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  • Historie Vortrag in Landesbibliothek über Buch aus dem Jahr 1742

    Vortrag: Armreliquie lockte einst viele Pilger in die Abtei Sayn

    Bendorf-Sayn. Die Abtei Sayn im Brexbachtal in Bendorf ist zumeist ein recht beschaulicher Ort. In früheren Jahrhunderten war dies allerdings zuweilen anders. Denn aufgrund der Armreliquie des heiligen Simon, die sich in dem ehemaligen Prämonstratenserkloster in einem Schrein befindet, gab es einen regen Wallfahrtsbetrieb nach Sayn. Wolfgang Schmid, Professor für geschichtliche Landeskunde an der Universität Trier, erläuterte in einem Vortrag in der Rheinischen Landesbibliothek in Koblenz unter anderem, welche Bedeutung die Reliquie noch im 18. Jahrhundert hatte.

    Im 18. Jahrhundert kamen viele Wallfahrer zur Abtei Sayn. 
    Im 18. Jahrhundert kamen viele Wallfahrer zur Abtei Sayn. 
    Foto: Damian Morcinek

    An Wallfahrtstagen war in der Sayner Abtei in früheren Jahrhunderten richtig viel los. „Bis zu zehn Mönche, so heißt es in einem Pilgerbuch von Gottfried Geller, das 1742 in Koblenz gedruckt wurde, wurden gebraucht, um die Pilger spirituell zu betreuen“, erläuterte Schmid. Gellers 80 Seiten starkes Buch, von dem noch drei Exemplare existieren, berichtet allerdings nicht nur von der Zahl der Pilger, sondern auch vom Anlass der Wallfahrt: die Armreliquie des heiligen Simon. „In dem Buch sind 33 wundersame Heilungen verzeichnet, die der Armreliquie zugeschrieben werden“, so Schmid. Die Zahl 33 ist dabei nicht zufällig gewählt. „Sie gilt zu dieser Zeit als heilige Zahl, da 33 für die Lebensjahre Jesu stehen“, so Schmid.

    „Geheilt“ werden Menschen aus allen sozialen Sichten, vom Hofrat über den Flößer bis hin zum Schuster oder Bäcker. Die Art der Heilung ist allerdings nicht ganz so universell, beschränkt sie sich doch vornehmlich auf Knochenbrüche, Geschwüre oder Lähmungen.

    Geografisch betrachtet kommen die Pilger zumeist aus der näheren Umgebung. „Man wallfahrtet nach Sayn aus der Eifel, dem Westerwald, und an der Rheinschiene erstreckt sich der Radius von Bonn bis Mainz“, erklärte Schmid.

    Interessant ist, was in dem Buch über die „Konkurrenz“ in Sachen Heilung geschrieben steht. Ärzte, gleich ob sie aus Bad Ems, Koblenz oder Winningen kommen, werden generell negativ beurteilt, ihre Kuren als wirkungslos beschrieben. Heilungschancen verspricht hingegen, wie in dem Pilgerbuch zu lesen ist, die Armreliquie des heiligen Simon.

    Wie die Armreliquie des Apostels Simon Zelotes überhaupt nach Sayn kam, beschreibt das Buch ebenfalls. Demnach wollte Anfang des 13. Jahrhunderts ein armenischer Bischof zum Schrein der Heiligen Drei Könige nach Köln pilgern. In seinem Gepäck hatte er die Armreliquie des Apostels Simon. Da aber das Rheinland zu dieser Zeit durch kriegerische Auseinandersetzung sehr unsicher war, vergrub er sie auf einem Friedhof bei Wesseling. Dies sah ein Bauer, grub sie wieder aus und überbrachte sie dem Propst des Bonner Stifts, Bruno von Sayn, der sie wiederum in das Kloster ins Brexbachtal überführte. Diese Geschichte lässt sich historisch natürlich nicht belegen, aber die Rahmenkoordinaten der Erzählung – Unruhen im Rheinland, häufige Pilgerfahrten nach Köln zum Schrein der Heiligen Drei Könige – stimmen, wie Schmid betonte.

    Das Pilgerbuch ist im Internet unter www.dilibri.de, Schlagwort „Kurtze Beschreibung des mit noch vielen anderen HH. Reliquien zu Sayn …“, zu lesen.

    Von unserem Mitarbeiter Peter Karges
     

     

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