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  • Amtsgericht Cochem: Geisterfahrer-Schock auf der A48

    Cochem. Glück im Unglück oder besser mehr Glück als Verstand hat ein damals 18-jähriger Führerscheinneuling Anfang November 2015 auf der A 48. Der junge Mann aus einem Eifeldorf ist mitten in der Nacht mit seinem Pkw in Richtung Trier unterwegs, als sein Wagen auf der Höhe von Laubach stehen bleibt. Statt ordnungsgemäß auf der Standspur zu halten, das defekte Auto durch Warndreieck zu sichern und Hilfe zu holen, entscheidet er sich für eine abenteuerliche, brandgefährliche Aktion.

    Solch ein Warnschild für Geisterfahrer hätte bei dem 18-Jährigen nicht geholfen. Er drehte mitten auf der Autobahn.
    Solch ein Warnschild für Geisterfahrer hätte bei dem 18-Jährigen nicht geholfen. Er drehte mitten auf der Autobahn.
    Foto: dpa

    Von Brigitte Meier

    Obwohl eine protestierende Freundin neben ihm sitzt, steigt der Mann aus und wendet das Fahrzeug schiebend und lässt es dann nach seinen Angaben auf der Standspur zurück in Richtung Kaisersesch rollen. Da die Strecke in diesem Bereich abschüssig ist, muss er die leichtsinnige Fahrt mit Fuß- und Handbremse zügeln. Geradezu halsbrecherisch leichtsinnig handelt der Geisterfahrer an der Autobahnauffahrt von Kaisersesch, die er als "Ausfahrt" nutzt. Jetzt schiebt er seinen Wagen entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung bis zum Mitfahrerparkplatz, um den Pkw abzustellen.

    Dass auf der Autobahn niemand zu Schaden kommt, ist der Reaktion eines entgegenkommenden Fahrers zu verdanken. Der 23-Jährige, der in Begleitung eines 28-jährigen Kollegen unterwegs ist, muss scharf von etwa 130 auf circa 60 Stundenkilometer abbremsen und gleichzeitig nach links ausweichen. Geschockt fahren die beiden Männer auf den nächsten Parkplatz, um die Polizei zu verständigen. Zum Glück kann sich der Beifahrer das Nummernschild des Fahrzeugs merken. Er sagt: "Wir mussten uns erst beruhigen und tief durchatmen, bevor wir in der Lage waren, weiterzufahren."

    Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht gibt der Geisterfahrer seine gefährliche Aktion zu. Er beteuert: "Ich weiß, dass ich einen Riesenfehler gemacht habe. Es wird nicht wieder vorkommen." Gleichzeitig verharmlost er die Tat und behauptet: "Ich war nicht auf der Fahrbahn, sondern ganz am Rand der Standspur." Die beiden Zeugen haben die brenzlige Situation anders erlebt. Sie sagen aus, dass das Auto auf einer Hälfte ihrer Fahrspur unterwegs gewesen sei.

    Aufmerksam auf die Gefahr wird der Fahrer, als er vor sich plötzlich einen Lichtkegel sieht. Zunächst denkt er nicht an einen Geisterfahrer, sondern eher an einen Unfall oder an ein Fahrzeug mit Fernlicht auf der Gegenfahrbahn. Alarmiert bremst er jedoch intuitiv ab, weicht auf die linke Fahrspur aus und erkennt sodann mit Entsetzen die ganz konkrete Gefahr.

    Entsetzt fragt auch Amtsrichter Gerald Michel den Angeklagten: "Wie kommt man bloß auf so eine supergefährliche Idee?" Er sei sich der Gefahr nicht bewusst gewesen, antwortet der Mann. Und der Polizeibeamte, der ihn verhört hat, stellt fest: "Er ist ein ungeübter Autofahrer und hat sich keine Gedanken über die Gefahr gemacht."

    Da der Angeklagte zur Tatzeit 18 Jahre alt und als Heranwachsender mit Reifeverzögerungen zu beurteilen ist, empfiehlt Jugendgerichtshelfer Thomas Mauer, das Jugendstrafrecht anzuwenden. So kommt der Angeklagte mit einer Verwarnung davon. Außerdem muss er 80 Sozialstunden leisten. Die Rückgabe seines bereits eingezogenen Führerscheins kann er nach einer siebenmonatigen Sperre beantragen.

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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