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  • Eifel-Tourismus-Chef: Unesco-Prädikat für Geopark ist Chance und Verpflichtung zugleich

    Daun/Gerolstein/Ulmen. Der Natur- und Geopark Vulkaneifel darf sich seit einigen Wochen Unesco-Geopark nennen. Ein großes Pfund, mit dem die Region nun wuchern kann, sagt Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Regionalmarketinggesellschaft Eifel-Tourismus (ET). Mit der RZ sprach er über Chancen, aber auch Verpflichtungen.

    Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Gesellschaft Eifel-Tourismus, sieht große Chancen im Unesco-Titel für den Geopark Vulkaneifel.
    Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Gesellschaft Eifel-Tourismus, sieht große Chancen im Unesco-Titel für den Geopark Vulkaneifel.
    Foto: Klaus Kimmling

    Die Nachricht aus Paris, Sitz der Unesco, der Kultur- und Wissenschaftsorganisation der Vereinten Nationen, hat für Freude gesorgt. Denn damit bekommt das kreisübergreifende Gebiet eine internationale Anerkennung auf der Stufe der Welterbestätten und Biosphärenreservate.

    Herr Schäfer, wie werten Sie die Unesco-Auszeichnung für den Geopark Vulkaneifel?

    Man kann das gar nicht hoch genug einschätzen. Die Vulkaneifel sollte durchaus stolz darauf sein, dass das, was in den vergangenen gut 30 Jahren aufgebaut wurde, nun eine so große Wertschätzung erfährt.

    Die Eifel kann erstmals mit einem Unesco-Label werben. Was bedeutet das für die Arbeit der ET?

    Eine große Ehre, eine große Auszeichnung und eine große Verantwortung, damit vernünftig umzugehen. Für mich war es ehrlich gesagt auch ein persönlicher Glücksmoment, so etwas erlebt man ja nicht oft im beruflichen Leben.

    Wie groß ist denn das Pfund, mit dem man nun wuchern kann?

    Ein gewaltiges. Es hat nicht nur symbolischen Wert, sondern wird auch wirtschaftliche Auswirkungen haben, davon bin ich überzeugt. Der Wettbewerb innerhalb der Tourismusregionen wird immer härter, deshalb kann es nur gut sein, neben dem Nationalpark Eifel künftig mit dem Unesco-Geopark Vulkaneifel in einer höheren Liga mitspielen zu können. Unesco ist echtes Weltformat.

    Kann es denn gelingen, dem Geopark einen ähnlich hohen Stellenwert wie beispielsweise den Unesco-Welterbestätten zu verschaffen? Die haben ja durchweg einen enorm hohen Bekanntheitsgrad und ziehen allein durch den Namen viele Besucher an.

    Das wird natürlich nicht von heute auf morgen gelingen, schließlich haben die Welterbestätten auch einen "Vorsprung" von mehr als 40 Jahren. Aber wir fangen ja nicht bei null an. Denn es ist aus meiner Sicht bemerkenswert, wie viele Menschen sich heute schon für Vulkane, Maare, geologische Besonderheiten, also alles, was die Erdgeschichte angeht, interessieren. Zudem wird das Thema durch die nun erfolgte Anerkennung von 120 Geoparks weltweit höhere Aufmerksamkeit haben.

    Aber zieht Geologie wirklich allein?

    Natürlich ist es eine Kombination, beispielsweise mit dem Radfahren und/oder dem Wandern. Es gilt wieder mal, die richtige Mischung zu finden. Die Voraussetzungen sind da, im Natur- und Geopark ist eine gute Infrastruktur aufgebaut worden. Ich denke da an die Ranger, die firm sind, was die wissenschaftliche Grundlagen der Geologie angeht, aber ihr Wissen, mit viel Lokalkolorit angereichert, für die Gäste spannend vermitteln. Das wollen die Besucher, das suchen sie auch gezielt. Die Eifel ist jedenfalls sicher gewappnet, diese Anforderungen auch zu erfüllen.

    Sie sprachen von einer guten Infrastruktur. Aber stimmt das auch, was spezifische Museen wie das in Daun, das Eifel-Vulkanmuseum, angeht? Die Besucherzahlen sind kontinuierlich zurückgegangen, aber eine echte Modernisierung kann sich der klamme Kreis Vulkaneifel als Träger nicht leisten.

    Ich hoffe, vor dem Hintergrund der Unesco-Auszeichnung wird es leichterfallen, Argumente zu finden, um an das Thema Museen noch mal ranzugehen. Ich weiß, dass das schwierig ist mit Blick auf die finanzielle Situation der Kommunen. Aber klar ist aus meiner Sicht: Eine Modernisierung wäre wichtig.

    Wer den Namen Unesco trägt, wird nicht umhinkommen, hohe Qualität in allen Segmenten der touristischen Infrastruktur zu bieten. Kann die Eifel das heute schon durchgängig bieten?

    Wie schon gesagt, ist mit der Verleihung der Unesco-Auszeichnung eine große Verpflichtung verbunden. Es ist schon viel erreicht worden, aber es gibt noch einiges zu tun. Allerdings mit Augenmaß, denn wir dürfen die, die maßgeblich mit für Qualität sorgen, also Hoteliers und Gastronomen, nicht überfordern. Was nützt es, wenn sie sich mit Investitionen übernehmen? Am Ende muss für alle auch immer noch ein Euro zu verdienen sein.

    Kann das Unesco-Label denn auf die ganze Eifel in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ausstrahlen? Oder wird es nur in der Vulkaneifel selbst Wirkung entfalten?

    So wie der Nationalpark, der ja auf nordrhein-westfälischem Gebiet liegt, wie auch das Krimiland Eifel mit Schwerpunkt auf rheinland-pfälzischer Seite wird auch der Unesco-Geopark auf die ganze Region ausstrahlen, davon bin ich überzeugt. Die Auszeichnung wird die Eifel weiter voranbringen.

    Ist eigentlich zu beziffern, was eine solche Auszeichnung in Euro und Cent wert ist?

    Der Begriff Unesco-Geopark ist ja noch ganz neu, deshalb ist es schwierig, jetzt schon genau zu beziffern, was er wert ist. Aber klar ist: Allein der Name "Unesco" eröffnet Vermarktungsmöglichkeiten, die man mit klassischer Werbung und den damit verbundenen Kosten nicht erreichen könnte.

    Wird das Unesco-Label mehr Gäste in die Eifel ziehen?

    Wir stehen in der Eifel richtig gut da, was die Übernachtungs- und Tagesgästezahlen angeht. Dieses Niveau zu halten im harten Wettbewerb mit den übrigen Regionen, wird schwer genug. Aber das zu schaffen, dafür ist die Unesco-Auszeichnung sicher sehr gut geeignet, es macht unsere Arbeit und die der Betriebe ein Stück weit einfacher, um Gäste zu werben.

    Vor Kurzem haben die Industrie- und Handelskammern (IHK) Trier, Aachen und Koblenz wieder einen schnellstmöglichen Lückenschluss der A 1 gefordert. Wie stehen Sie dazu?

    Natürlich ist das ein Thema, denn Tourismus braucht auch eine vernünftige Verkehrsinfrastruktur. Der Lückenschluss wäre meiner Einschätzung nach das Wirtschaftsförderungsprogramm schlechthin vor allem für die Vulkaneifel. 35 Millionen Tagesausflugsgäste jährlich sind für die Eifel ermittelt worden. Nicht wenige davon hätten es um einiges leichter, schneller speziell in den rheinland-pfälzischen Teil zu kommen, wenn es eine durchgängige Autobahn-Anbindung gäbe. In einem Satz: Der Lückenschluss ist aus unserer Sicht unverzichtbar.

    Das Thema Windkraft sorgt in einigen Regionen für kontroverse Diskussionen. Die Gegner führen gern als Argument ins Feld, die Anlagen würden sich nachteilig auf den Tourismus auswirken. Jos Kruiter, Geschäftsführer des landesweit größten Ferienparks in Gunderath, sagt, Windräder gehörten nicht in unmittelbare Nähe einer solch großen touristischen Einrichtung. Auch die IHK Trier hat die Verbandsgemeinden, die für die Planung zuständig sind, um ein sensibles Vorgehen bei dem Ausbau der Windenergie gebeten. Wie sehen Sie das?

    Wenn es ein Ungleichgewicht geben wird zwischen unserer Region mit vielen Windrädern und Süddeutschland mit deutlich weniger, dann gehe ich davon aus, dass wir einen Wettbewerbsnachteil haben werden. Wenn der Gast die Alternative hat, in Regionen zu fahren, wo Anlagen stehen oder in solche, in denen es keine gibt. Wenn die Folgen der Energiewende auf alle Schultern verteilt werden, ist das zu akzeptieren, auch wenn es zu einer Veränderung des Landschaftsbilds käme. Was, da bin ich ehrlich, nicht schön wäre - für uns als ET nicht und wohl auch nicht für die Gäste.

    Das Gespräch führte Stephan Sartoris

    Die Gesellschaft Eifel-Tourismus und ihr Chef

    Die Gesellschaft Eifel Tourismus (ET) mit Sitz in Prüm und Bad Münstereifel gibt es seit dem Jahr 2000 und ist die zentrale Marketingorganisation der Eifel. Zu den Gesellschaftern der ET gehören neun Landkreise und 51 Kommunen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Das Team der ET besteht aktuell aus 19 Mitarbeitern. Klaus Schäfer ist gebürtiger Darscheider und 55 Jahre alt. Tourismus ist sein Metier schon seit einigen Jahrzehnten, zunächst (ab 1985) als Angestellter für alle Bereiche des Tourismusmarketing bei der Gesellschaft Vulkaneifel Touristik & Werbung, deren Geschäftsführung er 1998 übernahm. Seit 2000 ist er Geschäftsführer der ET. sts

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