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    Idar-Oberstein/RomBundesverdienstkreuz für den "Schutzengel"

    Vielleicht schreibt sie ein Buch, hat sie beschlossen. Die vielen größeren und vor allem kleineren Geschichten, die sie erlebt hat, sind es definitiv wert, erzählt zu werden. 37 Jahre in Rom gelebt, in der deutschen Botschaft gearbeitet: Silvia Klein plaudert über diese Zeit im Idarer Platt, wirft ab und an mal ein bisschen italienisches Vokabular ein. Temperament hat sie, aber im Mittelpunkt stehen? Das muss nicht sein. Eher leise berichtet sie, dass sie dieser Tage im Rahmen einer kleinen Feier im engeren Kreis in der Botschafterresidenz Villa Almone in Rom das Bundesverdienstkreuz erhalten hat.

    Silvia Klein (65) kann viele Geschichten über ihre Zeit in Rom und ihre Tätigkeit in der deutschen Botschaft erzählen. Mittlerweile lebt sie wieder in ihrer ehemaligen Heimat in Idar.
    Silvia Klein (65) kann viele Geschichten über ihre Zeit in Rom und ihre Tätigkeit in der deutschen Botschaft erzählen. Mittlerweile lebt sie wieder in ihrer ehemaligen Heimat in Idar.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Silvia Klein ist ein bescheidener Mensch und dennoch natürlich ein bisschen stolz auf den Verdienstorden.
    Silvia Klein ist ein bescheidener Mensch und dennoch natürlich ein bisschen stolz auf den Verdienstorden.

    Die Auszeichnung sei als Anerkennung ihrer Verdienste und ihres Einsatzes außerhalb der Botschaft zur Unterstützung hilfsbedürftiger Mitbürger zu betrachten. Silvia Klein galt deshalb als wahrer "Schutzengel", wie es bei der Verleihung hieß. War es Unvernunft oder einfach nur mutig, fragt sich die 65-Jährige mit einem Schmunzeln rückblickend. Als eine von vier Töchtern einer Graveursfamilie folgte sie einer älteren Schwester von 1965 bis 1967 in die USA, absolvierte die Highschool.

    Im Bürobereich des US-Depots Nahbollenbach arbeitete sie nach dieser Zeit. Einen Italiener lernte sie kennen, der nahm sie mit nach Rom: Da war Silvia Klein gerade mal 21 Jahre jung. Rom sei letztlich reizvoller als der Mann gewesen, bilanziert sie. In der Metropole erobert ein anderer, ebenfalls Italiener, das Herz der jungen Frau aus dem Hunsrück. "Er hatte so schöne schwarze Locken. Ein echter Italiener eben." Das Paar heiratet, Silvia wird in die große Familie herzlich aufgenommen, der Schwiegervater bringt ihr Italienisch bei. Die Deutschen mag er ohnehin.

    Mehr oder weniger durch Zufall erfährt sie von einer freien Stelle in der deutschen Botschaft: Am 1. März 1977 beginnt sie ihren Dienst im Büro. Bundespräsidenten lernt sie kennen, ebenso Papst Benedikt.

    Ehrenamtlich engagiert sie sich für Partner von entsandten Bediensteten, wie es im Diplomatendeutsch heißt. Sie zeigt ihnen Rom, organisiert gesellige Abende. Zwei Söhne und eine Tochter zieht sie nach 1992 allein groß. Sie lässt sich von ihrem Mann scheiden.

    "Ich war vielleicht wirklich oft ein Schutzengel. Geriet jemand in Rom in Schwierigkeiten, habe ich geholfen, wenn es möglich war." Mit der Polizei in Konflikt geraten, plötzlich im Krankenhaus? Silvia Klein wusste ihren deutschen Klienten stets zu helfen. So machte sich eine deutsche Frau einst mit dem Auto auf nach Rom. Im Kofferraum befanden sich jede Menge scharf geschliffene Schwerter.

    Die wollte die Deutsche dem Papst überreichen. Von dieser Idee hielt die italienische Polizei wenig. Silvia Klein legte sich für die leicht verwirrte Touristin mächtig ins Zeug. Oder der deutsche Friseur, der nach einer Beziehungskrise Champagner klaute und erwischt wurde: Psychologie und Charme brauchte Silvia Klein, um Polizisten auch hier ein Auge zudrücken zu lassen.

    "Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, Abenteuer erlebt und sicher auch die italienische Lebensart in Teilen übernommen. Gelassen zum Beispiel", blickt die Frau, die stark mit der Kirche verbunden ist und gern häkelt, zurück. Seit fast einem Jahr lebt sie wieder in Idar: "Manchmal habe ich schon Heimweh nach Rom. Aber vom Hahn aus bin ich ich ja schnell dort. Zumal einer meiner Söhne ja noch in Rom lebt." Die Stadt stelle man sich immer so fantastisch vor: "Ist sie ja auch. Aber dort zu leben, das ist etwas anderes, als dort Urlaub zu verbringen. Rom ist nicht nur Pizza und Petersdom. Der Alltag ist stressig und vor allem laut." Natürlich vermisse sie das schöne Wetter und die täglichen Märkte mit ihren frischen Waren. Aber Idar sei auch schön, und hier könne man bei offenem Fenster schlafen. "Letztlich habe ich meine Wurzeln nie verloren." Womit sie nun ihre Zeit verbringt, werde sich zeigen. Sie habe da schon noch ein paar Ideen im Kopf. Das mit dem Buch sollte sie ernsthaft überdenken: Silvia Klein könnte man stundenlang zuhören.

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