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  • Gefährden Altlasten Standort für Synagoge in der Weißer Gasse in Koblenz?

    Koblenz. Das noch unbebaute Rasendreieck in der Weißer Gasse wäre ein idealer Standort für eine Synagoge. Doch geht es bei den aktuellen Überlegungen um mehr als architektonische Fragen. Es besteht die Gefahr, dass auf dem Grundstück unangenehme und teure Überraschungen lauern.

    Das Dreieck in der Weißer Gasse scheint der ideale Synagogenstandort zu sein. Doch unangenehme Überraschungen sind möglich.
    Das Dreieck in der Weißer Gasse scheint der ideale Synagogenstandort zu sein. Doch unangenehme Überraschungen sind möglich.
    Foto: Tim Kosmetschke

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    Keine Frage: Das noch unbebaute Rasendreieck in der Weißer Gasse wäre ein idealer Standort für eine Synagoge. Doch geht es bei den aktuellen Überlegungen um mehr als architektonische und städtebauliche Fragen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass auf dem Grundstück unangenehme und teure Überraschungen lauern. Deswegen sind Alternativstandorte weiter im Gespräch.

    Joachim Hofmann-Göttig nutzte die Ratssitzung am Donnerstag, um die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Dabei sprach der Oberbürgermeister auch das Thema Altlasten an. Zwar gehört die im Krieg weitgehend zerstörte Weißer Gasse zu den Arealen der Altstadt, die fast komplett neu bebaut wurden. Das Problem: Infolge der Nöte der Aufbaujahre entstand manches Provisorium. Und auf schädliches Material wurde nur selten geachtet. Das gilt vor allem für die Anfang der 50er-Jahre errichtete Rampe zum früheren Messeplatz. Beim Bau wurden Trümmer aufgeschüttet. Die Folge: Die Rampe und die angrenzende Freifläche reichen bis zu 4,50 Meter über das ursprüngliche Straßenniveau hinaus. Jetzt sollen Gutachter klären, ob das Areal in einem wirtschaftlich verträglichen Rahmen für eine Bebauung hergerichtet werden kann. Deswegen werden sich Gutachter mit dem Areal befassen: Im Rahmen von Untersuchungen sollen mögliche Schadstoffe aufgespürt werden. Dabei wird sich zwangsläufig die Frage stellen, ob im Bombenschutt auch Kampfmittel lagern. Wäre das Areal kontaminiert, würden allein für die Aufbereitung des Grundstücks Kosten in sechs- bis siebenstelliger Höhe entstehen. Die Verwaltung hofft, bis Ostern Klarheit über den Zustand des Geländes zu haben. Beim Stadtbad-Areal ist man übrigens schon weiter. Bis zum 1. März können Interessenten ihre Konzepte einreichen. Der Rat könnte dann in seiner Sitzung am 22. Mai grünes Licht geben.

    Und was passiert, wenn sich das Areal als Kostenfalle entpuppt? Der Stadtchef gab eine klare Antwort: Dann kommen Alternativstandorte ins Spiel. Bislang seien der Jüdischen Kultusgemeinde zehn Vorschläge gemacht worden, von denen zwei in die engere Wahl kommen. Klar ist jedoch auch, dass die Gemeinde wegen der Kernstadtnähe am liebsten in der Weißer Gasse bauen würde. Sie hat bei der Stadt offiziell Interesse bekundet. Dazu kommt, dass der von der Kultusgemeinde beauftragte Architekt Jens Ternes bereits signalisiert hat, dass das Areal aus Sicht des Planers grundsätzlich ein geeigneter Standort für eine Synagoge in der westlichen Altstadt ist.

    Offen ist nach wie vor die Finanzierungsfrage. Fakt ist nur, dass das Land schriftlich signalisiert hat, ein Drittel der Kosten zu übernehmen, die bislang auf maximal 6 Millionen Euro geschätzt werden. Wie die Beteiligung der Stadt aussehen wird, ist noch offen. Das letzte Wort darüber hat der Rat. Maximal könnte ein Drittel der Kosten übernommen werden. Das Grundstück würde dann aber verrechnet.

    Dies alles heißt: Auf die Jüdische Kultusgemeinde kommen Kosten in siebenstelliger Höhe zu. Und nicht nur das. Sie muss auch ein tragfähiges Finanzierungskonzept vorlegen, das auch die Betriebskosten berücksichtigt. Die für den Eigenanteil erforderlichen Mittel hat die Gemeinde noch nicht. Ein neuer Förderverein soll das ändern. Die Gründung wird derzeit vorbereitet.

    Architekt Henner Herrmanns will in einer Ausstellung seine Idee für die Weißer Gasse präsentieren.
    Architekt Henner Herrmanns will in einer Ausstellung seine Idee für die Weißer Gasse präsentieren.

    So könnte sich Henner Herrmanns eine Synagoge in der Weißer Gasse vorstellen

    Wie könnte die neue Synagoge aussehen? Studenten der Hochschule Koblenz haben sich in ihren Bachelorarbeiten mit dieser Frage befasst. Ihre Entwürfe sollen Ende März in einer Ausstellung gezeigt werden. Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben. Die ursprünglichen Vorschläge für den Reichensperger Platz, das Stadtbadgelände und das Moselufer wurden von ihrem Professor Henner Herrmans durch einen weiteren Vorschlag ergänzt. Der Architekt will seine Ideen für das Dreieck in der Weißer Gasse präsentieren. Sollten am Ende die Pessimisten Recht behalten, wäre dieses Konzept schnell Geschichte. Sprengt die Entsorgung von Altlasten den finanziellen Rahmen des gemeinnützigen Projektes, wird das Amt für Wirtschaftsförderung das Areal frei vermarkten. Dann könnten sich auch die aktuell fünf Interessenten für das Stadtbadgelände bewerben. ka

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