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  • Unterhaltung: An "Grumbiere" beißt sich Kaya Yanar die Zähne aus

    Idar-Oberstein. Als ein Mann mit klebrigen langen Haaren und grauer Bomberjacke am Freitagabend die Bühne in der mit rund 1800 Besuchern voll besetzten Nahbollenbacher Messehalle betritt, brechen die Zuschauer sofort in Jubel aus. Sie sind eingefleischte Fans und wissen, dass es sich bei dem Mann um den deutsch-türkischen Comedian Kaya Yanar handelt, der als prolliger Türsteher Hakan sein Programm "Planet Deutschland" eröffnet.

    Foto: Tom Greber

    Von unserer Reporterin Silke Bauer

    In einem für diese Kunstfigur typischen Gangsterslang erklärt Hakan den Besuchern erst einmal, wie sie sich im Falle eines Feuers in der Messehalle verhalten sollen: "Wenn es brennt, müssen sich alle flach auf den Boden legen, damit wir (Künstler und Management) rausrennen können." Nach 50 Minuten Programm gebe es eine Pause, kündigt Hakan an und appelliert an die Zuschauer: "Bitte kommt danach zurück." Es sei schon vorgekommen, dass die Leute nach Hause gegangen seien, weil sie dachten, das Programm sei vorbei.

    Auf die Idee, früher nach Hause zu gehen, kommt das Idar-Ober-steiner Publikum nicht. Warum sollte es auch? Kaya Yanar, der zum ersten Mal in Idar-Oberstein ist und nach der Eröffnungsszene durchgehend als er selbst auftritt, liefert eine erstklassige Show ab. Er lebe seit einigen Jahren mit seiner Schweizer Freundin in deren Heimat, erzählt Yanar. In seinem Programm blickt er von außen auf den "Planeten Deutschland" und versucht, die Frage zu beantworten, was typisch deutsch ist.

    Eins sei jedenfalls schon mal klar, stellt er fest: "Deutschland hat Humor." Man müsse nur einmal einen Blick ins Bürgerliche Gesetzbuch werfen, in dem es beispielsweise heißt: "Wenn ein Beamter während einer Dienstreise verstirbt, dann ist die Dienstreise beendet." Oder auf den Beipackzettel der deutschen Erfindung Aspirin, auf dem unter den Nebenwirkungen Kopfschmerzen aufgezählt sind. Yanar hangelt sich gekonnt von Thema zu Thema, imitiert seine beiden verhaltensauffälligen Katzen, von denen die eine nicht miauen kann und stattdessen wie eine Taube gurrt, oder schwärmt vom Geschwindigkeitsrausch auf den deutschen Autobahnen ("Natürlich gab's da auch blöde Momente: Ich hab mal einen Schmetterling umgebracht").

    Stellenweise ein bisschen politisch

    Auch der Flughafen Frankfurt Hahn ist vor Yanars Witzen nicht sicher. "Nehmt das Frankfurt aus dem Namen", appelliert er an das Publikum. Denn es verwirre die Reisenden, wenn das Taxi in die Innenstadt der Metropole am Main dann 500 Euro koste. Stellenweise wird Yanars Programm zumindest ein bisschen politisch. "Journalisten fragen mich immer, wo man in der Türkei einen guten Satiriker findet", witzelt er. Seine Antwort darauf: "Im Gefängnis." Auch auf Pegida spielt er an: "Ich war letzte Woche in Dresden, da kamen auch 2000 Leute, aber die haben gerufen ,Ausländer raus!’" Auch seine heimliche "Krankheit", das "Spiegelreflexsyndrom", das ihn dazu veranlasst, in den unpassendsten Momenten die Gesten, Akzente oder Dialekte anderer Menschen nachzuahmen, ist Thema.

    Diese Marotte soll schon dazu geführt haben, dass er mit einem Inder verwechselt wurde und mit einer Art Fantasierussisch eine Museumswärterin in Sankt Petersburg zur Weißglut trieb. Überhaupt sind Sprachen und Dialekte Kaya Yanars Metier. So ist es urkomisch, wenn er mit sächsischem Slang das ansonsten sehr sinnliche Lied "Smooth Operator" von Sade singt, einen aufgeregten chinesischen Touristen imitiert oder das schleppende Schwyzerdütsch seiner neuen Landsleute nachahmt.

    Harter Stoff für König der Dialekte

    Und so ist es ganz natürlich, dass sich der König der Dialekte auch für das Hunsrücker Platt interessiert. Yanar bittet seine Fans darum, in der Pause typische Wörter und Sätze auf seiner Facebook-Seite zu posten. Das lassen sich die Idar-Obersteiner nicht zweimal sagen, schnell quillt die Seite über mit Begriffen wie "Mourde unn Klees", "Sießschmier", "Hinkel", "wieschd gefall" und "geschwaad", die Yanar unter großem Gelächter vorliest. Schnell wird klar: Am Hunsrücker Platt beißt sich selbst der Meister die Zähne aus. Dass "Grumbiere" nichts mit Bier zu tun haben, das Wort "Bettseicher" sowohl einen Bettnässer als auch Löwenzahn bezeichnet und sich die Hunsrücker abends vorm Fernseher einen "Debbisch" um die Schultern hängen, verwundert den Comedian zutiefst.

    "Ihr verarscht mich doch", sagt er mehrmals fassungslos zum Publikum, das sich vor Lachen gar nicht mehr einkriegt. "Welche Kultur hat denn bei euch mitgemischt?", fragt er und liest den Satz vor: "Lo uwe hockt e Ramb em Baam unn lisst die Fliedscha bambele." "Das ist doch was Versautes", sagt er fast schon fassungslos, bis ihm jemand erklärt, dass es sich bei "Fliedscha" nicht um Fortpflanzungsorgane, sondern um Flügel handelt. Lediglich den Satz "Awei awa dabber", kann er sich merken. Sein Fazit zum Hunsrücker Platt: "Das ist doch aus 'Star Wars', Klingonisch oder so."

    Im nächsten Jahr möchte Kaya Yanar wieder in der Messehalle auftreten. Die Idar-Obersteiner wird es freuen. Bis dahin will er den Dialekt fleißig üben. Dann awa dabber.

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