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    Puderbach 100-Tage-Bilanz: Puderbachs Bürgermeister Volker Mendel beackert viele Baustellen

    Seit dem 1. Juli ist Volker Mendel (SPD) Bürgermeister der Verbandsgemeinde Puderbach. Wir zogen mit ihm eine Bilanz seiner ersten 100 Tage: Wie hat er sich eingearbeitet? Was hat er sich anders vorgestellt? Wo setzt er erste Schwerpunkte?

    Volker Mendel hat sich als Bürgermeister gut eingelebt. Im Rathaus könnte sich künftig Verschiedenes ändern – und das betrifft nicht nur den Computer an seinem Schreibtisch, der anders als bei seinem Vorgänger jetzt während der Arbeitszeit eingeschaltet ist.
    Volker Mendel hat sich als Bürgermeister gut eingelebt. Im Rathaus könnte sich künftig Verschiedenes ändern – und das betrifft nicht nur den Computer an seinem Schreibtisch, der anders als bei seinem Vorgänger jetzt während der Arbeitszeit eingeschaltet ist.

    Puderbach - Seit dem 1. Juli ist Volker Mendel (SPD) Bürgermeister der Verbandsgemeinde Puderbach. Wir zogen mit ihm eine Bilanz seiner ersten 100 Tage: Wie hat er sich eingearbeitet? Was hat er sich anders vorgestellt? Wo setzt er erste Schwerpunkte?

     

    Von unserem Redakteur Ulf Steffenfauseweh

     

    Seit dem 1. Juli ist Volker Mendel (SPD) Bürgermeister der Verbandsgemeinde Puderbach. Wir zogen mit ihm eine Bilanz seiner ersten 100 Tage: Wie hat er sich eingearbeitet? Was hat er sich anders vorgestellt? Wo setzt er erste Schwerpunkte?

     

    Herr Mendel, Sie waren in Ihren ersten 100 Tagen doch bestimmt schon im Keller des Rathauses. Welche Leichen hat Wolfgang Kunz da versteckt?

    Es gibt natürlich große Dinge, die mein Vorgänger nicht mehr hat regeln können. Ich denke da an die Problematik des geschlossenen Hallenbads, die uns allen schwer im Magen liegt. Oder die Umstrukturierung der Wasserversorgung, wo wir im Mai oder Juni den Hochbehälter Keltenhügel ans Netz anschließen. Aber Leichen habe ich keine gefunden. Ich hatte einen offenen Dialog mit Wolfgang Kunz. Er hat mir die eine oder andere zu erwartende Wiedervorlage erklärt.

     

    Sie kommen nicht aus der Verwaltung, sondern waren Teamleiter bei der Arbeitsagentur. Sind Ihnen in Ihrem jetzigen Arbeitsalltag große Unterschiede aufgefallen?

    Das Haus war mir bekannt, aber der Blickwinkel ist doch ein anderer, wenn man in der Verantwortung steht. Aber ich trete morgens gut gelaunt an und gehe die Dinge mit Muße und Leidenschaft an. Jeder Tag bringt zurzeit noch neue Abenteuer – positive wie negative.

     

    Was war denn bislang besonders schön?

    Ich habe die Zusatzschulung zum Standesbeamten gemacht und zehn Trauungen durchgeführt. Es darf zwar nicht zur Gewohnheit werden, dass der Chef jede Trauung macht, aber das ist natürlich eine sehr angenehme Art, mit den Menschen zusammenzukommen. Das gleiche gilt für Altersjubiläen: wenn man bei einem 93-Jährigen vorbeigeht, ihm gratuliert und er sich freut, weil er damit gar nicht gerechnet hatte.

     

    Wie sieht die Arbeitsbelastung aus?

    Weil mir die Arbeit Spaß macht, ist mir die Umstellung relativ leichtgefallen. Aber das familiäre Leben leidet schon durch die Beanspruchung. Von einem Bürgermeister ist Präsenz unter den Menschen gefordert. Ich hatte seit Juli vielleicht ein freies Wochenende, und nicht selten stehen an einem Samstag vier oder fünf Termine an. Da muss die Familie zurückstecken. Aber wenn man eine solche Aufgabe übernimmt, muss man dazu stehen. Und anders als mein Vorgänger brauche ich im Supermarkt für zehn Meter noch keine halbe Stunde. Aber auch da ist es natürlich des Bürgers Recht, einen anzusprechen.

     

    Dass viele Termine auf Sie zukommen, haben Sie gewusst. Gibt es aber auch das ein oder andere, was Sie so nicht so erwartet und unterschätzt haben?

    Ich merke, dass eine Vielzahl der Anliegen der Bürger ins Nachbarschaftsrecht geht: Grenzverletzungen, nicht geschnittene Hecken, zu laute Musik, kläffende Hunde. Statt mit dem Nachbarn das offene Wort zu suchen, geht man zur Verwaltung. Und natürlich versuchen es viele beim neuen Chef noch einmal. Das ist auch in Ordnung. Ich schenke den Menschen gern mein offenes Ohr und binde auch unseren Bezirkspolizisten ein. Aber ich habe es auch unterschätzt. Das Ausmaß hatte ich mir so nicht vorgestellt.

     

    Noch einmal zurück zu den Unterschieden zwischen Ihrem früheren und Ihrem neuen Job. Wie beurteilen Sie die Mitarbeiter?

    Die Verwaltung ist wie eine große Familie. Die Leute kommen aus allen Orten der Verbandsgemeinde, kennen sich hier aus und verkörpern die Region im Rathaus.

     

    Und vom Arbeitstempo? Verwaltungsbeamte haben ja nicht immer das beste Image.

    Ich bin von Hause aus nicht ungeduldig. Trotzdem kommen auch mir hier manche Abläufe sehr lang vor. In der freien Wirtschaft sagt der Chef: Ich will das, und ich will das, und dann wird das gemacht. Aber das geht hier nicht. Hier sind Fristen zu wahren. Hier muss man auf Beschlüsse der Räte warten. Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Es dauert nicht, weil die Menschen ihre Arbeit nicht machen, das liegt einfach in der Natur der Dinge. Ich bin überzeugt, dass hier in der Verwaltung jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten versucht, einen guten Job zu machen. Ich bin aber noch dabei zu schauen, ob hier auch jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten am richtigen Platz ist.

     

    Also beginnt bald das große Stühlerücken im Puderbacher Rathaus?

    Nein. Aber ich muss bis 2014 sechs sehr qualifizierte Mitarbeiter abgeben. Tragende Säulen, die noch nach alter Regelung in Altersteilzeit gehen. Ich werde versuchen, einen Teil durch Nachwuchs zu besetzen. Ich werde auch versuchen, den Personalkörper zu entschlacken. Ob wir alles aus den eigenen Reihen besetzen können, gilt es, nächstes Jahr zu betrachten. An der einen oder anderen Stelle werden auch Einsparungen möglich sein. Ansonsten geht es mir nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern in Ruhe zu gucken und Prozessabläufe mit den Mitarbeitern zusammen zu optimieren. Deshalb habe ich zum Beispiel eine wöchentliche Konferenz mit allen Fachbereichsleitern eingeführt.

     

    An welchen Projekten haben Sie in den ersten 100 Tagen gearbeitet?

    Ich versuche erst einmal, möglichst viele Ratssitzungen zu besuchen. Der Kontakt zu den Mitgliedern ist mir wichtig. Die Verwaltung muss wissen, wie die Entscheider vor Ort ticken. Konkret bin ich darüber hinaus in der Seniorenarbeit guter Dinge, dass wir über die Raiffeisenregion Projekte anstoßen und neue Wege beschreiten. Wir sind zum Beispiel dabei, Kümmerer zu finden, die Austauschmöglichkeiten für die älteren Mitbürger schaffen. In Puderbach selbst gibt es noch Geschäfte als Anlaufpunkt für Kommunikation, aber wir haben 16 Gemeinden mit 39 Ortsteilen. Um Lebensqualität in den Orten zu halten, müssen wir frühzeitig Angebote schaffen, die dann mit der Zeit wachsen. Dazu passen auch die gerade eingeführten Ruftaxilinien. Außerdem gibt es bei der Feuerwehr viel Arbeit.

     

    Erzählen Sie bitte mehr dazu.

    Wir stellen zunehmend die Folgen der demografischen Entwicklung fest. Ältere scheiden aus dem Dienst aus, nur wenige Junge rücken nach. In Tiefenthal bei Bad Kreuznach mussten ja gerade sogar Bürger zum Dienst verpflichtet werden. So weit sind wir nicht, aber auch bei uns ist für viele die Abkömmlichkeit vom Arbeitsplatz schwierig. Und wenn wir auch auf dem Papier noch gute Mitgliedszahlen haben, müssen wir doch sehen, dass wir die Tagbereitschaft sicherstellen. Deshalb bin ich gerade dabei, mit der Feuerwehrleitung eine Werbekampagne zu erarbeiten. Damit wollen wir auch an die Schulen gehen und junge Leute für den Dienst in der Feuerwehr begeistern. Darüber hinaus müssen wir die Ausrüstung überprüfen. Denn der Brand ist ja mittlerweile unter den Einsätzen der Ausnahmefall. Auch da stehe ich derzeit in der Diskussion mit den Feuerwehren.

     

    Das 100-Tage-Fazit lautet also?

    Es gibt viel zu tun, aber mir macht die Arbeit Spaß. Ich fühle mich von den Menschen und der Belegschaft gut angenommen. Und auch in der kommunalen Familie empfinde ich den Austausch mit dem Landrat und den Bürgermeisterkollegen als sehr angenehm. Positiv erwähnen möchte ich auch die Zusammenarbeit in der Raiffeisenregion, die sehr intensiv und zielführend ist.

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