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    NeuwiedAffendame Bini: Angekommen in der Deichstadt

    Seit Bini in Neuwied ist, rupft sie gern Gras aus dem Bode, reißt Blätter ab und sitzt auf ihrem Lieblingsbaum. „Viel Grün hatte sie in letzter Zeit nicht“, weiß Tierpflegerin Sarah Klein. Denn im Amersfoort fristete Bini ein eher trauriges Dasein. Sie war zwar bei Pflegern und Besuchern des niederländischen Tierparks sehr beliebt, kam aber mit den anderen Schimpansen nicht klar.

    Die Gruppe wollte sie, den Neuzugang aus Norwegen, partout nicht akzeptieren. Und so musste Bini eineinhalb Jahre lang allein untergebracht werden. „Für einen Schimpansen eine Katastrophe“, weiß Neuwieds Zoodirektor Mirko Thiel, der sich deshalb umso mehr freut, dass die Integration in der Deichstadt fast reibungslos geklappt hat. „Es hat in zwei Wochen nur drei Schlägereien gegeben“, sagt er. „Für Schimpansen ist das super.“

    Schon seit Affendame Ngila tot ist, versucht der Neuwieder Zoo, eine neue Partnerin für Alphamännchen Charley (34) zu bekommen. Doch das war nicht so einfach: Der Tierpark gehört zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Schimpansen. Und für dessen Mitglieder wacht ein Zuchtbuchführer im dänischen Kopenhagen über die Verteilung der Tiere. Denn der Genpool soll möglichst offen gehalten werden. Und da wegen des hochkomplexen Sozialgefüges der Affen grundsätzlich nur die Weibchen getauscht werden, kann das dauern. Im Neuwieder Fall waren es acht Jahre. „Wir hatten zwischenzeitlich die Option auf zwei Weibchen aus Israel, haben uns aber wegen des Transports dagegen entschieden“, sagt Thiel. Für die hoch emotionalen Tiere wäre das eine Tortur gewesen.

    Also warteten die Neuwieder lieber ab und sagten bei Bini zu. „Ein echter Glücksgriff“, sind sich die beiden zuständigen Pfleger Sarah Klein und Frederic Ihlow schon nach wenigen Tagen sicher – und das liegt auch an der Biografie: Bini wird vor rund 42 Jahren im afrikanischen Sierra Leone in Freiheit geboren, dann aber von Menschen per Hand aufgezogen. Wie es dazu kam, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Von Afrika kam die Schimpansin zunächst nach München und dann als Erwachsene nach Norwegen, wo sie Mutter wurde. „Für uns ganz klar ein Vorteil, dass sie es schon mal gemacht hat“, sagt Thiel, wenngleich er zugibt, dass Bini ihren Sohn dort völlig verzog. Als ranghöchstes Weibchen deckte sie ihn immer, sodass sich der Nachwuchs irgendwann wie ein Tyrann aufspielte. Bis es nicht mehr ging. Weil aber nie Männchen aus der Gruppe genommen werden, schickte man Bini weiter – in die Niederlande, wo sie wie beschrieben nicht zurecht kam. Folglich war Pfleger Ihlow auch nicht wirklich sicher, dass Bini die richtige für Neuwied ist, als er zur Begutachtung nach Amersfoort fuhr. Aber die Chemie stimmte gleich. „Liebe auf den ersten Blick“, sagt er.

    Nach einigen Tagen des Kennenlernens und des Übens, Bini in die Transportkiste zu bekommen, ging es dann in die Deichstadt. Mit dabei auch ein Pfleger aus dem Amersfoorter Zoo, damit die Affendame bei ihrer Ankunft bekannte Gesichter sieht. Denn die Eingewöhnung in eine Affengruppe ist eine äußerst diffizile Angelegenheit, wie die Experten erklären. Dass Neulinge nicht akzeptiert werden, kommt oft vor. Permanente Kämpfe sind dann die Folge. „Schimpansen sind nicht sehr diskutierfreudig“, sagt Thiel dazu.

    Die Kontaktaufnahme zu den vier Neuwieder Artgenossen – neben Charley gibt es noch dessen Sohn Morlock sowie die beiden Weibchen Niki und Puni – wurde daher sehr behutsam vorgenommen. Erst einmal sollte Bini allein den Innenbereich kennenlernen, um Sicherheit zu erlangen. Dann stellten die Pfleger behutsam Hör- und dann Sichtkontakt her. Nach ersten Berührungen durchs Gitter durfte schließlich Chef Charley zu ihr. Und auch bei ihm war es Liebe auf den ersten Blick, erzählt Ihlow: „Sie haben sich gegenseitig das Fell gepflegt. Da waren wir sicher, dass das funktioniert.“ Erst als die beiden Damen nach und nach dazugelassen wurden, gab es Reibereien. „Ganz wie bei den Menschen“, juxt Thiel. Doch auch bei der ersten Schlägerei gab es positive Zeichen: Charley verteidigte sofort seine neue Partnerin. Nach einer schlaflosen Nacht im Zoo – für Affen wie Tierpfleger – wurde es dann zügig besser. Irgendwann am zweiten Tag gab es noch einmal Ärger, aber die Nacht war schon besser, dann kehrte langsam Ruhe ein. „Das ging verdammt schnell“, meint Thiel und erzählt, dass Experten prophezeit hatten, dass die Eingewöhnung Monate wenn nicht Jahre dauern könnte.

    In Neuwied können die Besucher schon jetzt alle fünf Affen gemeinsam sehen. Und wer weiß? Vielleicht kommt ja bald noch eine kleine Nummer sechs hinzu. Affendamen haben schließlich keine Menopause, und Bini kann bis zu 60 Jahre alt werden. „Wir hoffen es“, sagt Thiel.

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

    Neuwied Linz
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