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    Minuszinsen ärgern Raiffeisenbank-Chefs

    Fischbach. Keiner wird sagen können, dass Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zen-tralbank (EZB), keine Ideen hat. Seit vor 2700 Jahren die Lydier das erste Münzgeld herausbrachten und ihr König Krösus der erste Superreiche der Geschichte wurde, hat es noch nie so niedrige Zinsen gegeben, wie sie die EZB vor Jahren auf den Weg gebracht hat.

    Die Raiffeisenbank Nahe konnte ihre Bilanzsumme 2016 gegenüber dem Vorjahr steigern.  Foto: Manfred Greber
    Die Raiffeisenbank Nahe konnte ihre Bilanzsumme 2016 gegenüber dem Vorjahr steigern.
    Foto: Manfred Greber

    Dieter Nehring, Vorstandssprecher der Raiffeisenbank Nahe, hat einen Blick in die Historie geworfen: Weder die Babylonier noch die Griechen oder Römer „wären auf die Idee gekommen, Nullzinsen oder gar negative Zinsen zu berechnen“, griff er in der Generalversammlung der Raiffeisenbank im Gemeindehaus in Fischbach die Politik des EZB-Chefs an. Draghi ist für Banker längst ein rotes Tuch, auch für Nehring. Wundern muss das nicht. Wenn Banken ihr Geld bei der EZB lagern, müssen sie seit Sommer 2014 Strafzinsen zahlen, minus 0,4 Prozent sind es derzeit. Für die Geldinstitute ist das eine Herausforderung, auch für die kleine Genossenschaftsbank mit Hauptsitz in Fischbach.

    „Unsere heutigen Zentralbanker“, erklärte Nehring, „haben mit dem Negativzins eine echte Innovation geschaffen.“ Aber keine, die die Banken weiterbringt: „Für uns stellt dieser Zins eine große Herausforderung dar.“ Die Margen zwischen Einlagen- und Kreditzinsen sinken, der Zinsüberschuss, der im traditionellen Bankgeschäft eine wichtige Rolle spielt, fällt. Und das wird vorerst so bleiben. Dass die EZB in den nächsten zwei Jahren ihre Niedrigzinspolitik aufgibt, glaubt Nehring nicht.

    Zufrieden kann der Vorstandssprecher also nicht sein, aber er wies in seinem Geschäftsbericht darauf hin, dass es der Bank trotz dieser Rahmenbedingungen gelungen sei, erfolgreich zu wirtschaften. Die Bilanzsumme ist deutlich um 2,9 Millionen auf 144,4 Millionen Euro angestiegen. Noch wichtiger aber sind ihm die Zahlen des Gesamtkundenvolumens, das jetzt bei 286,4 Millionen Euro, 10,9 Millionen mehr als 2015, liegt. Hinter dieser Gesamtübersicht stecken auch jene 76,3 Millionen Euro, die das Geldhaus für seine Kunden bei den Verbundpartnern Union Investment, Bausparkasse Schwäbisch-Hall und R+V-Versicherung vermittelt hat, und alle anderen Werte außerhalb der Bilanz.

    Der Zinsüberschuss, aus dem sich die Dividende ableitet, beträgt 3,546 Millionen (2,4 Prozent weniger als 2015), der Bilanzgewinn 294.424,13 Euro. Daraus wird die Grunddividende (23.370,35 Euro) ausgeschüttet. Sie beträgt 1,5 Prozent. Dazu kommen Bonuszahlungen: pro Bonuspunkt 1 Euro, pro eingezahltem Geschäftsanteil von 200 Euro maximal 20 Euro. Im besten Fall kann eine Dividende von 11,5 Prozent erzielt werden.

    Die Unterhaltung der acht Zweigstellen ist für die Raiffeisenbank teuer. Nicht alle arbeiten kostendeckend, aber die Bank will alle Filialen offen halten – mit einer Einschränkung, wie Nehring hervorhebt: „Solange es wirtschaftlich vertretbar ist.“ Und das heißt: Die Kunden müssen den Service annehmen und damit selbst bestimmen, „wie lange wir ihn aufrechterhalten können“.

    Um Kosten zu senken, werden verstärkt Kooperationen (und damit mehr Arbeitsteilung) mit anderen Genossenschaftsbanken angestrebt. Es laufen bereits konkrete Gespräche, informierte Nehring die Anwesenden. Er stellte auch klar: Es geht lediglich um Kooperationen, eine Zusammenarbeit – und nicht um eine Fusion.

    In schwierigen Zeiten biete es sich an, nach neuen Wegen zu suchen. Aufsichtsrat und Vorstand sind dafür, dass das Geld der Bank künftig auch in altersgerechtes Wohnen angelegt wird. Dafür war eine Satzungsänderung für Immobilien und grundstücksgleiche Rechte nötig, die die 225 Stimmberechtigten in der Gemeindehalle genehmigten.

    Auch im Vorstand der Raiffeisenbank Nahe wird es weitere Veränderungen geben. Nehring geht im Juli in den vorgezogenen Ruhestand. Das ist seit einem Jahr bekannt. Jörg Wagner, sein Nachfolger, saß in der Generalversammlung in der Gemeindehalle nun erstmals auf dem Podium. Im nächsten Jahr wird auch der zweite Mann im Vorstand aufhören, mit dem Nehring 17 Jahre zusammengearbeitet hat: Rochus Teschner wird ebenfalls gehen. Das Bewerbungsverfahren hat begonnen, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Stumm. Auf der Suche nach einem Nachfolger arbeitet die Bank mit einem Consultingbüro zusammen. Zunächst aber verabschiedet sich Nehring. Die Arbeit in der Raiffeisenbank sei die beste und schönste Zeit seines Berufslebens gewesen, erklärte er. Und sein Chefaufseher Gerhard Stumm lobte die immer „anständige, faire und kollegiale Zusammenarbeit“.

    Von unserem Mitarbeiter
    Karl-Heinz Dahmer

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