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  • Holocaust-Zeitzeuge Heinz Kahn ist tot: Jüdische Kultusgemeinde trauert

    Koblenz/Polch. Die Jüdische Kultusgemeinde trauert um Dr. Heinz Kahn. Der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz starb am Sonntag, 9. Februar, im Alter von 91 Jahren. Wie die Christlich-Jüdische Gesellschaft mitteilte, wird er am Mittwoch, 11. Februar, um 11.30 Uhr auf dem Friedhof in der Schwerzstraße beigesetzt.

    Heinz Kahn mit KZ-Tätowierung im Jahr 2002. Foto: epd
    Heinz Kahn mit KZ-Tätowierung im Jahr 2002.
    Foto: epd

    Von Reinhard Kallenbach

    Mahnen und Aussöhnen: Das war für Heinz Kahn immer wichtig. Der Tierarzt, der in Polch lebte und praktizierte, stand für den Dialog zwischen Juden und Christen. Und nicht nur das. Als Zeitzeuge suchte er das Gespräch mit der jüngeren Generation. Der Vorsitzende galt als liberal, was sich bis zuletzt zeigte. So hätte er zwar gerne eine Rückkehr seiner Gemeinde in den Bürresheimer Hof gesehen, erklärte sich jedoch kompromissbereit und für einen alternativen Standort zugänglich.

    Heinz Kahn wurde am 13. April 1922 in Hermeskeil geboren. Schon sein Vater war Tierarzt gewesen und als Weltkriegsteilnehmer hoch angesehen. Niemand konnte ahnen, was der Familie noch bevorstand, zumal Sohn Heinz und seine jüngere Schwester eine unbeschwerte Kindheit erlebten. Mit dem Besuch der höheren Schule änderte sich alles. Zwar war Heinz Kahn ein guter Schüler, musste allerdings ab 1936 die zunehmende Diskriminierung durch seine Mitschüler ertragen. Alleingelassen, begleitete er seinen Vater zunächst auf Behandlungsfahrten. Noch vor dem Abitur verließ Heinz Kahn die Schule und machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung, ging dann aber in einer Schlosserei in Frankfurt in die Lehre. Nach dem 9. November 1938 verschärfte sich die Situation dramatisch. Der Lehrling wurde zu Zwangsarbeiten in der "Judenkolonne" in Köln und Trier verpflichtet. Sein Meister hielt jedoch zu ihm und setzte ihn in Lothringen ein. Dauerhaft schützen konnte er ihn jedoch nicht.

    Im Februar 1943 verhaftete die Gestapo Heinz Kahn und seine Angehörigen. Es folgte die Deportation nach Auschwitz. Seine Familie sollte er nie wieder sehen. Er überlebte, wohl auch deshalb, weil er in das Lager Buna/Monowitz verlegt wurde, wo er unter anderem seine Mitgefangenen pflegte und sich unentbehrlich machte.

    In dieser Zeit knüpfte Heinz Kahn auch Kontakt zum kommunistischen Widerstand. Weil er auch in der Schreibstube eingesetzt wurde, konnte er anderen helfen, indem er ihre Nummern durch die von Toten austauschte. Er selbst verlor um 100 Verwandte. Heinz Kahn überlebte den Todesmarsch im Januar 1945. Im KZ Buchenwald wurde er schließlich von US-Truppen befreit. Er wanderte nicht wie viele andere Juden aus, sondern blieb in Deutschland. Heinz Kahn gilt als Gründer der neuen jüdischen Gemeinde in Trier. Er holte sein Abitur nach und ging dann nach Berlin, wo er erfolgreich Tiermedizin studierte. Nach dem Studium zog er nach Polch.

    1987 übernahm Heinz Kahn den Vorsitz der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und engagierte sich auch in anderen Ehrenämtern. Seine Leistungen wurden unter anderem mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik gewürdigt.

    Trotz seiner großen Leistungen war Heinz Kahn nicht unumstritten. Zwar erreichte die Kultusgemeinde in seiner Ära mit rund 950 Mitgliedern annähernd die alte Blüte, doch gelang es ihm nicht, den lange schwelenden Konflikt zwischen alten und neuen Gemeindemitgliedern zu lösen

     

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