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    CochemSo wird eine Familie deutsch-türkisch

    Eine ganze Familie, ursprünglich aus der Türkei, seit 30 Jahren in Cochem, hatte in den 70ern Arbeit beim Koblenzer Dämpferhersteller Stabilus. Hasan Aktas war der Erste, der sich beim türkischen Arbeitsamt um eine Stelle in Deutschland bewarb: Nach fünf Monaten Wartezeit und drei Tagen Zugreise kam er im Oktober 1969 an Rhein und Mosel an. Bekannte hatten ihm eine Wohnung im Stadtteil Neuendorf gesucht. Schon am nächsten Tag ging Aktas arbeiten: Im Dreischichtsystem bediente und wartete er Maschinen.

    Liebesbotschaft im Postkartenformat: Sadik Catalkaya schickte sie Müslüme nach Cochem, während er noch die Wehrpflicht absolvierte.
    Liebesbotschaft im Postkartenformat: Sadik Catalkaya schickte sie Müslüme nach Cochem, während er noch die Wehrpflicht absolvierte.
    Foto: Dorothea Müth

    „Es war alles super“, sagt er heute über die Zeit bei Stabilus, auch wenn er sich anfangs nur mit Gesten verständigen konnte. Aktas betont, dass er seinen Chef immer als Chef akzeptiert hat: „Ich war nie zu stolz, einen Befehl auszuführen.“ Kollegen machten wohl mal Schwierigkeiten, wenn sie den Abteilungsleiter nicht mochten. Aktas blieb treu und erhielt nach 33 Jahren eine Urkunde für die längste Mitarbeit.

    „Ich habe den Chef wirklich als Chef akzeptiert.“ Stabilus ehrte Hasan Aktas für 33 Jahre Mitarbeit. Auch seine Frau Hediye stand zehn Jahre in der Dämpferproduktion am Band.
    „Ich habe den Chef wirklich als Chef akzeptiert.“ Stabilus ehrte Hasan Aktas für 33 Jahre Mitarbeit. Auch seine Frau Hediye stand zehn Jahre in der Dämpferproduktion am Band.
    Foto: Dorothea Müth

    Und nur bei „guten Arbeitern“ konnten auch die Angehörigen eine Stabilus-Stelle bekommen. Bei Aktas hat's geklappt: Seine Frau Hediye stand an der Maschine, stanzte Löcher. Mit 14 Jahren kam Tochter Müslüme nach, die zwei Jahre lang Akkordarbeit leistete: Sie hatte mit den Händen einen Halbring auf ein Rohr zu schieben. „Mit den rutschigen Handschuhen war das am Anfang schwierig“, erinnert sie sich lachend. Dieses Leben wählten sie, weil die Arbeit in Deutschland besser bezahlt war als in der Türkei. Viehzucht hätte nicht gereicht, um ein Auto zu kaufen und ein Haus für die Verwandtschaft zu bauen, erklärt Hasan Aktas.
    Dann war Önder unterwegs, Müslümes Sohn. 1979 hatte Müslüme Sadik Catalkaya geheiratet. Auf Vorschlag der Verwandtschaft lernte sie ihn in der Türkei kennen und lieben. Der eröffnete eine Schneiderei in Cochem, als er nach Deutschland kam, und pendelte zu nächst von Koblenz aus, bis die junge Familie 1981 an der Mittelmosel eine Wohnung bezog.
    Heute lebt die ganze Familie bei dieser Schneiderei, die außerdem eine Filiale in Ulmen hat: Auch das längst pensionierte Ehepaar Aktas ist oft da, wenn es seine Zeit nicht in Amasya am Schwarzen Meer verbringt.

    In der Cochemer Wohnung hängt neben einem Poster des türkischen Filmschauspielers Yilmaz Güney auch ein Bild von Prophet Hazret-i Ali an der Wand. Sehr religiös ist die Familie Aktas/Catalkaya aber nicht: „Klar glauben wir an Allah“, erklärt Schneider Sadik Catalkaya, „aber wir sind locker.“ In die Moschee nach Koblenz fahren sie nur zu hohen Feiertagen, ebenso beten sie nur bei besonderen Anlässen wie einem Todesfall. Sohn Önder sagt sogar: „Ich war einmal im Leben in der Moschee – in Jerba als Tourist.“

    Seine Großeltern Hasan und Hediye Aktas sprechen kaum (noch) Deutsch. Seit sie nicht mehr arbeiten, gibt es wenig Gelegenheit dazu. Doch alle in dieser deutsch-türkischen Familie haben etwas, das sie am jeweils anderen Land als typisch empfinden. Müslüme: „Bei uns gehört in jedes Essen Knoblauch und Paprikaschärfe.“ Für Sadik sind es in Deutschland „ehrliche, aufrechte Leute“, für Önder ist es die Pünktlichkeit: „Wenn hier zu einem Meeting einer nur fünf Minuten zu spät kommt, fängt schon jemand an zu meckern.“ Und Hasan verbindet mit Deutschland ganz einfach eines: Arbeit.

    Dorothea Müth

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