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  • Hahn-Mitarbeiter glauben an ihren Flughafen

    Flughafen Hahn. Die Angst vor einem Konkurs beschäftigt die Menschen am Flughafen Hahn. Aber sie wollen auch einfach wissen, wie es nun weitergeht, denn sie glauben weiter an ihren Flughafen, wie ein Ortsbesuch zeigt.

    Von unserem Chefreporter Volker Boch

    Das Wetter könnte nicht besser passen an diesem Donnerstag. Am Morgen kommt zunächst die Sonne hervor, dann ziehen dunkle Wolken über dem Hunsrück-Flughafen auf, es beginnt zu schütten - und plötzlich legt sich wieder strahlender Sonnenschein über den Hahn. So wechselhaft wie die Witterung sind auch die Gefühle und Befindlichkeiten, die im Zusammenhang mit dem Flughafen geäußert werden. Während in Mainz die Abstimmung zum Misstrauensantrag gegen Ministerpräsidentin Malu Dreyer läuft, beschäftigt die Menschen nicht nur der politische Schlagabtausch. "Es ist eine große Unsicherheit da", sagen Mitarbeiter am Flughafen, "das zieht sich bis ins Private hinein." Es ist die Angst vor einer Insolvenz und vor den Folgen des im Hunsrück als "Mainzer Chaos" empfundenen Verkaufsdebakels.

    Ärger über das Schlechtreden

    Insbesondere die Diskussion um die Kassenlage beschäftigt die Menschen vor Ort, aber nicht nur. "Ich glaube nur das, was ich sehe", sagt ein Mann, der seit 16 Jahren am Hahn arbeitet. Er meint damit zum einen die gescheiterte Prüfung der Shanghai Yiqian Trading (SYT), die sich im Nachgang der Vertragsunterschrift als mutmaßlicher Betrüger entpuppt hat. "Ich frage mich, was die Berater des Landes überhaupt für Fragen an den Käufer gestellt haben." Zum anderen ärgere er sich über diejenigen, die schon seit Jahren schlecht über den Hahn reden würden. "Man fragt sich manchmal schon, ob der Flughafen bewusst runtergefahren wurde", heißt es. Nach den Glanzjahren 2006 bis 2008 fühlen sich manche langjährigen Mitarbeiter offensichtlich in einer Art Fahrstuhl mit Fahrtrichtung Keller, die sie stutzig macht. "Es hieß hier auch schon, dass die Lufthansa hinter allem steckt, weil sie die kleinen Flughäfen wie den Hahn weghaben will."

    Am Hahn sind genauso viele Sorgen wie auch Gerüchte unterwegs bis hin zu mittleren Verschwörungstheorien. "Die kleinen Leute spielen in den Überlegungen der Politik gar keine Rolle", sagt eine Frau, die seit fast 20 Jahren am Flughafen beschäftigt ist. Ein Mitarbeiter im Terminal erklärt: "Ich würde mir wünschen, dass die Informationspolitik weniger aufbauschend wäre." Auch wenn die Landesregierung sicher große Fehler gemacht habe, so sei in den vergangenen Wochen auch erkennbar gewesen, dass sie sich viel Mühe geben würde, die Situation zu retten. Bei allem Ärger über die derzeitige Situation ist eines erkennbar: Die Menschen, die vom Hahn leben, glauben an eine Zukunft des Flughafens.

    Unsicherheit wächst täglich

    "Die ganzen Geschehnisse machen die Arbeit nicht einfacher", erklärt Flughafen-Geschäftsführer Markus Bunk im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Unsicherheit und Angst der Mitarbeiter wird von Tag zu Tag größer. Die Mitarbeiter leiden immer darunter, dass der Flughafen Verluste macht", sagt der Flughafenchef. Zudem belaste die öffentliche Debatte die Alltagsarbeit. Angesprochen auf die aktuelle finanzielle Situation der FFHG, betont Bunk: "Es ist nicht schlimmer als vor einem oder zwei Jahren. Die Situation überrascht uns nicht." Bunk erinnert daran, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder ähnliche Situationen gegeben hat, in denen sich die FFHG auf den Zufluss von Geldern aus Mainz stützen musste.

    Der Flughafenchef kommentiert die aktuelle wirtschaftliche Lage nicht weitergehend. Aber er macht im Gespräch deutlich, dass die Geschäftsführung sich der angespannten Situation bewusst ist und ihren Finanzbedarf grundsätzlich frühzeitig und rechtzeitig gegenüber dem Land anmelden würde. "Kein Geschäftsführer verliert aus dem Auge, dass es ein Insolvenzrecht gibt", sagt Bunk. Er selbst denkt derzeit ganz offensichtlich nicht an eine zeitnah drohende Insolvenz. "Wir gehen davon aus, dass uns unser Gesellschafter nicht im Regen stehen lässt."

    Ganz allgemein setzen die Menschen, die am Hahn arbeiten, wohl fest darauf, dass ein neuer Investor den Flugbetrieb auch künftig fortsetzt - und damit sowohl das Darlehen des Landes über 34 Millionen als auch spätere Betriebsbeihilfen fließen können. Alles andere als einen Flugbetrieb kann sich hier kaum jemand vorstellen. Auch wenn aus terminlichen Gründen ein Gespräch mit dem Unternehmen Haitec am Donnerstag kurzfristig nicht zustande kommen konnte, setzt auch dieses Unternehmen klar auf einen Fortbestand des Flughafens. Aktuell werden hier rund 30 Millionen Euro in den Bau einer neuen Wartungshalle für Flugzeuge investiert, die Bauarbeiten liefen diese Woche weiter.

    Grundlagen für eine andere Nutzung

    Der Flughafen, das ist immer wieder zu hören, hatte nie einen anderen Nutzungszweck als den Flugbetrieb. Für die landseitige Nutzung müssten erst planerische Grundlagen geschaffen werden. Solche gibt es bereits für den Bereich des großen Solarparks, kurz vor der Veröffentlichung steht zudem ein Bebauungsplan im Gebiet des 250 Mitarbeiter umfassenden Unternehmens Hahn Kunststoffe. Parallel dazu stellte der Zweckverband Flughafen Hahn gestern Abend in der Sitzung des Verbandsgemeinderates Kirchberg in der Landespolizeischule eine weitere umfangreiche Planung für den Bereich "300" im Zentrum des gesamten Hahn-Areals sowie ein angedachtes Gewerbegebiet an der L 182 bei Lautzenhausen vor.

    Entstehen soll am Hahn ein zukunftsorientiertes Logistikcluster, also ein Logistiknetzwerk. Der Standortvorteil, so erklärt Zweckverbandsvorstand Harald Rosenbaum, ist dabei ganz klar der Flughafen. "Wo sonst sollte in der Region ein Logistikcluster entstehen können als dort?", fragt der Kirchberger VG-Bürgermeister, der mit der regionalen Politik auf den Fortbestand des Flughafens setzt.

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