40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Nahe-Zeitung
  • » Gebürtiger Ägypter Tarek El-Hossary blickt mit Hoffen und Bangen auf seine frühere Heimat
  • Aus unserem Archiv

    Idar-ObersteinGebürtiger Ägypter Tarek El-Hossary blickt mit Hoffen und Bangen auf seine frühere Heimat

    Dr. Tarek El-Hossary ist gebürtiger Ägypter, seit 13 Jahren lebt er in Deutschland, vor vier Jahren wurde er deutscher Staatsbürger. El-Hossary stammt aus der Millionenmetropole Alexandria, neben Kairo gehört die Hafenstadt am Mittelmeer in den vergangenen Wochen zu den Zentren der ägyptischen Revolution. Da auch sein Bruder und seine Schwester noch in der zweitgrößten ägyptischen Stadt leben und er in regelmäßigen Kontakt mit ihnen steht, sind seine Gefühle für die gegenwärtigen Geschehnisse durchaus gemischt.

    Mit seinen Kindern Hassan und Arig macht Tarek El-Hossary das Victory-Zeichen, aber noch hat die Revolution in Ägypten nicht gesiegt.
    Mit seinen Kindern Hassan und Arig macht Tarek El-Hossary das Victory-Zeichen, aber noch hat die Revolution in Ägypten nicht gesiegt.
    Foto: Greber

    Idar-Oberstein - Dr. Tarek El-Hossary ist gebürtiger Ägypter, seit 13 Jahren lebt er in Deutschland, vor vier Jahren wurde er deutscher Staatsbürger. El-Hossary stammt aus der Millionenmetropole Alexandria, neben Kairo gehört die Hafenstadt am Mittelmeer in den vergangenen Wochen zu den Zentren der ägyptischen Revolution. Da auch sein Bruder und seine Schwester noch in der zweitgrößten ägyptischen Stadt leben und er in regelmäßigen Kontakt mit ihnen steht, sind seine Gefühle für die gegenwärtigen Geschehnisse durchaus gemischt.

    „Ich habe natürlich Angst um meine Geschwister“, berichtet El-Hossary, der mit seiner Familie in Kirchenbollenbach lebt. „Wir haben in den vergangenen Tagen täglich miteinander telefoniert, und die Situation war zeitweise sehr bedrohlich und ist auch immer noch gefährlich.“ El-Hossary ist enttäuscht, dass die Opposition nur halbherzige Unterstützung aus Europa und den USA bekommt. „Ein Sieg der Protestbewegung liegt auch im ureigensten Interesse der freien Welt“, ist er überzeugt. „Freiheit und Gerechtigkeit sind die wirksamsten Mittel gegen den islamischen Terrorismus. Dafür sind Menschen nur anfällig, wenn sie keine Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Situation haben.“

    El-Hossary weiß aus eigener Erfahrung nur zu genau, wie schwierig es selbst mit einer guten Ausbildung ist, in Ägypten zu überleben. Er hat Agrarwissenschaft studiert und sogar promoviert, in Deutschland hat er ein Import-Export-Unternehmen für Textilwaren aufgebaut. „Ich habe etwa 100 Euro im Monat verdient, und die meisten Lebensmittelpreise sind genau so hoch wie hier“, berichtet er. „Seit etwa 15 Jahren frisst die Inflation immer mehr vom Einkommen der Leute weg, die Preise steigen wesentlich schneller als die Löhne.“ Rund 60 Prozent der Bevölkerung seien junge Leute, berichtet El-Hossary. „Es gibt in Ägypten rund elf Millionen unverheiratete junge Frauen“, erläutert er. „Sie können nicht heiraten, weil die Männer kein Geld verdienen und sich kaum jemand eine Wohnung leisten kann.“

    Die jungen Leute wollen, so El-Hossary, einfach nur ein ganz normales Leben führen, wie andere junge Menschen überall auf der Welt. „Mubarak und seine Clique haben das Land ausgeplündert und jede freie Meinungsäußerung mit der Geheimpolizei unterdrückt“, klagt er an. „Die Milliarden, die Mubarak und andere Nutznießer des Systems ins Ausland, auch hier nach Deutschland, müssen unbedingt eingefroren und es muss durch Gerichtsprozesse dafür gesorgt werden, dass sie dem ägyptischen Volk zurückgegeben werden. Das ist gestohlenes Geld.“

    Noch vor wenigen Wochen hätte es El-Hossary nicht für möglich gehalten, dass in seinem Heimatland in so kurzer Zeit eine so breite Protestbewegung entstehen könne. Nun hofft er, dass sie auch von Erfolg gekrönt sein wird. „Vor allem die jungen Menschen in Ägypten brauchen die Unterstützung der Ersten Welt, auch die deutsche Politik sollte hier eine klare Haltung einnehmen“, appelliert er. Es sei noch keineswegs klar, wohin die Entwicklung in Ägypten führen werde. „Ohne den Druck aus den USA und Europa ist auch noch ein schlimmes Blutbad unter den Demonstranten denkbar“, fürchtet er.

    Idar-Oberstein Birkenfeld
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
    Stefan Conradt (sc)
    Redaktionsleiter
    Tel. 06781/605-43
    E-Mail
    Vera Müller (vm)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-52
    E-Mail
    Bettina Schäfer (bet)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-56
    E-Mail
    Andreas Nitsch (ni)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-45
    E-Mail
    Axel Munsteiner (ax)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-44
    E-Mail
    Peter Bleyer (pbl)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-58
    E-Mail
    Jörg Staiber (jst)
    Reporter
    Tel. 06781/605-63
    E-Mail
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Regionalwetter
    Dienstag

    11°C - 26°C
    Mittwoch

    14°C - 30°C
    Donnerstag

    14°C - 27°C
    Freitag

    14°C - 26°C
    epaper-startseite
    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Anzeige
    Jahresrückblick 2016 der NZ