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  • BaumholderJubiläum: Dachdecker und Dozent mit Leidenschaft

    Mit 10.000 Mark und einer guten Portion Unbeschwertheit fing alles an. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist aus den ersten Schritten in die Selbstständigkeit eine etablierte Dachdeckerfirma geworden, die sich weit über die Grenzen der Region hinaus einen Namen gemacht hat. In diesem Jahr feiern Ralf Flohr und seine Frau Andrea den 25. Geburtstag ihres Unternehmens.

    Auf seine Mitarbeiter, seine Schwiegermutter und seine Frau konnte sich Ralf Flohr (rechts) immer verlassen. Foto: Flohr
    Auf seine Mitarbeiter, seine Schwiegermutter und seine Frau konnte sich Ralf Flohr (rechts) immer verlassen.
    Foto: Flohr

    Schieferdeckungen, die sind sein Steckenpferd, erzählt Ralf Flohr. „Dabei muss man jeden Stein einzeln in die Hand nehmen und individuell anpassen. Da ist hohe Fingerfertigkeit gefragt.“ Wenn man dem 50-Jährigen zuhört, fühlt man sich an den alten Satz erinnert: Beruf kommt von Berufung. „Das ist ein sehr harter Job, aber auch meine Leidenschaft“, sagt er. In einer Zeit, in der handwerkliche Arbeitsfelder nun wahrlich nicht ganz oben auf den Wunschzetteln der Jugend stehen, klingt das erfrischend. Von den zahlreichen Facetten der Dachdeckerei, die es mittlerweile gibt, schwärmt er. „Das Handwerk hat sich gewandelt“, erklärt Flohr. „Früher ging man mit dem Koffer zum Bau, heute hat man den ganzen Bus dabei.“ Damit verweist er auf die vielen Bereiche, in denen ein Dachdecker heutzutage tätig ist – von Fassaden über Terrassen bis zur energetischen Dämmung. „Man kann sich frei entfalten.“

    Vor genau 25 Jahren hat Ralf Flohr sein Dachdeckerunternehmen in Baumholder gegründet. Der Weg dorthin begann schon einige Zeit vorher. Kurz nach seinem Hauptschulabschluss entschloss er sich dazu, es seinem Bruder gleich zu tun und Dachdecker zu werden. „Über ihn kam ich dann auch in einen Betrieb, in dem ich ein Berufspraktikum und anschließend meine Lehre absolvierte.“ Seinen Abschluss machte er als einer der Besten mit Auszeichnung, auch wenn man bei der Entlassungsfeier vergaß, ihn aufzurufen. „Damals habe ich die Welt nicht mehr verstanden“, erzählt Flohr, der mittlerweile darüber schmunzeln kann. Hinterher habe man sich dann mit einem kleinen Präsent bei ihm entschuldigt.

    Nach einer dreijährigen Gesellenzeit folgte schließlich die Meisterschule, ehe er im Jahr 1992 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. „Die Großmutter meiner damaligen Freundin und heutigen Frau hat mir 10.000 Mark geliehen, weil keine Bank mir Geld geben wollte“, erzählt Ralf Flohr. „Ansonsten hatten wir nur das nötigste Handwerkszeug, einen kleinen Aufzug und ein paar Maschinen.“ Er eröffnete seinen Betrieb in einem angemieteten Lager in der Hauptstraße mit zwei Mitarbeitern und zwei Aushilfen. An seinen ersten Kunden kann er sich noch erinnern, wie Ralf Flohr verrät. „Das war der Onkel meiner Frau, Werner Merker aus Enzweiler.“

    1994 dann das nächste Kapitel: Ralf und Andrea Flohr kauften ein Grundstück in der Kuseler Straße und ließen ein Betriebsgebäude mit Lagerhalle errichten, das bis heute der Standort des Unternehmens ist. Nach und nach ging es für die Firma bergauf mit den üblichen Höhen und Tiefen, die jeder Selbstständige kennt. Zahlreiche Investitionen säumten den Weg, erst vor Kurzem wurde ein neues Fahrzeug für den Fuhrpark angeschafft.

    Mittlerweile hat Ralf Flohrs Dachdeckerunternehmen sechs Mitarbeiter, seine Frau ist die Geschäftsführerin. „Auch meine Schwiegermutter, die jahrelang das Büro gemacht hat, kommt noch regelmäßig vorbei“, sagt er. Die Firma hebt sich mit einer Spezialisierung auf Klempnerarbeiten von der Menge ab. Die Kunden kommen längst nicht nur aus der Region, sondern vorwiegend auch aus der Pfalz oder aus dem Schwarzwald. Ein großer Teil des Umsatzes wird in Luxemburg generiert. „Über eine Fertighausfirma sind wir dort an Kunden gekommen“, erklärt Ralf Flohr. Mit der Zeit habe sich dieses Band gefestigt. Neben dem Betrieb hat der Baumholderer noch ein weiteres Standbein: Seit 1992 ist er Dozent an der Handwerkskammer der Pfalz für die Meisterausbildung, im Prüfungsausschuss sitzt er ebenso.

    „Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden“, sagt der Dachdeckermeister mit Blick auf die Entwicklung seiner Firma und seinen Werdegang. „Wir können uns nicht beschweren und würden es wieder so machen.“ Ein wenig Sorgen macht ihm indes die Zukunft des Dachdeckerhandwerks. Auch wenn man insgesamt schon zehn Lehrlinge ausgebildet habe und im August wieder einen neuen bekomme, gingen fast keine Bewerbungen mehr ein. „Es gibt kaum noch Nachwuchs im Handwerk“, betont er. „Das liegt auch daran, dass keine Anreize gesetzt werden.“ Er verweist darauf, dass kaum ein Dachdecker bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter durchhält. In solch schweren Handwerksberufen müsse die Grenze auf maximal 52 Jahre herabgesetzt werden – ohne Abzüge.

    Ralf Flohr selbst jedenfalls ist darauf bedacht, dass er seine Mitarbeiter, die teilweise mehr als 20 Jahre in seinem Unternehmen tätig sind, bei der Stange hält. Jeden Dezember fährt er mit ihnen als kleines Dankeschön in Urlaub – meistens in die Berge zum Entspannen.

    Von unserem Redakteur Peter Bleyer

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