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  • Betrugsprozess am Amtsgericht: Wo sind die 30 Kilogramm Goldgranulat?

    Idar-Oberstein. Wo sind die 30 Kilogramm Gold geblieben, und war überhaupt echtes Goldgranulat in den Geldkassetten, die 2014 aus einem Bankschließfach in Idar-Oberstein verschwunden sein sollen? Vor mehr als ein kriminalistisches Rätsel sehen sich Richter Johannes Pfeifer und die Schöffen in einem Prozess gestellt, der gestern am Amtsgericht begonnen hat. Wegen versuchten Betrugs in einem besonders schweren Fall muss sich ein 47-Jähriger aus dem Kreis Bad Kreuznach verantworten.

    Foto: picture alliance / dpa

    Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

    Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Angeklagte soll vorgetäuscht haben, Tüten mit feinkörnigen Gold in dem Schließfach zu deponieren, um deren Verschwinden anzuzeigen und bei der Bank die - eigens von 12 000 Euro angehobene - Versicherungssumme in Höhe von 1 Million Euro einfordern zu können. Bezweifelt wird zudem, ob er tatsächlich jemals im Besitz von echtem Gold gewesen ist, denn einen Kaufbelegs kann er nicht vorlegen.

    Was die Anklage nicht zweifelsfrei erklären kann: Wie kann es sein, dass am 10. April 2014 ein hinzugezogener, in Idar-Oberstein ansässiger Rechtsanwalt, die Einlagerung des Goldes bestätigte? Der Jurist, der seine Praxis in der Nähe der Bank hat, war an diesem Tag von dem Angeklagten aufgesucht worden: Er sollte den Inhalt des Schließfachs bestätigen und dokumentieren. Dieser Bitte kam der Anwalt nach. Er fertigte Aufnahmen der auf dem Boden des Schließfachsaals ausgebreiteten Goldtüten an. Anschließend setzte er ein Schriftstück folgenden Inhalts auf: Sechs Tüten mit je fünf Kilogramm Goldgrains seien im Schließfach seines Auftraggebers eingelagert, für die Echtheit des Golds könne er jedoch nicht garantieren. Im Zeugenstand wie zuvor bei der Vernehmung durch die Polizei kommen dem Juristen jedoch Zweifel: "Ich bin mir heute nicht mehr sicher, ob das Gold wirklich zurück in das Schließfach gelegt wurde. Dazu hätte ich es selbst machen müssen."

    Sicher ist jedoch: Am 12. September 2014 wird der Anwalt erneut vom Angeklagten aufgesucht, der erklärt, einen Teil des Goldes entnehmen zu wollen. Als sie das Schließfach erneut öffnen, ist es leer - und es kommt zum Eklat. "Der hatte einen feuerroten Kopf und hat Blutstropfen geschwitzt", schildert eine Bankangestellte als Zeugin die Reaktion des Kunden - echte oder gespielte Erregung? Jedenfalls fordert nun der 47-Jährige, durch die Versicherung der Bank entschädigt zu werden. Die Ermittlungen des eingeschalteten Landeskriminalamtes führen jedoch zur Betrugsanklage.

    Laut Anklageschrift soll der Mann, der erst bei Anmietung des Schließfachs auch ein Bankkonto bei dem Institut eröffnete, den Anwalt überlistet und das Gold, statt es im Schließfach zu deponieren in einem mitgebrachten Koffer aus der Bank getragen haben. Während der Angeklagte jede Aussage verweigert, zweifelt sein Anwalt diese Version an - und zwar in massiver Form: Um zu demonstrieren, wie schwer 30 Kilogramm wiegen, hievt er mit spürbarer Anstrengung einen mit Gewichten gefüllten Koffer auf den Zeugentisch.

    Richter Pfeifer erhofft sich unterdessen Aufklärungshilfe von einem Rechtshilfeersuchen an die Staatsanwaltschaft im Schweizer Kanton Tessin, das allerdings bislang unbeantwortet blieb. Dort ist die Scheideanstalt ansässig, aus der das Goldgranulat stammen soll und die Angaben zur Echtheit der Zertifikate machen könnte, die auf den Fotos zu sehen sind.

    • Die Verhandlung wird am Freitag ab 9 Uhr fortgesetzt.
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