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  • BirkenfeldDoch kein Komplettverkauf an chinesische Investoren: Stadt Birkenfeld behält Big-Center-West

    Die Entscheidung fiel hinter verschlossenen Türen, sie hatte sich nach den politischen Debatten im Vorfeld und der klar ablehnenden Reaktion vieler Bürger abgezeichnet: Die Stadt wird den ihr gehörenden Gebäudekomplex des Big-Centers am Alten Bahnhof nicht komplett abgeben, obwohl ihr dafür Kaufangebote von zwei deutsch-chinesischen Investoren vorliegen. Das hat der Stadtrat am Dienstagabend im nicht öffentlichen Teil mehrheitlich beschlossen, wie Bürgermeister Miroslaw Kowalski (CDU) auf NZ-Anfrage sagte.

    Das Westgebäude des Big-Centers hat sich im Lauf der Zeit zu einer Art Gesundheitszentrum entwickelt. Damit dort keine Ärzte, die mit einem Besitzerwechsel nicht einverstanden wären, ausziehen, will die Stadt auch in Zukunft Eigentümerin dieser Immobilie bleiben. Foto: Reiner Drumm
    Das Westgebäude des Big-Centers hat sich im Lauf der Zeit zu einer Art Gesundheitszentrum entwickelt. Damit dort keine Ärzte, die mit einem Besitzerwechsel nicht einverstanden wären, ausziehen, will die Stadt auch in Zukunft Eigentümerin dieser Immobilie bleiben.
    Foto: Reiner Drumm

    Das Gremium kippte damit sein eigenes bisher gültiges Votum aus dem Jahr 2013, das die Veräußerung der gesamten Immobilie vorsah. Für diesen Fall hatten allerdings zumindest drei der im neueren Westgebäude angesiedelten Ärzte angekündigt, dass sie ihren 2019 auslaufenden Mietvertrag nicht mehr verlängern und ausziehen würden, da aus ihrer Sicht durch einen Besitzerwechsel möglicherweise keine langfristige Planungssicherheit für ihre Gemeinschaftspraxis mehr gegeben sei.

    „Die Stadt will die Oberhand über das Big-Center behalten“, betonte Kowalski am Tag nach dem neuen Ratsbeschluss im Gespräch mit unserer Zeitung. Diese Aussage gelte definitiv für das neuere Westgebäude, das sich im Lauf der Zeit zu einer Art Gesundheitszentrum mit aktuell neun in dieser Branche tätigen Akteuren entwickelt hat. Mit Blick auf die gesamte Immobilie, die nach der Insolvenz der Vorbesitzer seit 2009 Eigentum der Stadt ist und in das sie vor allem wegen des Schuldendienstes jährlich etwa 200.000 Euro stecken muss, stehen laut Kowalski aber weiterhin zwei andere Lösungen im Raum. „Ob es zu einem Teilverkauf (Anmerkung der Redaktion: also der Abgabe von Big-Ost) oder zu einer Beteiligung der privaten Investoren kommt, werden wir im Juni im Rat entscheiden“, kündigt der Bürgermeister an. Welche Modalitäten bei einer möglichen Teilhabe der Investoren denkbar sind, führte Kowalski aber nicht näher aus.

    Vor diesem endgültigen Votum im Rat soll beiden Bietern die Möglichkeit gegeben werden, sich und ihre Konzepte für eine denkbare künftige Nutzung des Big-Centers vorzustellen. Einer der Investoren hat das am Dienstagabend bereits getan, und daher ist seine Identität – anders als beim zweiten Interessenten – nun auch kein Geheimnis mehr.

    Denn als die Sitzung mit Publikum beendet war und es im unmittelbar folgenden nicht öffentlichen Teil um die Immobilienangelegenheit am alten Bahnhof gehen sollte, warteten bereits Vertreter der International Commercial Center Neubrücke (ICCN) GmbH vor dem Saal. Unter der Regie der deutsch-chinesischen Gesellschaft entsteht zurzeit das aus zunächst drei großen Bürogebäuden (eins wurde kürzlich bereits eröffnet) bestehende sogenannte Hauptquartier der Weltfabrik in Neubrücke. Auf dem früher von der US-Armee genutzten Gelände des Oak Garden (Eichengarten) haben sich schon jetzt mehr als 150 Firmen aus China angesiedelt. Insgesamt rund 600 Menschen aus dem Reich der Mitte leben schon dort (die NZ berichtete mehrfach).

    Dr. Jörg Dringelstein zeigt sich auf NZ-Anfrage erleichtert über das Umdenken des Stadtrats und dessen Beschluss, Big-West nun doch nicht zu verkaufen. Er betreibt mit seiner Frau Simone, die ebenfalls Medizinerin ist, und Dr. Matthias Hoebbel eine Gemeinschaftspraxis und war 2009 der erste wichtige Mieter in diesem Gebäudeteil. Da die Stadt diesen nun doch in ihren Händen behalten will, werde er auch seine Überlegungen fallen lassen, sein bisheriges Domizil und damit möglicherweise sogar Birkenfeld zu verlassen.

    „Das Gebäude ist schön, es liegt gut, und es passt ja auch alles. Wir haben auch immer betont, dass es uns vor allem um Planungssicherheit geht und wir gern bereit sind zu bleiben, wenn wir auch weiterhin mit der Stadt einen verlässlichen Vermieter haben. Ich bin doch froh, wenn ich mir keinen neuen Bauplatz suchen muss“, sagt Dringelstein. Für ihn und seine beiden Kollegen sei es nun wichtig, dass er den Mietvertrag mit der Stadt verlängern kann und dieser langfristige Regelungen beinhaltet, „die juristisch wasserfest gestrickt sein müssen. Denn wir möchten vermeiden, dass in ein paar Jahren eventuell erneut ein anderer Beschluss gefasst wird und das Gebäude doch verkauft werden soll, weil sich dann vielleicht die politischen Farben im Rat wieder verändert haben“, betont Dringelstein abschließend.

    Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

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