre das wohl kein Problem. „Wir werden es versuchen“, kommentierte sie bei der gestrigen Vorstellung, sagte aber auch: „Ich denke es wird spannend, wobei wir genau das ja sein wollen.“

    Die Initialzündung für Thomas Baumgärtels Kunstkarriere fand während des Zivildienstes statt und war schon damals eine Provokation: Über einem Krankenbett hing ein Kruzifix, von dem der Heiland heruntergefallen war. Baumgärtel nagelte seine Frühstücksbanane an die freie Stelle und fand die Wirkung nach eigener Aussage dermaßen stark, dass ihm - auch wenn es Ärger gab - klar war: „Ich muss Künstler werden“. Als er dann parallel Kunst und Psychologie studierte, besprühte er erste Museen mit seiner Banane und erntete unterschiedliche Reaktionen - vom „Andy Warhol von Köln“ bis zur Strafanzeige.

    Wie er beim Vorstellungstermin in Neuwied erzählte, war es letztlich ein Aufenthalt in bayerischer U-Haft, „der mich überlegen ließ, ob ich auf dem richtigen Weg bin“. Seitdem sprüht Baumgärtel legal, und das macht ihm, wie er selbst sagt, auch viel mehr Spaß. „Man bekommt mehr von den Orten mit“, weiß er und erzählt, dass ihm in New York die 60 besten Museen und Galerien der Stadt die Markierung mit der Banane erlaubt haben.

    Nach den Anschlägen des 11. Septembers sprühte er seine „Friedensbanane“ zudem im New Yorker Stadtbild und danach an elf Kölner Kirchen; mit seiner „Charlie-Hebdo-Banane“ griff er die Anschläge von Paris auf. Überhaupt: Das Thema „Freiheit für die Kunst“ zieht sich durch sein gesamtes Werk. Dazu gehört auch, dass er - wieder provokant - eine 14 Meter lange Bananen-skulptur in den Haupteingang des Kölner Doms legte.

    Baumgärtels Kunst beschränkt sich aber nicht auf das schwarz-gelbe Erkennungszeichen. Aufsehen erregte er mit Arbeiten zur deutschen Einheit sowie Acrylmalereiserien zu verschiedenen Themen: Holocaust, Supermarkt, und Industriekultur sind drei Beispiele. „Einige dieser Bilder will ich in der Ausstellung in Neuwied als Kontrast auch zeigen“, kündigte er an.

    „Der Mann passt zu uns“, war sich Petra Neuendorf sicher. „Man muss auch an manchen Stellen ein Zeichen setzen“, befand sie und erinnerte an die „Geschichte der Toleranz in unserer Stadt.“

    - Die Ausstellung „Freiheit für die Kunst“ von Thomas Baumgärtel ist vom 25. Juni bis zum 13. September in der „Stadtgalerie in der ehemaligen Mennonitenkirche aus dem Jahr 1768“, Schlossstraße 2 (Navi: Deichstraße 1), zu sehen. Öffnungszeiten und weitere Informationen gibt es unter Tel. 02631/206 87 oder per E-Mail: stadtgalerie@stadt-neuwied.de

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    Suche nach einer Wand im Aktiven Stadtzentrum

    Thomas Baumgärtel, geboren 1960 in Rheinberg, lebt heute in Köln und ist der wohl bekannteste Sprayer Deutschlands. In Neuwied war er mit Einzelwerken bereits in den Ausstellungen „Engel“ und „Kafka“ zu sehen. Seine nun kommende eigene Ausstellung soll sich nach Möglichkeit nicht nur auf die Stadtgalerie in der ehemaligen Mennonitenkirche beschränken, sondern auf das „Aktive Stadtzentrum“ ausgeweitet werden. Wie Bernd Wolff als städtischer Projektmanager ausführte, wird derzeit nach einem Gebäude gesucht, an dem der Künstler sich mit einem Wandbild verewigt. Baumgärtel hat sich - wie er selbst sagt - dazu breitschlagen lassen. Die endgültige Realisierung hängt aber natürlich nicht nur davon ab, ob sich nicht nur die passende Wand findet, sondern auch eine Übereinstimmung mit dem Hauseigentümer erzielen lässt. Was genau Baumgärtel dann dort sprayen wird, konnte er gestern noch nicht sagen. „Das ist von dem Gebäude abhängig. Aber wenn der Besitzer grundsätzlich einverstanden ist, dann ist die Einigung in der Regel kein Problem“, meinte er. Wie er anhand einiger gezeigter Beispiele erläuterte, muss auch nicht unbedingt die Banane dabei eine Rolle spielen. „Mal sehen, was daraus wird. Vielleicht entsteht ja etwas Großes“, hoffte Petra Neuendorf vom Amt für Stadtmarketing. Eine Aktion müsse kein Einzelfall bleiben.

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