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    RegionErst warm, dann Frost: Obstbauern der Region in Sorge

    Thomas Kreuter ist Obstbauer. Und zurzeit hat der Landwirt die Onlinewetterdienste genau im Blick. Denn, wenn es kalt wird, könnte seine Ernte gefährdet sein. In Deutschland registrierten die Meteorologen den wärmste März seit Aufzeichnungsbeginn. Vielerorts blühen die Bäume bereits. Die Landwirte betrachten die fortgeschrittene Vegetation aber teils auch mit Skepsis – vor allem im Hinblick auf einen Kälteeinbruch, der in den nächsten Tagen durchaus möglich ist.

    Mit einer speziellen Maschine versucht Landwirt Thomas Kreuter vom Obsthof Spurzem-Kreuter in Mülheim-Kärlich seiner Obstplantagen frostfrei zu halten. Durch ein Rohr wird dabei in kalten Nächten warme Luft in die Plantage geblasen.
    Mit einer speziellen Maschine versucht Landwirt Thomas Kreuter vom Obsthof Spurzem-Kreuter in Mülheim-Kärlich seiner Obstplantagen frostfrei zu halten. Durch ein Rohr wird dabei in kalten Nächten warme Luft in die Plantage geblasen.
    Foto: Volker Schmidt

    „Wenn es zu kalt wird, trifft es vor allem die Obstbauern – denn jetzt kommt die Apfel- und Kirschblüte“, erklärt Herbert Netter, der Pressesprecher des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. „Dann kann es jetzt schon Auswirkungen auf die Ernte haben.“

    Die Vegetation sei im Vergleich zum langjährigen Mittelwert ungefähr acht bis zehn Tage voraus, vermutet Kreuter, der in Mülheim-Kärlich den Obsthof Spurzem-Kreuter betreibt. Die Süßkirschenbäume in seiner Plantage blühen bereits. Auch Birnen seien bereits soweit, die Apfelblüte stehe bevor. Wenn es so weitergeht, erklärt er, kann man wohl schon Ende Mai die ersten Kirschen ernten.

    Aber bis dahin müssen er und seine Kollegen noch eine lange Zeit überbrücken. Und weil man in diesem Jahr früher dran ist, ist auch die Gefahr, dass die Quecksilbersäule noch mal unter 0 Grad fällt, auch größer als sonst. Für Kreuter eine unschöne Vorstellung. „Die Blüten halten minus 1 Grad aus“, sagt er. Kälter darf es aber nicht werden. Dann nehmen sie Schaden. Doch nicht nur die Blüten sind vom Frost gefährdet. „Die Leute denken immer: Wenn die Blüte vorbei ist, dann ist auch die Gefahr vorbei. Das stimmt aber nicht. Die jungen Früchte sterben schon bei minus 0,7 Grad ab“, erklärt er.

    „Heizung“ für die Plantage

    Auch wenn Kreuter und andere Landwirte den Launen der Natur meist schutzlos ausgeliefert sind, so gibt es inzwischen Möglichkeiten, Schaden zumindest teilweise abzuwenden. Kreuter tut dies mit einem Frostwächter. Einer Maschine, die mithilfe eines Benzinmotors und eines Gasbrenners über ein Rohr heiße Luft in die Umgebung bläst, während sie sich um die eigene Achse dreht. Also quasi eine Heizung für die Obstplantage. Alle Plantagen kann er dadurch nicht schützen – das wäre schlicht zu teuer –, aber zumindest einen Teil. „Wir haben es damit schon geschafft, einen halben Hektar bei minus 5 Grad frostfrei zu halten“, erzählt Kreuter.

    Aber es gibt auch andere Möglichkeiten. Viele Landwirte nutzen auch eine Frostschutzberegnung, sagt Herbert Netter. Der Trick: Fällt die Temperatur unter 0 Grad, bildet sich durch das Wasser eine Eisschicht um die Blüten. „Dadurch wird diese nicht kälter als 0 Grad“, so Netter. Allerdings lauern bei dieser Methode auch Gefahren, sagt Kreuter. Schaltet man die Beregnung nämlich zu früh ab, riskiert man einen „Totalschaden“, weil die Feuchtigkeit dann in die Blüte einziehen und gefrieren kann.

    Auch Winzer befürchten Schäden

    Keine Probleme mit möglichem Frost hat im Boden wachsendes Gemüse, erklärt Netter. „Da müsste es schon minus 20 Grad werden“, sagt er. Wegen des warmen März ist die Vegetation aber auch hier schon weit fortgeschritten. So hat die Spargelsaison in der Region bereits begonnen – rund zwei Wochen früher als normal.

    Mit Sorgen auf die Thermometer schauen in den nächsten Wochen aber auch die Winzer. Denn auch die Weinreben sind in diesem Jahr ihrer Zeit voraus. Gerd Knebel, der Geschäftsführer der Weinbauverbände Mosel und Mittelrhein, schätzt, dass man „14 Tage früher dran“ ist als in normalen Jahren. Frost ist also auch in den Weinbergen unerwünscht. „Da, wo Blattgrün dran ist, kann es zu Schäden kommen“, sagt Knebel.

    Doch auch wenn es nicht noch mal friert, müssen die Landwirte und Winzer auf günstige Wetterbedingungen hoffen. Denn die dauerhafte Trockenheit könnte in den Weinbergen und auf den Feldern irgendwann zu Problemen führen. Die Obstbäume sind in dieser Hinsicht zwar grundsätzlich nicht so gefährdet, weil ihre Wurzeln tiefer in den Boden greifen, erklärt Netter. „Es müsste aber zumindest alle zwei Wochen mal regnen“, sagt er.

    Von unserem Redakteur Volker Schmidt

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