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  • Polizei: Erste Spur zu nächtlichen Sprühern

    Idar-Oberstein. Das Zentrum von Oberstein war in den vergangenen Tagen das Ziel einer massiven Graffitiattacke, die Polizei spricht von mehr als 100 Fällen und nennt eine Schadenshöhe von mehr als 50 000 Euro. Angezeigt worden sind jedoch erst rund 30 Schmierereien.

    Selbst vor der Graffiti-Wall am Almerich hatten die nächtlichen Sprüher keinen Respekt. Dort üben sich legal junge Menschen in der Straßenkunst.  Foto: Hosser
    Selbst vor der Graffiti-Wall am Almerich hatten die nächtlichen Sprüher keinen Respekt. Dort üben sich legal junge Menschen in der Straßenkunst.
    Foto: Hosser - Hosser

    Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

    Vor allem in der Nacht auf den 8. Januar besprühten die unbekannten Täter Dutzende Wände, Mauern, Schaufenster und sogar den neuen Aufzug zum Lidl unter anderem auch mit Hakenkreuzen und SS-Runen. Selbst die von der Stadt für Graffitikünstler zur Verfügung gestellte Wand am Fußgängerweg zum Gefallenen Felsen/Almerich wurde Ziel einer wüsten Sprühattacke.

    Der Discounter hat das Gekritzel - anders als Stadt und private Hausbesitzer - schon am nächsten Tag entfernen lassen. "Das ist auch der richtige Weg", sagt Polizeioberkommissar Karl-Heinz Fischer, der in St. Wendel in solchen Fällen zuständig ist. Die Kreisstadt im östlichen Saarland hatte vor einigen Jahren ähnliche Probleme - und ist heute nahezu graffitifrei. Fischer betont: "Wir haben jedes Jahr nur noch ein paar vereinzelte Fälle." Wie wurde das geschafft? Die Waffe, mit der in St. Wendel gegen die unerwünschten Wandschmierereien vorgegangen wurde, ist Farbe. Wo Graffiti gemeldet wurden, rückten binnen 48 Stunden Helfer der ehrenamtlich organisierten Initiative Sicherer Landkreis (ISL) an und übermalten sie. Oberkommissar Fischer sagt nach langjähriger Erfahrung: "Ziel der Sprüher sind Ruhm und Ehre. Möglichst viele sollen sehen, was sie da fabriziert haben." Oft würden am Tag nach der nächtlichen Tat Selfies mit dem "Kunstwerk" fotografiert und ins Internet gestellt. Über Recherche im Netz und an Schulen rückte die Polizei den Tätern auf die Pelle und machte acht junge Menschen dingfest. Ihnen wurden fast 250 Straftaten mit einer Schadenshöhe von mehr als 100 000 Euro nachgewiesen. Sie wurden zu saftigen Geldstrafen verurteilt, mussten für Teile des Schadens aufkommen und - das ist für Fischer entscheidend - haben etliche Wände selbst gesäubert und neu gestrichen. "Die sind geheilt", sagt der Kriminalist.

    Hemmschwelle sehr hoch

    "Wenn Graffiti kontinuierlich entfernt werden, ist auch die Hemmschwelle sehr hoch, eine frisch gestrichene Hauswand wieder anzusprühen", berichtet die ISL-Vorsitzende Nadine Schön. Größere Flächen streichen die Freiwilligen der ISL selbst, bei feineren Arbeiten werden Malerfirmen beauftragt. "Das Konzept ist aufgegangen. Graffiti gibt es im Kreis fast gar nicht mehr", freut sich die CDU-Bundestagsabgeordnete.

    Während Idar-Obersteins Oberbürgermeister Frank Frühauf "rechtlich keine Möglichkeit" sieht, dass die Stadt Schmierereien an privaten Hauswänden entfernen kann, wurde das Problem in St. Wendel sehr effektiv im Zusammenspiel von Polizei, Verwaltung und Initiativkreis gelöst. Hausbesitzer werden direkt angesprochen, sie erhalten ein Formblatt (das auch als Grundlage für die Anzeige dient), auf dem sie ihr Einverständnis erklären. Ist der Schaden versichert, werden Malerbetriebe hinzugezogen. Wenn nicht, dann legen die Freiwilligen der ISL selbst Hand an und bitten danach um eine Spende der Hausbesitzer. Damit wiederum wird die Farbe bezahlt. Ziel ist es, die Schmierereien stets spätestens innerhalb von 48 Stunden beseitig zu haben.

    Das könnte auch ein Modell für Idar-Oberstein sein, denkt Jörg Wagner, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG), an ein mögliches neues Aufgabenfeld für die Standortinitiative "Gemeinsam für Idar-Oberstein". Wagner erklärt: "Es darf auf keinen Fall so sein, dass diese Schmierereien derart lange das Stadtbild verschandeln wie jetzt in Oberstein." Bei der Stadt sei er mit seiner Bitte, etwas zu unternehmen, auf taube Ohren gestoßen. Beim Hertiehaus zum Beispiel sei ihm auf dem Bauamt gesagt worden: "Das ist verkauft, da machen wir nichts mehr." Auch sein Versuch, eine Belohnung auf die Ergreifung der Täter auszusetzen, sei gescheitert. Wagner hatte mehrere Hausbesitzer angeschrieben, um Geld dafür zusammenzubekommen - und keinerlei Antwort erhalten: "Das ist schon reichlich deprimierend, was hier geschieht."

    Ist Täter ein Fan des FC Augsburg?

    Derweil meldet Oberkommissar Thomas Heylmann von der Polizei Idar-Oberstein eine erste heiße Spur: "Wir haben Hinweise auf einen der Täter." Eine Analyse der Sprühereien hat ergeben, dass auffällig oft eine bestimmte Fangruppe des FC Augsburg auftaucht. Rätsel gibt dagegen noch die mehrmalige Verwendung des Kürzels für die koreanische Währung Won (ein doppelt durchgestrichenes W) auf.

    Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um einen oder zwei Täter oder eine kleine Gruppe handelt, die nachts zwischen 2 und 5 Uhr ihr Unwesen treibt. "Deshalb gibt es auch kaum Zeugenhinweise." Die Polizei fährt derzeit verstärkt Streife in der Innenstadt. Heylmann und seine Kollegen beobachten das Internet und dort speziell Facebook intensiv.

    • Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 06781/568 75 22 entgegen.
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