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  • Wie können Flüchtlinge besser integriert werden? - Initiative in Koblenz-Güls setzt auf persönliche Kontakte

    Koblenz-Güls. Während die Verwaltung noch eine gute Handvoll Standorte prüft, an denen ein mögliches Übergangswohnheim für Asylbewerber gebaut werden könnte, um die immer steigende Zahl von Flüchtlingen unterbringen zu können, sehen Mitglieder des Runden Tisches Asyl Güls/Bisholder das als falschen Weg an.

    Zu zweit oder dritt leben die Asylbewerber in der ehemaligen Gaststätte in Bisholder in einem Zimmer.
    Zu zweit oder dritt leben die Asylbewerber in der ehemaligen Gaststätte in Bisholder in einem Zimmer.
    Foto: Doris Schneider

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Viel besser sei es, jeweils eine überschaubare Zahl von Menschen in den Stadtteilen unterzubringen, sagen Manfred Schneider, Jürgen Sonntag und Violetta Dhein vom Runden Tisch im RZ-Gespräch. "Denn wenn es nur ein paar oder vielleicht 10 oder 15 sind, dann haben sie wenigstens eine Chance, sich in eine Ortsgemeinschaft zu integrieren."

    In Güls klappt das zumindest mehr oder weniger gut. Seitdem im Herbst 2013 die ersten Asylbewerber in der geschlossenen Gaststätte "Zur Tränke" eingezogen sind, haben Menschen aus dem Stadtteil Kontakt zu ihnen gesucht. "Ich wollte einfach ,Willkommen' sagen und wissen, wer die Leute sind, was sie tun, wo sie herkommen, was sie brauchen", sagt Violetta Dhein. Und es klingt so einfach, wie sie es sagt.

    Einfach ist es aber oft nicht. Denn die Männer sprechen kein Deutsch, viele von ihnen auch kaum Englisch oder Französisch. Umso wichtiger ist es, dass sie Sprachkurse besuchen können, sagen die Mitglieder des Runden Tisches. "Noch besser sind Orientierungskurse, in denen sie auch etwas über das Leben in Deutschland erfahren", sagt die 33-jährige Gülserin, die selbst solche Kurse leitet. Hauptproblem: Normalerweise müssen die Asylbewerber die Kurskosten selbst zahlen. Und das ist bei einer Leistung von 362 Euro für Nahrung, Getränke, Bekleidung, Schuhe und alles mögliche andere im Monat für einen Erwachsenen kein leichtes Ding, auch wenn ihnen die Stadt Darlehen für die Kurse anbietet.

    In Güls haben sich aber ein paar Ehrenamtliche gefunden, die den Flüchtlingen regelmäßig Deutschunterricht erteilen. Die Idee, feste Paten zu gewinnen, war dagegen nicht so fruchtbar wie erhofft. Dabei wären die Asylbewerber wirklich glücklich, wenn sie bei Behörden- oder Arztbesuchen unterstützt würden oder ihnen einfach jemand ab und zu mit Rat und Tat zur Seite steht.

    "Eins der Hauptprobleme ist, dass die Männer einfach nur so ,rumhängen' können und nichts machen dürfen", sagt Jürgen Sonntag. Denn Asylbewerber haben in den ersten neun Monaten ihres Aufenthalts keine Arbeitserlaubnis. Politik und Wirtschaft diskutieren zwar gerade darüber, diese Grenze aufzuheben und eine Arbeitserlaubnis von einer Art Prüfung abhängig zu machen, aber das nutzt den derzeit 15 Männern, die überwiegend in Zwei- und Drei-Bett-Zimmern in der ehemaligen Gaststätte in Bisholder wohnen, nichts.

    "Als sie bei einem Fest im Ort beim Auf- und Abbau geholfen haben, waren die Männer ganz glücklich", sagt Jürgen Sonntag. Aber das ist keine Lösung für jeden Tag. "Bis die Anhörungsgespräche sind, dauert es einfach viel zu lang", kritisiert Manfred Schneider vom Runden Tisch. "Zehn Monate", verdeutlicht einer der Bewohner mit beiden Händen. "Zehn Monate ich warte."

    Daran können die Nachbarn nichts ändern. "Zumindest aber haben die Gülser Vereine festgelegt, dass die Asylbewerber beitragsfrei bei ihnen Sport treiben können", sagt Jürgen Sonntag. Der 70-Jährige hat außerdem eine Kegelgruppe gegründet, alle 14 Tage rollen die Kugeln. Nicht viel mehr als ein Zeitvertreib für die Bewohner, von denen derzeit elf aus Eritrea kommen, drei aus Ägypten und einer aus dem Iran. Zwischen 20 und 36 Jahren sind sie alt.

    Beim Besuch in der ehemaligen Gaststätte sind sie teils misstrauisch, teils freundlich. Woher sollen sie auch wissen, ob sie kontrolliert werden sollen oder ob man ihnen helfen will? Doch dann öffnen sie bereitwillig ihre Türen. Zu zweit, dritt oder viert liegen sie in einem Zimmer. Die Betten stehen eng nebeneinander; um sich am Schrank vorbeizuquetschen, muss man sich ganz schmal machen. Unter dem Dach ist es bei Sonnenschein sehr warm. In einem Zimmer gibt es gar keine Fenster, in einem anderen sieht man an der Decke die Spuren des Regens, der seinen Weg durchs Dach findet.

    Was können die jungen Männer tun, die hier fremd sind und nicht arbeiten dürfen? Damit ihnen nicht ganz so die Decke auf den Kopf fällt und sie im Ort besser integriert sind, haben sich die Vereine geöffnet. Hier können die Asylbewerber kostenfrei Mitglied werden. Außerdem bietet der Gülser Jürgen Sonntag (vorn, 2. von links) alle 14 Tage eine Kegelgruppe an, die oft gut besucht ist.
    Was können die jungen Männer tun, die hier fremd sind und nicht arbeiten dürfen? Damit ihnen nicht ganz so die Decke auf den Kopf fällt und sie im Ort besser integriert sind, haben sich die Vereine geöffnet. Hier können die Asylbewerber kostenfrei Mitglied werden. Außerdem bietet der Gülser Jürgen Sonntag (vorn, 2. von links) alle 14 Tage eine Kegelgruppe an, die oft gut besucht ist.

    "Zu wenig Kühlschränke", macht einer der Bewohner Manfred Schneider auf sein Problem aufmerksam. Doch während er zeigt, dass es nur drei sind, findet Werner Junker, Leiter der Abteilung Sonstige Sozialleistungen, wenige Tage später sieben vor. Und während ein Bewohner klagt, dass es nur einen tiefen Teller gibt, er aber mehr braucht, weil er häufig Eintopf kocht, sind wenige Tage später in einer Küche sechs Suppenteller, in der anderen 14. Wie es zu dieser Diskrepanz kommt, ob vielleicht eine der Küchen verschlossen war oder andere Bewohner die Sachen "gehortet" haben, ist nicht richtig zu klären.

    Wenn so viele Menschen aus so unterschiedlichen Nationen dicht aufeinander leben, sind Probleme vielleicht auch programmiert. "Und das verschärft sich ja bei einer Sammelunterkunft noch", sind die Mitglieder des Runden Tischs Asyl sicher. Einer der Gründe, warum sie diese Pläne kritisieren.

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