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  • Koblenz: Wie "Die Partei" Kogida lächerlich machte

    Koblenz. Es war wahrscheinlich kein schöner Tag für die Macher von Kogida, als sie erkennen mussten, dass sie reingelegt worden waren. Am Freitag, 19. Februar, hatte "Die Partei" bei ihrem Neujahrsempfang die Facebook-Seite der Gruppe gekapert, und seither prangt "Refugees Welcome" (Flüchtlinge willkommen) auf der Seite des Koblenzer Pegida-Ablegers, der leidenschaftlich gegen Muslime und Flüchtlinge hetzt.

    "Flüchtlinge willkommen" - die Satirepolitiker von "Die Partei" haben die Facebook-Seite der Koblenzer Islamgegner gekapert.
    "Flüchtlinge willkommen" - die Satirepolitiker von "Die Partei" haben die Facebook-Seite der Koblenzer Islamgegner gekapert.
    Foto: RZ-Screenshot/Facebook

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

    Statt rechter Parolen und Verschwörungstheorien, die hier bislang unters Volk gebracht wurden, hinterlassen jetzt Anhänger von "Die Partei" Beiträge auf der Seite, vom AfD-Witz ("Was ist eine Blondine zwischen zwei AfD-Wählern? - Nicht die dümmste") über zig Varianten, sich über Kogida lustig zu machen, bis zum zehnminütigen Einhornvideo. Ihr Ziel hat der Ortsverband Koblenz von "Die Partei" jedenfalls erreicht: "Wir haben die Kogida-Leute als Witzfiguren hingestellt", sagt Kulturbeauftragte Christine Auchtor - und man hat gezeigt, dass in Koblenz kein Platz ist für einen Pegida-Spross.

    Der Koblenzer Vorsitzende von "Die Partei", Sebastian Beuth, hat keine Mühen gescheut, um den Coup möglich zu machen. Im Januar fing er systematisch an, die am 31. Dezember eröffnete Kogida-Seite auf Facebook zu unterwandern. "Ich erstellte ein urdeutsches Profil auf Facebook", erzählt Beuth: Wilhelm Preusner war geboren, 61 Jahre alt, Single, Fan von AfD und NPD, im Titelbild das Deutsche Eck mit Deutschlandfahne in der Mitte. Bald schrieb "Preusner" alias Beuth Kogida an, und schnell war er drin im inneren Zirkel. "Ich wurde als ,Redakteur' eingestuft und gehörte zu einer Gruppe von zehn Aktiven, die in einer nicht öffentlichen Gruppe auf Facebook kommunizierten", sagt Beuth. Hier überlegten die Mitglieder, wie sie weiter vorgehen und wann sie ein erstes öffentliches Treffen organisieren sollen, persönlich aber trafen sie sich nie.

    Die Resonanz auf die Facebook-Seite war mau, wenige Dutzend Menschen bedachten Kogida mit einem "Gefällt mir" - "aber die Leute waren sehr aktiv, sie wollten ein Zeichen setzen", erinnert sich Beuth. Hinter Kogida würden ausschließlich Koblenzer stehen, etwa zwischen 20 und 40 Jahren alt, mit ausgeprägtem Interesse an der NPD und dem rechtsextremen Aktionsbüro Mittelrhein. Irgendwann genoss "Wilhelm Preusner" bei ihnen ein so großes Vertrauen, dass er zum Administrator ernannt wurde, der die Facebook-Seite von Kogida selbst gestalten kann, und dann ging alles ganz schnell: "Als Erstes stufte ich die anderen drei Administratoren als ,Redakteur' ein" - und als einziger verbleibender Administrator konnte (und kann) nur Beuth mit der Seite machen, was er will. Was das heißt, zeigte "Die Partei" am Freitag: Bei ihrem Neujahrsempfang mit "Titanic"-Redakteur Leo Fischer ging es vor allem darum, Kogida gemeinsam plattzumachen. Das Titelbild der Seite wurde verändert, zurzeit sind hier neben dem Schriftzug "Refugees Welcome" das Konterfei von Wilhelm Preusner und das Logo von "Die Partei" zu sehen. Und die Kogida-Gegner konnten ungehemmt über die Gruppe herziehen.

    Was die geschassten Kogida-Macher davon halten, kann nur gemutmaßt werden. Direkte Nachrichten an ihn hat Sebastian Beuth bei Facebook geblockt, per E-Mail hat er einige Beleidigungen bekommen, aber keine persönlichen Drohungen. Das Profil von "Wilhelm Preusner" bleibt derweil auf Facebook erhalten, mittlerweile in die Farben des Regenbogens getaucht. Irgendwie passt das zum Fazit von Beuth: "Koblenz ist bunt. Ich mag diese Stadt sehr, und ich will nicht, dass hier irgendwer Lügen und Hetze verbreitet." Eine zweite Kogida-Seite, die "Die Partei" nicht übernommen hat, gibt es übrigens noch im Internet. Auch diese hat nur 51 Anhänger.

    Die gekaperte Seite finden Sie unter https://www.facebook.com/kogidako/?fref=ts

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