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  • Waldbreitbacher Bürger machen Front gegen Bad Hönninger Windkraftpläne

    Waldbreitbach. In der Verbandsgemeinde Waldbreitbach schauen viele Bürger skeptisch auf die Windkraftpläne der Nachbarn in Bad Hönningen. Mehr noch: Während der ersten Info-Veranstaltung im Waldbreitbacher Rathaus artikulierten etliche der gut 50 Bürger im voll besetzten Sitzungssaal offen, dass sie das Vorhaben ablehnen. Vor allem unmittelbar Betroffene, die auf der Höhe in Hähnen oder Langscheid leben, haben ihrem Ärger überaus deutlich Luft gemacht – und „erbitterten Widerstand“ angekündigt. Alles deutet darauf hin, dass bald eine weitere Bürgerinitiative gegen geplante Windräder kämpft.

    Waldbreitbach - In der Verbandsgemeinde Waldbreitbach schauen viele Bürger skeptisch auf die Windkraftpläne der Nachbarn in Bad Hönningen. Mehr noch: Während der ersten Info-Veranstaltung im Waldbreitbacher Rathaus artikulierten etliche der gut 50 Bürger im voll besetzten Sitzungssaal offen, dass sie das Vorhaben ablehnen. Vor allem unmittelbar Betroffene, die auf der Höhe in Hähnen oder Langscheid leben, haben ihrem Ärger überaus deutlich Luft gemacht – und „erbitterten Widerstand“ angekündigt. Alles deutet darauf hin, dass bald eine weitere Bürgerinitiative gegen geplante Windräder kämpft.

    Wie Bauamtsleiter Achim Braasch mehrfach betonte, wollte die Verbandsgemeinde Bad Hönningen mit ihrer Info-Veranstaltung guten Willen demonstrieren und von Anfang an auf Information und Transparenz setzen. Diesem Anspruch kam Braasch auch nach. Er sprach davon, dass elf mögliche Standorte für Windräder ausgewählt worden sind, letztlich aber nur sieben bis neun 3-Megawatt-Anlagen mit einer Nabenhöhe von 135 Metern entstehen sollen.

    Das Plangebiet liegt laut Braasch in der Kernzone des Naturparks. Eine Ausnahmeregelung für Kommunen gebe es aber, wenn nachweislich der Schutzzweck des Parks trotz Eingriffs erhalten bleibt. Allerdings ist es auch FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) – und deshalb haben bereits alle Nabu-Gruppen im Kreis erklärt, Windräder dort nicht zu akzeptieren.

    Davon abgesehen müsse keine weitere „Stromtrasse“ angelegt werden. Wie der Hönninger Bauamtsleiter erläuterte, würde der Windradstrom über den vorhandenen Wirtschaftsweg bis ins Umspannwerk geleitet.

    Braasch verschwieg nicht, dass noch viele Hürden zu nehmen sind. Zudem lägen inzwischen auch schon kritische Stellungsnahmen vor. Und Braasch betonte: „Wir betreiben das ganze Verfahren nur weiter, wenn die Windmessung positive Zahlen ergibt und wenn die Struktur- und Genehmigungsdirektion grünes Licht aus artenschutzrechtlicher Sicht gibt.“

    Die Gegner von Windkraft an dieser Stelle holten zum Schlag aus: „Und was ist mit uns Zweibeinern, denen ihr die Windräder vor die Nase stellt?“, fragte einer. Das werde alles untersucht, rechtfertigte sich Braasch. Ein anderer, der es für den völlig falschen Ansatz hält, dass jeder „Dorfsheriff“ Planungen anstellt, sagte: „Wir brauchen weder hier noch in Unkel einen Windpark. Die gehören da hin, wo sie auch hinpassen.“

    Ein Bürger aus Langscheid, dessen Haus lediglich 700 Meter von einem möglichen Windrad entfernt liegt, rang um Fassung und erklärte: „Das ist der größte Eingriff, den die Region jemals erleben wird. Das wollt ihr uns doch nicht wirklich zumuten?“ Und er fragte Braasch: „Was bezweckt ihr damit? Geht es darum, ein Denkmal, ein Millionengrab zu bauen oder darum, den an die Wand gefahrenen Haushalt zu sanieren?“ Die Forderung nach einer „Kompensation“ für Anwohner quittierten die Bürger mit Beifall.

    Davon abgesehen bezweifeln die Bürger, dass sich die Windenergieanlagen wirtschaftlich betreiben lassen: „Wenn die wirklichen Werte nur geringfügig von den Windprognosen abweichen, potenziert sich der Leistungsverlust der Anlagen und von wirtschaftlich kann keine Rede mehr sein.“ Zudem befürchten Bürger breite Schneisen im Wald, weil die bis zu zwölf Meter breiten Mastfüße bis zu den Standorten zu transportieren wären. Und für die mehr als 20 Meter breiten und fünf Meter hohen Fundamente müssten etwa 300 Lkw mit Beton pro Anlage anrücken. Das führt die Bürger zu folgendem Schluss: „Wenn ihr mit dem Bau fertig seid, ist von der K 3 nichts mehr übrig.“

    Was allen sauer aufstieß, war das Fehlen des Bad Hönninger Bürgermeisters: „Wo ist Michael Mahlert?“, fragte ein Bürger laut in die Runde. Wie der Vermisste der RZ gegenüber erklärt, hat ihn ein lange vereinbarter Termin abgehalten. Die ursprünglich nur für die Ortsbürgermeister vorgesehene Veranstaltung sei erst kurzfristig zu einer öffentlichen geworden. Mahlert versprach, in Bad Hönningen mit weiteren Experten Rede und Antwort zu stehen. Die Waldbreitbacher Gegner der Windkraftpläne haben unterdessen angekündigt, auch am 26. Februar zur Veranstaltung in der Badestadt erscheinen zu wollen, um ihre Meinung gegenüber Bürgermeister Mahlert kundzutun. Los geht es ab 19 Uhr in der Mehrzweckhalle.

    Von unserem Redakteur Ralf Grün

    Kommentar von Ralf Grün

    Das, was Bauamtsleiter Achim Braasch seinem Chef Michael Mahlert vom Info-Abend in Waldbreitbach berichtet hat, wird den bestimmt nicht sonderlich erbaut haben. Den Hönninger Verwaltungsspitzen war sicherlich bewusst, dass das Thema Windkraft keines ist, das bügelfrei, pflegeleicht und somit schnell im Aktenarchiv unter abgehakt einsortiert werden kann. Windräder in der Kernzone des Naturparks, zudem sind Anwohner der Nachbarkommune unmittelbar betroffen: Mit derart vehementer Kritik aus dem Wiedtal hätten sie rechnen müssen – und auch Mahlert hätte sich ihr stellen müssen. Angesichts des Zündstoffpotenzials war es taktisch unklug, einem anderen Termin Vorrang zu geben. Selbst, wenn es aus Sicht Mahlerts Gründe dafür gab.

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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