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    Idar-ObersteinIm Stadtrat von Idar-Oberstein sitzen nur vereinzelt Jüngere

    Der Altersdurchschnitt im Idar-Obersteiner Stadtrat ist hoch. Nur drei der insgesamt sieben Fraktionen haben Mitglieder im Alter von unter 30 Jahren. Das deutet nicht nur auf ein ernstes Nachwuchsproblem der Parteien hin, sondern wirft auch die Frage auf, ob und wie die Interessen von Jugendlichen vertreten werden.

    Justin Hammond (21) ist jüngstes Mitglied des Idar-Obersteiner Stadtrats. „Wir sind jung, wir machen was“, überlegte sich der Schüler des Wirtschaftsgymnasiums eines Tages spontan mit einem Freund und ließ sich auf die Liste zur nächsten Stadtratswahl setzen. Da er sich schon vorher in solid (Jugendorganisation der Linken) engagierte, entschied er sich für die Linken, ohne dort selber Mitglied zu werden. Die Partei war begeistert und setzte ihn gleich relativ hoch oben auf die Liste. Im Stadtrat und als Mitarbeiter im Jugendtreff am Markt (JAM) sieht Justin Hammond sich als Sprachrohr der Jugend: Da sieht er, vor allem seit der Schließung des Jugendzentrums, große Defizite. „Ich will Leben in den Stadtrat bringen und so als Motivation für andere Jugendliche dienen, sich politisch zu engagieren“, sagt er. Allerdings wird er – wie viele Jugendliche – Idar-Oberstein wohl bald verlassen. „Nach meinem Abitur möchte ich studieren.“

    Annette Schnadthorst (Jahrgang 1971) von den Grünen sieht kein Nachwuchsproblem in ihrer Fraktion. Interessen von Jugendlichen vertreten alle gleichermaßen, unterstützt von Jüngeren, die selber nicht im Stadtrat sind. Schnadthorst, die gerade eine Ausbildung zur Erzieherin macht, ist geprägt durch Erfahrungen mit den eigenen Kindern oder Jugendlichen jeden Alters in Gruppen des Turnvereins und im Hochseilgarten. „Besonders liegt mir die Bäderfrage am Herzen, vor allem die baldige Wiedereröffnung des Naturbades im Staden“, betont die 40-Jährige, die seit 2004 politisch aktiv ist. Auch auf ein interessantes Freizeitangebot für jedes Alter legt sie Wert. Weitere Ansätze: Wie kann man die Stadt attraktiver machen und durch regenerative Energiekonzepte Gelder generieren bzw. sinnvoll einsparen?

    „Mich kann man ja eigentlich nicht mehr als wirklich jung bezeichnen“, meint Alexander Reinert (42) schmunzelnd. In seiner Fraktion, der Liste unabhängiger Bürger (LUB), ist er aber mit Abstand der Jüngste. Reinert, seit elf Jahren politisch aktiv, ist besonders eine aktivere Bürgerbeteiligung wichtig. „Das bedeutet, sie nicht nur zu informieren, sondern sie mitentscheiden und -gestalten zu lassen“, betont der Idar-Obersteiner. Der Nachwuchs liegt dem Fluglotsen besonders am Herzen. „Wir haben viele Menschen Anfang 20 für unsere Ideen begeistern können und übertragen ihnen nun gezielt Verantwortung.“ So bilden zwei junge Frauen den Vorstand und gestalten eigenverantwortlich politische Themen. Auch in Ausschüssen ist die Jugend vertreten, vor allem im Jugendhilfe- und Kulturausschuss. Die Fraktion setzt sich außerdem für die Einführung eines Jugendbeirates und Veranstaltungen wie Jugendkonzerte ein. „Vielleicht werde ich irgendwann der Älteste der Fraktion sein“, hofft Reinert.

    Thomas Engel (46), Fraktionsführer der Freien Liste, sieht Nachwuchsprobleme in allen Parteien. „Unsere Vereinigung betreibt Politik vor der Tür. Auch die Strukturen sind nicht so wie in den großen Parteien, daher ist der Einstieg eigentlich einfacher“, wirbt Engel. Als lokaler, unabhängiger Verband sei es für die Freie Liste jedoch besonders schwierig, junge Menschen zu gewinnen, weil der überregionalen Überbau fehle. „Interesse an Politik beginnt oft erst nach der Ausbildung. In den meisten Schulen wird zu wenig dafür getan“, kritisiert der Ingenieur. Jugendliche gehören für Engel in die Mitte der Gesellschaft. „Die meisten unserer Mitglieder haben Familien und wissen daher über Jugendthemen Bescheid. Außerdem möchten wir in Zukunft mehr mit dem JAM zusammenarbeiten.“ Er meint jedoch auch, dass der Altersdurchschnitt im Stadtrat zu hoch ist und deshalb Interessen der Jugend oft zu kurz kommen.

    Marco Loch (26) hat mit Julia Luthmann in der SPD-Fraktion eine Genossin gleichen Alters. Als Jugendlicher fasziniert von der Regierung Schröders, vor allem aber vom Nein zum Irak-Krieg, entschied er sich vor zehn Jahren, selber aktiv zu werden. Besonders am Herzen liegen auch ihm die Bäderfrage und die Wiedereröffnung des Stadenbads. Dem Jurastudent gefällt das breite Altersspektrum in der Fraktion. „Die Interessen von Menschen jeden Alters sollten in der Politik eine Rolle spielen und diese bereichern. Ich kann natürlich nicht die ganze Jugend vertreten, das wäre anmaßend. Aber ich versuche speziell Themen anzusprechen, die junge Menschen etwas angehen“, meint Loch. Momentan pendelt er täglich von seiner Heimat zu seiner Universität in Saarbrücken. Außerdem arbeitet er als Aushilfskraft in einer Rechtsanwaltskanzlei in Idar. Gerne würde er auch nach dem Studium in Idar-Oberstein bleiben.

    Artjom Jalosa (24) arbeitet im Bereich Investment Banking in Frankfurt. Obwohl er sich vorher nicht sehr mit Politik befasst hatte, stellte er seine Ideen vor den letzten Kommunalwahlen dem Vorsitz der FDP-Fraktion vor – und der war begeistert. Die Stadtratsarbeit hatte sich Jalosa jedoch anders vorgestellt. Entscheidungsprozesse dauern ihm zu lange, es gibt viele formale Hürden. Auch Beruf und Politik zu vereinbaren, ist eine Herausforderung. „Es ist für junge Menschen oft ein Problem, auswärts zu studieren oder zu arbeiten und sich trotzdem für die Stadt einzusetzen.“ Dennoch entwickelt er weiter eigene Konzepte. Um Jugendlichen eine Chance zu geben, für ihre Interessen einzutreten, hat er die Gründung eines Debattierclubs für Schüler und Abiturienten angeregt. Gemeinsam mit ihnen will er ein Konzept arbeiten, wie junge Menschen die Messehalle für Veranstaltungen wie Abiturbälle billiger mieten können.

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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