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    Kreis BirkenfeldIntegration der Flüchtlinge: Bei den Sprachkursen läuft's noch nicht rund

    Der Landkreis hat im September 2015 angesichts der Flüchtlingswelle eine neue Stelle im Sozialamt geschaffen, die auf zwei Jahre befristet ist: Jan Jakobi koordiniert Hilfs- und Weiterbildungsangebote rund um die Themen Asyl und Integration von Flüchtlingen. Die vergangenen sechs Monate beschreibt der 30-Jährige im Hinblick auf die Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen als ereignisreich.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    So habe eine Reihe von Gesetzesänderungen (Asylpaket I und II) die Rahmenbedingungen seiner Tätigkeit und der seiner Kollegen im Rekordtempo verändert: "Natürlich war das vergangene Halbjahr auch geprägt von einem starken Zuzug von Asylsuchenden in den Landkreis. Teilweise waren es bis zu 40 Personen pro Woche, was immense logistische Herausforderungen mit sich brachte. Die Unterbringung und Versorgung dieser Menschen ist die allererste Voraussetzung für die Integration. Uns ist es gelungen, alle Menschen dezentral im Landkreis in Wohnungen unterzubringen. Eine Belegung von Turnhallen oder ähnliches, wie man es aus vielen anderen Regionen kennt, konnte hier vermieden werden, was bei der großen Anzahl der Menschen eindeutig als Erfolg zu werten ist. Dies ist sicherlich nicht mein Verdienst, sondern das Ergebnis der Anstrengung vieler Akteure, angefangen von meinen Kollegen bis zu Vermietern, die sich bewusst entschieden haben, uns Wohnraum für die Unterbringung von Asylbewerbern anzubieten", sagt Jakobi.

    Mittlerweile gelinge es deutlich besser, Asylbewerber über grundlegende Rahmenbedingungen des Lebens in Deutschland und im Landkreis zu informieren, angefangen beim Thema Schulpflicht bis zur Müllentsorgung. Schwieriger verläuft aus seiner Sicht nach wie vor das Thema Spracherwerb. Hier mangele es an einem bundesweit einheitlichen Programm. Jakobi: "Aus meiner Sicht ist es absolut notwendig, Sprachkurse unabhängig vom erwarteten Ausgang des Asylverfahrens anzubieten. Das heißt: Jeder Asylbewerber sollte zeitnah nach Ankunft im Landkreis einen Platz in einem Sprachkurs haben, auch wenn er oder sie möglicherweise nur ein Jahr hier leben wird."

    Menschen, die sich nach wie vor ehrenamtlich engagieren, übernähmen im Kreis wichtige Aufgaben und unterstützten Asylbewerber beispielsweise in zahlreichen ehrenamtlich geführten Sprachkursen: "Dieses Engagement kann nicht genug gewürdigt werden. Allerdings müssen wir über die reine Würdigung hinaus Möglichkeiten schaffen, wie diese Menschen sich auch zukünftig weiter engagieren können. Dies reicht von der Bereitstellung von Materialien und Informationen bis zur Erstattung von Auslagen", betont der Flüchtlingskoordinator des Kreises. Der einfache Satz "Toll, dass Sie das machen" sei auf Dauer einfach zu wenig. Darüber hinaus würden weitere hauptamtliche Unterstützungsangebote benötigt. Diese würden nach und nach auch geschaffen: "Wie bei vielem wäre all dies jedoch auch schon vor einem halben Jahr wünschenswert gewesen."

    Dies gelte zudem für die Integration in den Arbeitsmarkt. Auch hier gebe es Menschen, die sich seit Jahren mit ungeheurem Nachdruck engagieren. Mittlerweile finde man eine Reihe von Maßnahmen unterschiedlicher Träger in diesem Bereich. Insgesamt jedoch werde die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt deutlich schwieriger verlaufen, als viele anfänglich angenommen haben: "Diejenigen, die entsprechende Qualifikationen im Herkunftsland erworben haben, werden sich auf Dauer auf dem deutschen Arbeitsmarkt zurechtfinden. Anders sieht es bei Menschen aus, die wenig bis keine Erfahrungen in Bildungsinstitutionen haben."

    Als besonders schutzbedürftige Gruppe seien Kinder und Jugendliche hervorzuheben: Nach anfänglicher Notunterbringung in Hotels seien mittlerweile alle unbegleiteten Minderjährigen bei Trägern der Jugendhilfe untergebracht. Aber auch Kinder und Jugendliche, die mit ihrer Familie geflohen sind, müssten im Hinblick auf eine gelingende Integration schnell ins Bildungssystem integriert werden. Hier gelte es, wie bei deutschen Jugendlichen, den Übergang von Schule zu Beruf zu gestalten, auch dort sei mittlerweile entsprechendes Personal vorhanden.

    "Was mich persönlich freut, ist das große Engagement: Viele setzen sich ein, etwa, um Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft unterzubringen. Es bleibe aber festzuhalten, dass für Kommunen und Kreise allein die Integrationsarbeit auf Dauer eine immense, auch finanzielle Anstrengung bedeutet. Hier ist dringend weitere Unterstützung vonseiten des Bundes gefragt", bilanziert Jakobi. Gut sei das Miteinander mit anderen Einrichtungen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv seien: Die Angebote ließen sich sicher noch besser verzahnen. "Aber wir sind auf einem guten Weg."

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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