40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Koblenz: Entschärfer haben Gülser Bombe gut im Griff
  • Koblenz: Entschärfer haben Gülser Bombe gut im Griff

    Koblenz-Güls. Bombenfunde aus dem Zweiten Weltkrieg sind in Koblenz keine Seltenheit. Und entsprechend routiniert ist auch die Bevölkerung, wenn es gilt, eine Evakuierungszone zu verlassen, damit eine Bombe entschärft werden kann.

    Da hängt sie am Haken, die Fliegerbombe, die in Güls entschärft wurde. Mehr als 4000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, damit die Experten vom Kampfmittelräumdienst ihren gefährlichen Job machen konnten. Fast alle betroffenen Gülser verhielten sich vorbildlich.
    Da hängt sie am Haken, die Fliegerbombe, die in Güls entschärft wurde. Mehr als 4000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, damit die Experten vom Kampfmittelräumdienst ihren gefährlichen Job machen konnten. Fast alle betroffenen Gülser verhielten sich vorbildlich.
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserem Mitarbeiter Peter Karges

    Dies war auch am Freitagabend, 31. Oktober, in Koblenz-Güls der Fall, wo rund 4000 Bewohner ihr Zuhause für gut drei Stunden verlassen mussten, damit die Experten vom Kampfmittelräumdienst (KMRD) eine amerikanische 500-Kilogramm-Fliegerbombe unschädlich machen konnten.

    Kurz nach 19.30 Uhr war die Gülser Fliegerbombe, die mit einem starken Mantel versehen war und einst konstruiert wurde, um zum Beispiel Bunker zu zerstören, Vergangenheit.

    Entschärfer Kurt Mazzucco
    Entschärfer Kurt Mazzucco
    Foto: Sascha Ditscher

    Kurt Mazzucco vom KMRD hatte zusammen mit Horst Lenz und drei weiteren Kollegen die Kriegshinterlassenschaft unschädlich gemacht, Zünder und Bombe bildeten keine Einheit mehr. Eine gute halbe Stunde hatten sie dafür gebraucht. "Die meiste Zeit benötigten wir, um die Bombe mit einem Sandstrahler zu säubern", erzählt Mazzucco, der den Zünder von der Bombe, die fast viereinhalb Meter tief im Erdreich schlummerte, mit Spezialwerkzeug abschraubte.

    Die Evakuierung zuvor konnte man als fast vorbildlich bezeichnen. Wer beispielsweise gegen 16.45 Uhr, eine Viertelstunde bevor die besagte Zone verlassen sein musste, durch Güls ging, der fand sich am Halloweenabend in einer Geisterstadt wieder - menschenleere Straße, dunkle Häuser und Rollläden, die zur Hälfte heruntergelassen waren. Auch die Einsatzkräfte, die nach 17 Uhr durch den Moselstadtteil liefen, um zu kontrollieren, ob er auch wirklich verlassen war, meldeten kaum besondere Vorkommnisse. Bis auf eine Ausnahme. "In einem Haus wurden drei Personen bei einem Kontrollgang angetroffen", sagt Manfred Morschhäuser von der Koblenzer Berufsfeuerwehr. Dieses Trio, das den Beginn der Entschärfung wahrscheinlich etwas verzögerte, war aber die absolute Ausnahme. "Ansonsten waren die Bewohner vorbildlich", betont Morschhäuser. Ein Bewohner hatte die Einsatzkräfte, 270 Männer und Frauen arbeiteten mit, sogar mit einem Zettel an der Tür unterrichtet, dass es im Haus doch noch Lebewesen gibt: "Wir sind mit dem Hund weg, Papagei und Katze sind aber noch da, bitte nicht die Tür aufbrechen, da sonst der Papagei wegfliegt."

    Reibungslos und zügig war auch die Evakuierung der rund 100 Bewohner des Gülser Seniorendomizils "Laubenhof" verlaufen, die von 17 bis 18 Uhr stattfand. Die meisten Bewohner konnten mit einem Bus der EVM in ihr Ausweichdomizil fahren, für vier bettlägerige Senioren und 25 Rollstuhlfahrer gab es entsprechende Krankenfahrten.

    Bei vielen der älteren Bewohner, die den Spätnachmittag in einem Seniorenheim auf dem Asterstein verbrachten, kamen Kriegserinnerungen hoch. Und bei manchen Gülsern waren das auch traurige Erinnerungen. "Ich musste sofort wieder an den 22. Dezember 1944 denken, als wir im Keller saßen und die Bomben auf Güls fielen", erzählte Resi Jonas.

    Ebenso schnell wie sich die Evakuierungszone geleert hatte, füllte sie sich aber auch wieder. Die ersten Autofahrer hatten auf der B 416 am Rand der Absperrungen schon mit dem Zündschlüssel in der Hand auf Entwarnung gewartet.

    Einer der vielen Helfer, die in Güls im Einsatz waren.
    Einer der vielen Helfer, die in Güls im Einsatz waren.
    Foto: Sascha Ditscher

    Ehrenamtliche DRK-Kräfte meistern Einsatz

    Mit 69 Einsatzkräften und mehr als 30 Kranken-, Rettungswagen und Einsatzfahrzeugen war das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bei der Bombenentschärfung in Güls im Einsatz. Mehr als 100 Patienten wurden aus dem Evakuierungsgebiet in Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen und zu privaten Adressen gebracht, bilanziert DRK-Kreisgeschäftsführer Volker Grabe. Um kurz nach 22 Uhr konnte Kreisbereitschaftsleiter Peter Klee vermelden, dass alle Patienten wieder wohlbehalten zu Hause angekommen waren. Das Koblenzer DRK wurde unterstützt von den Kreisverbänden Mayen-Koblenz, Rhein-Lahn und Westerwald.

    Die Gülser Bombe ist entschärft - Anwohner können zurück in ihre HäuserGülser Bombe ist entschärft: Der Tag der Evakuierung in BildernImmer wieder Evakuierungen: Neun Bombenentschärfungen der vergangenen JahreGülser Bombe: Wer muss raus? StraßenverzeichnisGüls wird menschenleer: Bomben-Entschärfung am Freitagabend weitere Links
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    epaper-startseite
    Anzeige
    Rhein-Zeitung Koblenz bei Facebook
    Wetter
    Montag

    16°C - 27°C
    Dienstag

    14°C - 26°C
    Mittwoch

    14°C - 25°C
    Donnerstag

    15°C - 26°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

    Anzeige