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    Kurzer Prozess: Strafmaß wurde ausgehandelt

    VG Birkenfeld/Idar-Oberstein - Er schlug einem Frührentner zweimal mit einer Pistole gegen den Kopf und fügte ihm dadurch blutige Wunden zu, ein Schuss fiel, dann bedrohte er sein Opfer mit den Worten: "Wenn Du der Polizei etwas sagst, bist Du in zehn Tagen tot!" Doch nach der Verhandlung am Amtsgericht Idar-Oberstein, wo sich der heute 29-Jährige aus der Verbandsgemeinde (VG) Birkenfeld wegen unerlaubten Waffenbesitzes, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung zu verantworten hatte, durfte der Angeklagte den Saal 117 als freier Mann verlassen. "Sie haben bei Gericht einen guten Eindruck hinterlassen", wurde dem Mann von Richter Jan-Felix Dreyer bescheinigt. Es wirkte wie eine Farce.

    Bei dem Opfer, das nun vor Gericht als Zeuge aussagte, hatte der Beschuldigte im Januar 2012 alles andere als einen guten Eindruck hinterlassen. Der Angeklagte war damals mit einem Begleiter in einem Auto auf das Grundstück des heute 60-Jährigen Frührentners in der VG Birkenfeld gerast, mit quietschenden Reifen und offenbar viel Wut im Bauch. Die Kontrahenten stritten, die Waffe wurde gezogen, sogar der Begleiter des Angeklagten duckte sich vor Angst, als sein Kompagnon damit herumfuchtelte.

    Aus der Pistole löste sich ein Schuss, sie fiel zu Boden, der Angeklagte traktierte seinen Kontrahenten weiter - nun mit Boxhieben. All dies wurde von einer Überwachungskamera festgehalten. Auch wenn die Bilder, die 15 Seiten der Gerichtsakten füllen, sehr grobkörnig sind, kann das Geschehen dennoch sehr gut nachvollzogen werden.

    Gericht konnte auf offene Fragen keine Antworten finden

    Warum es zum Streit gekommen war, in welcher Beziehung die Personen miteinander gestanden haben, wer neben dem Angeklagten der zweite Angreifer gewesen ist - all dies aber ging aus den Aufnahmen der Kamera nicht hervor und blieb auch in der Gerichtsverhandlung im Dunkeln. "Das konnte nicht geklärt werden", sagte Richter Dreyer und zuckte nach Beendigung des Prozesses nur mit den Schultern.

    Begonnen hatte die Verhandlung ganz unspektakulär. Der Anwalt des Angeklagten bat Richter und Staatsanwältin zum Gespräch. Sein Mandant wolle ein Geständnis ablegen und die benutzte Waffe abgeben, ließ er wissen. Alles lief auf eine Verständigung hinaus.

    Verfahrensbeteiligte einigten

    sich auf einen Vergleich

    Das Gericht sicherte dem Beschuldigten schließlich zu, dass die zu erwartende Haftstrafe nicht länger als ein Jahr und acht Monate betragen und drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werde. 800 Euro an eine karikative Einrichtung sowie die Übernahme der Verfahrenskosten stellte Richter Dreyer dem 29-Jährigen ebenfalls in Aussicht. Flugs holte der Anwalt besagte Schusswaffe und übergab sie einem Polizeibeamten. Wenig später räumte der Beschuldigte sämtliche Vorwürfe ein. Eventuelle Nachfragen seitens des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft zu Details blieben aus.

    "Zur Absicherung", wie Richter Dreyer es ausdrückte, wurde schließlich noch der Frührentner vom Gericht gehört. "Warum bin ich nur Zeuge? Ich bin doch das Opfer", wollte der 60-Jährige von Dreyer wissen, und der klärte ihn geduldig auf. Doch der Zeuge gab sich keineswegs zufrieden. "Wo ist denn der zweite Mann? Warum ist der denn nicht hier? Wird der nicht verurteilt?", hakte er mit ungläubigem Gesicht nach. Antworten auf seine Fragen indes erhielt er nicht.

    Der Rest war Formsache. Richter Dreyer verlas das ärztliche Attest, das dem Opfer ausgestellt wurde, und ließ die Vorstrafen des Angeklagten Revue passieren: schon einmal unerlaubter Waffenbesitz und Handel mit Drogen in mehr als zehn Fällen. Das Positive daran für Richter Dreyer: "Sie haben bewiesen, dass Sie gut mit einer Bewährungszeit umgehen können." Weiterer Pluspunkt: "Durch die Abgabe der Waffe haben Sie vom Verbrechen losgesagt." Der 60-jährige Zeuge - beziehungsweise das Opfer - konnte diese Worte Dreyers da schon nicht mehr hören, er hatte das Gericht schon verlassen.

    Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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