40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Nahe-Zeitung
  • » Elektromobilität: Umdenken in der Bevölkerung fehlt noch
  • Elektromobilität: Umdenken in der Bevölkerung fehlt noch

    Kreis Birkenfeld. Eins vorweg: Dass in Sachen Elektromobilität im Landkreis Birkenfeld nichts läuft, das kann man nicht sagen. Immerhin gibt es einige lohnende Projekte, die das Thema aufgreifen - wie die beiden Elektro-Bürgerautos in der VG Birkenfeld und der VG Herrstein. Vor Kurzem hatte Verbandsgemeindebürgermeister Bernhard Alscher selbst sogar eine Investition mit Vorbildfunktion getätigt und sich einen Renault Zoe gekauft (die NZ berichtete).

    Über die Inbetriebnahme der neuen Elektrotankstelle am Klinikum freuen sich (von links) Dirk Juchem, Michael Hausmann, Bernd Mege und Ulrich Gagneur. Sie ist nun eine von insgesamt vier öffentlichen Ladesäulen im Landkreis Birkenfeld, die alle von der OIE betrieben werden. Die Zahlen der angemeldeten Elektroautos sind bisher noch verschwindend gering.
    Über die Inbetriebnahme der neuen Elektrotankstelle am Klinikum freuen sich (von links) Dirk Juchem, Michael Hausmann, Bernd Mege und Ulrich Gagneur. Sie ist nun eine von insgesamt vier öffentlichen Ladesäulen im Landkreis Birkenfeld, die alle von der OIE betrieben werden. Die Zahlen der angemeldeten Elektroautos sind bisher noch verschwindend gering.

    Von unserem Redakteur Peter Bleyer

    All das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Elektroautos im Landkreis verschwindend gering ist: 23 Fahrzeuge waren Anfang des Jahres registriert - gerade einmal sieben mehr als 2015. Von einer positiven Entwicklung kann man da nicht wirklich sprechen. Zum Vergleich: Die Zahl der angemeldeten Benziner lag im Januar bei rund 34 600.

    Diese Zahlen spiegeln den Trend wider, der deutschlandweit zu verzeichnen ist: Konsumenten scheuen sich davor, Elektroautos zu kaufen. Gründe dafür werden oft genug angeführt: von geringer Reichweite ist die Rede, ebenso von hohen Preisen. Viktor Klein, Klimaschutzmanager der VG Birkenfeld, sieht des Pudels Kern allerdings woanders. "Das Ganze ist vielmehr ein psychologisches Problem als ein tatsächliches", betont er. "Die Leute vergessen, dass ein Zahnriemenwechsel und Inspektionen auch Geld kosten. Das müsste man einfach mal mit einberechnen." Auch das Argument der fehlenden Reichweite sei nicht durchdacht. Zwar seien 200 Kilometer in der Tat wenig, verglichen mit der Strecke, die ein Benziner zurücklegen kann, aber: "Die Leute fahren doch nur wirklich weit, wenn es in den Urlaub geht", erklärt Klein. "Sich ein Auto für ein einziges Ereignis im Jahr zu kaufen, ist doch sehr fragwürdig."

    Infrastruktur ist noch dürftig

    Allerdings gibt es da noch ein weiteres Argument von "Elektro-Auto-Gegnern", dem Viktor Klein nicht widersprechen kann. "Die Infrastruktur ist derzeit recht dürftig. Bei den fehlenden Ladestationen ist eine Fernfahrt immer noch ein kleines Abenteuer." Ein Blick in den Landkreis Birkenfeld stützt seine Aussage. Das Versorgungsunternehmen OIE gibt auf Nachfrage an, der einzige Ladesäulenbetreiber zu sein und gerade einmal vier dieser Stationen im gesamten Kreis zu betreiben, alle in Idar-Oberstein: "Auf der Idar", in der Hauptstraße und auf dem Globus-Parkplatz in der Eisenbahnstraße. Kürzlich dazu gekommen ist eine Säule am Klinikum, die man im Moment noch umsonst nutzen kann. "Jede der drei zuerst installierten Säulen hat im Monat etwa sieben bis zehn Ladevorgänge", verrät Pressesprecherin Jutta D’Orazio.

    Den ernüchternden Zahlen zum Trotz läuft das Elektro-Bürgerautoprojekt sowohl in Birkenfeld als auch in Herrstein recht gut. "Die Nachfrage ist wirklich stark", verrät Anke Klein von der Verbandsgemeinde Herrstein. "Die Leute, die das Angebot hauptsächlich nutzen, sind zwischen 70 und 90 Jahre alt." Im Durchschnitt schaffe man drei bis vier Fahrten am Tag, viel mehr seien nicht möglich, da man die ganze Verbandsgemeinde Herrstein abdecke. Außerdem habe der Renault Zoe bloß eine Laufzeit von 100 Kilometern, danach müsse er geladen werden.

    Auch in der VG Birkenfeld ist ein Renault Zoe als Bürgerauto unterwegs. "In den letzten zwei Jahren haben die ehrenamtlichen Fahrer 4000 Fahrten zurückgelegt", erzählt Viktor Klein. "Das sind mehr als 60 000 Kilometer." Am Tag könne man im Schnitt sechs Leute versorgen, wenn es gut laufe, acht bis zehn. Das Elektro-Bürgerauto der VG Birkenfeld ist sogar für den Deutschen Engagementpreis nominiert, der am 5. Dezember in Berlin verliehen wird.

    Projekt Nemo soll Impulse geben

    Es tut sich also schon was beim Thema Elektromobilität im Landkreis Birkenfeld. Ein Umdenken in der Bevölkerung scheint es bislang aber nicht zu geben. Für Viktor Klein ist klar, dass man künftig vor allem auf den Ausbau der Infrastruktur setzen muss. Beispielhaft führt er hier das Projekt Nemo an, das die VG Birkenfeld in Kooperation mit dem Umwelt-Campus Birkenfeld und finanzieller Unterstützung des Mainzer Wirtschaftsministeriums umsetzt (die NZ berichtete). Ziel ist es, Autos, die mit Diesel oder Benzin betrieben werden, vom Campus wegzubekommen. Deshalb werden zwölf Stellplätze für Elektroautos inklusive der dafür nötigen Infrastruktur geschaffen - dazu gehören auch Ladesäulen. Die Fahrzeuge sollen von einem Pächter zur Verfügung gestellt und nach dem Car-Sharing-Prinzip genutzt werden. Die Verantwortlichen erhoffen sich, dass das Projekt Impulse für den Ausbau der Elektromobilität in der ganzen Nationalparkregion setzt.

    Wenn solche Initiativen sich häufen und die Infrastruktur besser wird, dann ist für Viktor Klein klar: Das Bild auf deutschen Straßen wird sich deutlich ändern - zu Gunsten der Elektroautos. "Ich glaube da ganz fest dran", betont er. "Und auch die Reichweite wird sich bald verbessern. Große Hersteller haben dieses Jahr schon Modelle vorgestellt, die mit einer Ladung bis zu 500 Kilometer weit fahren können." Ganz andere Prognosen hört man, wenn man bei der Kreisverwaltung Birkenfeld nachfragt. Dort heißt es: "Wenn das Bemühen der Bundesregierung und die Schaffenskraft der Automobilindustrie so anhält, werden wir zwar mehr als 23 Fahrzeuge haben. In Relation zu den klassischen Antriebsarten wird der Anteil aber auch weiterhin verschwindend gering sein." Wer nun am Ende Recht behält, werden die kommenden Jahre zeigen.

    UMFRAGE (beendet)
    UMFRAGE Dreispuriger Ausbau der B 269

    Finden Sie es gut, dass die B 269 in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald ausgebaut wird?

    Ja
    31%
    Nein
    61%
    Egal
    8%
    Stimmen gesamt: 311
    Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
    Stefan Conradt (sc)
    Redaktionsleiter
    Tel. 06781/605-43
    E-Mail


    Vera Müller (vm)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-52
    E-Mail


    Bettina Schäfer (bet)
    Redakteurin
    Tel. 06781/605-56
    E-Mail


    Andreas Nitsch (ni)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-45
    E-Mail


    Axel Munsteiner (ax)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-44
    E-Mail


    Peter Bleyer (pbl)
    Redakteur
    Tel. 06781/605-58
    E-Mail


    Jörg Staiber (jst)
    Reporter
    Tel. 06781/605-63
    E-Mail


    Online regional
    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

     

    E-Mail

    Nahe-Zeitung.de bei Facebook
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Regionalwetter
    Donnerstag

    8°C - 23°C
    Freitag

    8°C - 27°C
    Samstag

    12°C - 30°C
    Sonntag

    14°C - 31°C
    epaper-startseite
    Lokalsport der Nahe-Zeitung bei Facebook
    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Anzeige
    Jahresrückblick 2016 der NZ