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    Mittelrhein"Waldhof" trübt Zahlen der Rheinschifffahrt

    Die wirtschaftliche Lage der Rheinschifffahrt lässt in diesem Jahr bisher zu wünschen übrig. Gründe sind laut einer Pressemitteilung der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt der Wasserstand des Flusses, der den Schiffern zu schaffen machte, aber auch die Havarie des Säuretankers „Waldhof“ an der Loreley Anfang des Jahres. Zu den Aufgaben der Zentralkommission mit Sitz in Straßburg gehören die Sicherheit des Rheinverkehrs sowie die wirtschaftliche Förderung des Schiffsverkehrs auf dem Strom.

    Am 2. Februar durften die ersten Frachtschiffe die Unglücksstelle passieren. Die lange Wartezeit sorgte für erhebliche Umsatzeinbußen.
    Am 2. Februar durften die ersten Frachtschiffe die Unglücksstelle passieren. Die lange Wartezeit sorgte für erhebliche Umsatzeinbußen.
    Foto: Werner Dupuis

    Im Laufe der beiden ersten Quartale 2011 sind die auf dem Rhein beförderten Gütermengen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 um über 3 Prozent zurückgegangen. „Trotz einer beständigen Wirtschaftstätigkeit“, so die Zentralkommission, „litten die Beförderungen unter einer für die Schifffahrt ungünstigen Wasserführung“. Das Hochwasser Anfang des Jahres sowie die niedrigen Wasserstände im Mai und im November spielten hier eine Rolle. Zudem führte im Laufe der Monate Januar und Februar 2011 der Unfall der „Waldhof“ zu einer 30-tägigen Schifffahrtssperre am Mittelrhein. „Im Einzelnen ist festzustellen, dass die in der sogenannten Trockenschifffahrt beförderten Gütermengen um 2 Prozent und die in der Tankschifffahrt beförderten Gütermengen um 7,6 Prozent zurückgegangen sind. Vor diesem Hintergrund bleibt die Lage der Schifffahrtsunternehmen besorgniserregend, da die beförderten Gütermengen nach wie vor unter dem Niveau der Vorkrisenzeit (2008) liegen und nach wie vor keine zufriedenstellende Bewirtschaftung der Flotte möglich ist.“
    Laut Kommission stellt vor allem die in der Tankschifffahrt vorhandene Überkapazität ein Hindernis für die kurzfristige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen dar. „Unter den Gegebenheiten einer leicht rückläufigen Nachfrage und einer Flottenkapazität, die durch den Zugang neuer Schiffe in Doppelhüllenbauweise stark ausgeweitet wurde, kann eine Besserung für die Unternehmen nur dann eintreten, wenn die Einhüllenschiffe aus dem Markt austreten müssen. Obgleich das Niveau der Wirtschaftstätigkeit und die Nachfrage nach Transporten auf dem Rhein weiterhin beständig sind, so sind die Wachstumsaussichten für 2012 in Westeuropa wenig erfreulich. Gleiches gilt für die damit einhergehende Entwicklung der Beförderungsnachfrage auf dem Rhein. Unter diesen Voraussetzungen scheinen die Aussichten auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage auf dem Markt gedämpft.“

    2010 war gutes Jahr
    „Diese Analyse erscheint mir plausibel“, sagt Jörg Rusche, Geschäftsführer des Deutschen Bundesverbandes der Binnenschifffahrt (BDB) auf Anfrage unserer Zeitung. Dem BDB liegen dazu jedoch noch keine eigenen Zahlen vor. Rusche macht aber darauf aufmerksam, dass der Verkehr auf deutschen Flüssen im zweiten Halbjahr 2011 insgesamt wieder angezogen habe. Für das Vorjahr hat man in der Geschäftsstelle in Duisburg errechnet, dass der weltweite Konjunkturaufschwung zumindest im Jahr 2010 auch in der deutschen Binnenschifffahrt angekommen war. Mit einer Steigerung des Transportaufkommens gegenüber dem Vorjahr um 26 Millionen auf 229,9 Millionen Tonnen hatte die Binnenschifffahrt im vergangenen Jahr bundesweit eine erfreuliche Entwicklung vollzogen. Dabei stieg die Menge der beförderten Güter im Laufe des Jahres kontinuierlich an. In der Containerschifffahrt konnten im vergangenen Jahr Spitzenwerte erzielt werden: 2010 wurden so viele Güter in Binnenschiffscontainern befördert wie in keinem anderen Jahr zuvor.

    Die Niederschläge, die jetzt fallen, helfen der Rheinschifffahrt wieder. Hochwässer sowie die niedrigen Pegelstände im Mai und vor allem im November aber dürften das generelle Problem der Wirtschaftlichkeit für die Binnenschiffer weiter verschärft haben. Kein Wunder also, dass sich die Zentralkommission auch mit dem Klimawandel beschäftigt. Ein Bericht zum Thema „Klimawandel und Rheinschifffahrt“ untersucht die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserstraße. Ergebnis: „Laut den derzeit verfügbaren Modellen wird der Klimawandel zu einem häufigeren Auftreten extremer Hoch- und Niedrigwasserperioden führen. Hierbei handelt es sich um altbekannte Phänomene, die sich bis Mitte des Jahrhunderts nur wenig verschärfen dürften. Eine plötzliche, starke Verschlechterung der Bedingungen, welche die Rheinschifffahrt in Frage stellen könnte, ist in den nächsten Jahren demnach nicht zu erwarten. Gleichwohl sollten Maßnahmen, die im Hinblick auf die Infrastruktur, die Eigenschaften der Schiffe und die logistische Organisation eingeleitet wurden, um die Folgen von Hoch- und Niedrigwasserperioden zu mindern, fortgeführt werden, da sie sowohl zur Verbesserung der derzeitigen Schifffahrtsbedingungen als auch zur Vorbereitung der Zukunft dienen“, so die Kommission.

    Kein Grund zur Panik
    Der BDB sah trotz der niedrigen Wasserstände zuletzt keinen Grund zur Panik: Bei zahlreichen Binnenschiffen sei es durch das Niedrigwasser zu keinerlei oder wenigen Einschränkungen gekommen. Einige große Binnenschiffe konnten jedoch nicht mehr bis an ihre Auslastungsgrenze beladen werden. Trotzdem vermochten die Binnenschifffahrtsunternehmer ihre Lieferverpflichtungen in aller Regel einhalten. Die Branche müsse sich je nach Jahreszeit auf wechselnde Wasserstände einstellen.

    Es ist wichtig zu wissen, so der BDB, dass der an den Pegeluhren abzulesende Pegelstand nicht die Tiefe der Fahrrinne angibt. Die für die Binnenschifffahrt nutzbare Tiefe des Flusses sei regional unterschiedlich deutlich größer als der an der Pegeluhr angezeigte Wert. Die Binnenschifffahrtsunternehmen seien da flexibel: Um die gleiche Menge Güter zu transportieren wie bei höheren Wasserständen könnten bei Niedrigwasser eben zusätzliche Fahrten nötig werden – dies war im November auch so. Michael Stoll

    Hilfe für Schiffer in Not: Verein unterstützt Familien mit Rat und TatVerfahren vorläufig eingestellt: Beschuldigte müssen insgesamt 115.000 Euro zahlen Rechtsstreit fünf Jahre nach dem Unglück: "Waldhof"-Reederei fordert Millionen Säuretanker auf dem Rhein havariertEin Jahr "Waldhof"-Unglück: "Brauchen wir nicht wieder"weitere Links
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