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  • KoblenzFlorinsmarkt: Baustelle im historischen Herzen der Stadt

    Die Bauarbeiten am Florinsmarkt beziehungsweise an der „Rückseite“ der historischen Gebäude am Moselufer sind mittlerweile so auffällig, dass sie sogar Bestandteil einiger Stadtführungen sind.

    Zwischen Altem Kaufhaus (links) und Bürresheimer Hof wird aktuell abgerissen. Hier entstehen eine Terrasse, ein Verbindungsbau aus Glas und unten ein Ausstellungsraum für die römische Mauer. Visualisierung: Ternes Architekten
    Zwischen Altem Kaufhaus (links) und Bürresheimer Hof wird aktuell abgerissen. Hier entstehen eine Terrasse, ein Verbindungsbau aus Glas und unten ein Ausstellungsraum für die römische Mauer. Visualisierung: Ternes Architekten

    Immer wieder werden sie gefragt, was sie denn da machen, erzählt Architekt Manuel Birkholz vom verantwortlichen Architekturbüro Ternes, das seit einigen Monaten den früheren Verbindungsteil zwischen Altem Kaufhaus und Bürresheimer Hof auf der Flussseite zurückbaut.

    Nach und nach wird der Grund, auf dem sich früher eine Terrasse mit Pavillon befand, bis zur Moselebene hin abgetragen. Aktuell ragt er noch einige Meter über dem Peter-Altmeier-Ufer auf, diverse Bauarbeiter mit Baggern und anderen Geräten gehen hier ihrer Arbeit nach. Und es ist eine Baustelle der besonderen Art – denn wenn man hier in die Erde sticht, stößt man fast automatisch auf Zeugnisse der römischen und der mittelalterlichen Geschichte dieses Fleckens Koblenz.

    Dass sich zwischen Mosel und Florinsmarkt quasi das Herz des historischen Koblenz befindet, war schon vor Beginn der Bauarbeiten bekannt, und das sehen die Architekten und Archäologen nun quasi täglich mit eigenen Augen. „Hier gibt es seit mehr als 1800 Jahren Bautätigkeit“, sagt Dr. Peter Henrich, Leiter der Außenstelle Koblenz der Landesarchäologie.

    Und so tauchen bei den laufenden Arbeiten immer wieder mittelalterliche Mauerreste auf, außerdem Gegenstände wie römische Münzen. Eine ungewöhnlich gut erhaltene römische Mauer hatte man schon zuvor gefunden, um sie wird nun quasi herumgegraben, da sie als einzige erhalten bleibt (die RZ berichtete).

    Das alles trägt dazu bei, dass auf der Baustelle enorme Enge herrscht. Verschiedene Gewerke sind gleichzeitig im Einsatz, Erde wird abgetragen, Mauerreste werden gesichtet und dann abgebrochen, die alten Gebäude am Rand der Baugrube mit neuen Fundamenten versehen, um sie stabil zu halten. Archäologen sind quasi täglich im Einsatz, und auch die Kampfmittelräumer sind immer wieder vor Ort.

    Die Architekten Jens J. Ternes und Manuel Birkholz (von links) besichtigen mit dem Archäologen Dr. Peter Henrich die Baustelle am Moselufer.
    Die Architekten Jens J. Ternes und Manuel Birkholz (von links) besichtigen mit dem Archäologen Dr. Peter Henrich die Baustelle am Moselufer.
    Foto: Stephanie Mersmann

    „Der Aufwand bei dieser Baustelle ist ungefähr zehnmal höher als bei anderen“, schätzt Architekt Jens J. Ternes. Es ist die bei Weitem anspruchsvollste Baustelle, die sein Büro derzeit hat, und die Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten muss reibungslos laufen. Drei Bagger und drei Presslufthammer waren zu Spitzenzeiten gleichzeitig im Einsatz, und das auf engstem Raum und zwischen Mauerresten aus verschiedenen Epochen. Das ist kompliziert und zeitaufwendig, hat aber auch einen Reiz, so Ternes.

    Die Archäologen dokumentieren die historischen Funde, dann werden diese abgetragen. Dazu gehört auch eine mittelalterliche Mauer direkt an der Moselseite. „Das sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Henrich. Denn auch wenn vieles verschwinden muss, so bleibt doch die römische Mauer erhalten – und wird sogar in einem eigenen Ausstellungsraum zu sehen sein, den Martin Görlitz, der die Florinsmarkt-Bauten saniert, errichten lässt.

    „Diese Mauer ist die Rosine, und der Kuchen rundherum wird weggegessen“, sagt der Archäologe mit einem Lachen. Architekt Ternes ergänzt: „Wenn wir die römische Mauer nicht gefunden hätten, wären wir sicher schon am Rohbau.“ Und dennoch sind sich die Experten einig: Es handelt sich hier um eine absolute Seltenheit, „und die Koblenzer Geschichte kann hier viel weiter erforscht werden“, betont Henrich.

    Noch zwei bis drei Monate werden die Arbeiten an dieser Stelle laufen, schätzt Ternes. Dann entstehen die Fundamente, die Bodenplatte und die Außenwände für den neuen Gebäudeteil, der hier errichtet wird. „In diesem Jahr soll der Rohbau für diesen Gelenkbau stehen“, sagt Ternes. Oben drauf wird dann eine Terrasse angelegt, und ein Glasbau soll schließlich Bürresheimer Hof und Mittelrhein-Museum verbinden.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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