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    RhaunenGrundschule kämpft für ihren Sozialarbeiter

    Zum Jahresende 2013 läuft die Finanzierung für Schulsozialarbeiterstellen an Grundschulen aus. Die Fördermittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket waren auf diesen Zeitpunkt befristet. "Wir, die Kinder, Eltern und Lehrer der Grundschule Idarwald in Rhaunen, bedauern dies außerordentlich und möchten gern zeigen, dass ein Schulsozialarbeiter an Grundschulen gut investiertes Geld in die Zukunft der Kinder, Familien und nicht zuletzt auch der Gemeinden ist", stellt Joachim Hahn, Rektor der Rhaunener Grundschule, klar.

    Schulsozialarbeiter Martin Sohns in Aktion. Er macht einen prima Job, sagen Kinder, Eltern und Lehrer. Seine Stelle solle auf alle Fälle weiter finanziert werden, fordern die Verantwortlichen.
    Schulsozialarbeiter Martin Sohns in Aktion. Er macht einen prima Job, sagen Kinder, Eltern und Lehrer. Seine Stelle solle auf alle Fälle weiter finanziert werden, fordern die Verantwortlichen.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Auf alle Fälle wolle man Martin Sohns, seit Ostern 2012 als Schulsozialarbeiter an der Grundschule tätig, behalten. Der 42-jährige Heilerziehungspfleger und Erziehungswissenschaftler unterstütze Schüler, Eltern und Lehrer in allen sozialen Bereichen des schulischen Umfelds. Er helfe aber nicht nur in Fällen, in denen die Kinder und Eltern bereits dringend Unterstützung brauchen, sondern sei in hohem Maße bereits präventiv tätig, indem er für die Kinder niedrigschwellige Angebote vorhält, die sie stärken und ihnen damit ein selbstbewusstes und eigenverantwortliches Leben ermöglichen.

    Hahn betont: "Auch bei uns auf dem Land müssen oft beide Elternteile arbeiten gehen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Die Familien leben nicht mehr wie früher mit den Großeltern im Haus, sodass eine dem Kind würdige Erziehung in der Familie oft nicht mehr gegeben ist. Da in unserer Gegend die Mieten so niedrig sind, ziehen viele sozialschwache Familien aufs Land. Leider ist aufgrund der Geldnot oft in diesen Familien soziale Hilfe unbedingt notwendig." Von großem Vorteil für alle Beteiligten sei, dass der Schulsozialarbeiter nicht als "Institution Schule" auftrete, sondern über einen neutralen Träger beschäftigt ist. Somit falle vor allem auf Seiten der Kinder und der Eltern eine Hürde weg. Hilfe anzunehmen, ohne dass diese "amtlich" wird, sei leichter. Schulsozialarbeiter hätten aufgrund ihrer Ausbildung einen komplett anderen Blick auf die Verhaltensweisen von Kindern, betrachteten sie systemisch, also auch das familiäre Umfeld. Wegen ihrer besonderen Qualifikation sei ihnen ein entspanntes Arbeiten mit den Kindern möglich. "Durch einen frühzeitigen präventiven Ansatz haben Schulsozialarbeiter die Möglichkeit, Kinder in ihrem Wesen zu stärken und zu fördern und sie damit auf das Leben besser vorzubereiten. Hierdurch können unsoziale Verhaltensweisen der Kinder vermieden oder abgeschwächt werden. Auch lassen sich spätere Hilfemaßnahmen, die aufwendiger und vor allem kostenintensiver sind, sicher in vielen Fällen vermeiden. Da die Kinder der Grundschule Idarwald überwiegend aus unserem Schulbezirk kommen, wird somit Hilfe vor Ort geleistet, was sich dementsprechend auch vor Ort - im gemeinsamen Miteinanderleben - positiv auswirkt", sind Lehrer und Eltern überzeugt. Die Möglichkeit, mit den Eltern geeignete Hilfsmaßnahmen gemeinsam zu besprechen, ihnen zu helfen, diese zu beantragen und auch während der Maßnahme die Kinder und Eltern zu begleiten, sei ein wesentlicher Pluspunkt des Schulsozialarbeiters. Dies könne eine Lehrperson in diesem Maße nicht erfüllen. "Faktisch ist die Stelle eines Schulsozialarbeiters an einer Grundschule unbedingt notwendig, denn je früher die Arbeit am Kind und mit dem Kind begonnen wird, desto größer sind die Aussichten, dass die Kinder sich sozial angemessen entwickeln", weiß Hahn.

    Darum bittet die Grundschule Rhaunen um eine weitere Finanzierung und die Schaffung von festen Schulsozialarbeiterstellen an Grundschulen: "Im Falle der Grundschule Idarwald setzen wir uns nachdrücklich dafür ein, die Stelle unseres Schulsozialarbeiters zu erhalten." Sohns habe bereits nach kurzer Zeit folgende Tätigkeitsfelder erschlossen und etabliert: Nachmittags-AGs, Musikprojekt, Sport-, Spiel- und Bewegungsgruppe, Internetführerschein für die vierten Klassen, bewegter Anfang, genderspezifische Jungs- und Mädchengruppen sowie eine Body-Awareness-Gruppe.

    Im Frühsommer 2013 wurde ein neues Angebot gestartet: Es handelt sich hierbei um einen Kurs zur sozial-emotionalen Förderung. Der Kurs wurde von den ersten und zweiten Klassen genutzt. Eine offene Nachmittagsgruppe in Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen ist im Aufbau.

    Die Sozialarbeit in Rhaunen sei Teil eines pädagogischen Netzwerks und habe entscheidende Impulse geliefert. So könne schnell zum Wohl der Kinder gehandelt werden. Zu beobachten sei auch die Zunahme von intensiver Einzelfallarbeit, in denen zum Beispiel psychisch erkrankten Eltern Unterstützung gegeben werden muss, um eine unversehrte Entwicklung der Kinder weiterhin gewährleisten zu können.

    Grundsätzlich jedoch sieht die Schulsozialarbeit an der Grundschule ihre Hauptaufgabe weiterhin im Bereich der Prävention, da - trotz durchaus mittlerweile vorhandenen und aus unterschiedlichen Gründen dysfunktionalen Familien - weiterhin das Schulklima ein gesundes und gutes ist: "Ein Umstand, der weiterhin Pflege braucht und nicht selbstverständlich ist", zieht Hahn Bilanz

    Ausgehend von Ideen im Schülerparlament, das in der Grundschule regelmäßig tagt, fertigen die Schüler zurzeit verschiedene Dinge (wie Adventskränze, Armbändchen etc.) an, die am Weihnachtsmarkt in Rhaunen am Samstag, 14. Dezember, vom Förderverein verkauft werden, um die Stelle des Schulsozialarbeiters zu erhalten. Der Schulelternbeirat und der Förderverein planen weitere Aktionen, um ebenfalls Geld zu sammeln und die Aktion zu unterstützen: "Dabei ist allen klar, dass dies natürlich nur symbolisch für eine kurze, begrenzte Zeit möglich ist. Aber damit möchten wir gern unseren Wunsch an die Öffentlichkeit tragen und zeigen, dass wir dafür etwas tun."

    Die Verbandsgemeinde Rhaunen habe - wie einige andere Gemeinden auch - bereits signalisiert, dass sie die Arbeit von Schulsozialarbeiter Sohns zumindest bis zum Ende des Schuljahres finanzieren möchte.

    Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, das Thema wird in den politischen Gremien behandelt. Somit bleibe der Landesregierung noch etwas Zeit, eine Weiterfinanzierung zu beschließen, blickt Hahn in die Zukunft.

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