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  • Simmern: Schulmensa bleibt wohl länger gesperrt

    Simmern. Die Mensa an der Realschule plus in Simmern ist seit den Herbstferien vergangenen Jahres geschlossen - und das dürfte noch eine Weile so bleiben. Wann die Schüler ihr Mittagessen dort wieder einnehmen können, ist momentan noch nicht absehbar.

    Ein Klassenraum der Simmerner Realschule plus wurde zum Speiseraum umfunktioniert. Hier nehmen die Kinder ihr Mittagessen ein.
    Ein Klassenraum der Simmerner Realschule plus wurde zum Speiseraum umfunktioniert. Hier nehmen die Kinder ihr Mittagessen ein.
    Foto: Werner Dupuis

    Von unserem Redaktionsleiter Thomas Torkler

    Bei Reinigungs- und Wartungsarbeiten im Sommer 2015 wurden Schäden am Dach des erst 2009 fertiggestellten Gebäudes festgestellt. Konkret: Ein Mitarbeiter, der seinerzeit einen Ball vom Flachdach des Gebäudes herunterholen wollte, brach dabei ein. Der Kreis, seit Sommer 2012 Träger der Schule, musste das Gebäude sperren, nachdem ein Sachverständiger festgestellt hatte, dass die Tragfähigkeit des Daches nicht mehr gewährleistet ist.

    Unter dem Flachdach hatte sich offenbar Feuchtigkeit gesammelt, die nicht entweichen konnte und die Dachbalken faulen ließ. In einer Pressemitteilung schreibt die Kreisverwaltung: "Als Ursache wurden Fehler in der Planung und der Bauausführung genannt. Diese Feststellungen wurden durch ein zweites Gutachten bestätigt."

    Schüler essen in Klassenraum und beim Tennisverein

    Die mehr als 100 Ganztagsschüler der Realschule plus und der Dr.-Kurt-Schöllhammer-Grundschule müssen seit November 2015 ihr Schulessen in einer Notmensa einnehmen. In der Realschule plus wurde ein Klassenraum umfunktioniert, die Grundschüler weichen in Räume des benachbarten Tennisvereins aus. Letzteres ist wohl nicht mehr lange möglich, weil der Tennisverein die Räume demnächst wieder für sich beansprucht.

    Der Kreis teilt mit, dass neben den organisatorischen Einschränkungen für die betroffenen Schulen auch Mehrkosten in Höhe von mehreren Tausend Euro pro Monat für die Schulträger (Träger der Grundschule ist die Verbandsgemeinde Simmern) entstehen, da der Essenslieferant zusätzliches Personal für den Ausweichbetrieb an zwei Standorten einstellen musste. Als Rechtsnachfolger der Verbandsgemeinde, die als Träger der Realschule plus seinerzeit den Mensabau in Auftrag gab, bemüht sich der Kreis seit August 2015 um eine außergerichtliche Einigung mit den am Bau seinerzeit Beteiligten. Bislang habe man noch keine Einigung erzielen können, berichtet Mario Piroth, Fachbereichsleiter Schulen und Gebäude beim Kreis, auf Anfrage.

    Kreis rechnet mit gerichtlicher Auseinandersetzung

    Eine Schadensbehebung vor Klärung der Schuld- beziehungsweise Kostenfrage komme für den Kreis jedoch nicht in Betracht. "Eine außergerichtliche Einigung würde uns freuen, jedoch haben wir noch keine diesbezüglichen Angebote erhalten", sagt Piroth, der eher damit rechnet, dass es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen wird. Ab wann wieder ein regulärer Mensabetrieb sichergestellt werden kann, sei derzeit noch nicht abzusehen. Kommt es zu einem Verfahren, dürfte mindestens ein Jahr in der ersten Instanz vergehen.

    Die Positionen scheinen verhärtet. Der Kreis als Träger ist der Auffassung: "Wer die Bauüberwachung hat, muss haften", so Mario Piroth. Der Gutachter der Versicherung des betroffenen Ingenieurbüros Jakoby und Schreiner ist dagegen der Auffassung, dass die Planung nicht ursächlich für den Schaden war. Vielmehr seien die Dachbalken während der Bauphase über sieben Wochen der Witterung ausgesetzt gewesen. Die Feuchtigkeit sei unterhalb der Abdichtung kondensiert und habe die Balken zum Faulen gebracht.

    Ingenieurbüro weist Vorwürfe zurück

    Der von der Versicherung eingeschaltete Gutachter sieht die Ursache darin, dass der Trockenbauer es vor der Dachabdichtung versäumt habe, die Restfeuchte zu ermitteln. Dies liege in der Verantwortung des mit der Planung und Bauüberwachung beauftragten Ingenieurbüros, so der Vorwurf der Kreisverwaltung. Kay Jakoby hält dagegen: "Die Schuld ist nicht erwiesen. Der umgehend von unserer Betriebshaftpflicht beauftragte Gutachter hat kein Verschulden unsererseits festgestellt."

    Sebastian Roller, Fachbereichsleiter Bauen bei der Verbandsgemeinde Simmern, die als Bauträger vor dem Übergang der Schulträgerschaft an den Kreis, zuständig war, bestätigt: "Die Abnahme ist gemacht worden. Es wurde festgestellt, dass das Dach dicht ist. Bei einer solchen Abnahme macht man allerdings nicht das Dach wieder auf und kann daher gar nicht feststellen, ob etwas fehlerhaft ist. Mir ist nicht klar, ob Restfeuchte überhaupt zu erkennen gewesen wäre. Man kann also gar nicht sagen, wer die Schuld trägt." Roller räumt ein, dass das Ganze für den Kreis ärgerlich ist. "Wir haben das Gebäude beim Wechsel der Schulträgerschaft seinerzeit ordnungsgemäß übergeben, und jetzt wurde festgestellt, dass da ein Schaden ist." Dass das Kirchberger Planungsbüro nicht für den Schaden verantwortlich zu machen ist, "das ist auch unser Kenntnisstand", sagt Roller.

    Wie geht es weiter? Das Mensagebäude muss ein Pultdach erhalten. Die Kosten dafür liegen, so schätzt Mario Piroth von der Kreisverwaltung, zwischen 60.000 und 80.000 Euro. Den Gesamtbetrag will der Kreis nicht zahlen. Er sieht das Planungsbüro in der Pflicht, beziehungsweise dessen Versicherung. Ob und wer sich in der Sache nun bewegt, dürfte vor Gericht entschieden werden, sofern es nicht doch noch zu einer außergerichtlichen Einigung kommt. Der Kreis ist als Schulträger nun an die Öffentlichkeit gegangen, offenbar um Druck auszuüben, in der Mensafrage bald Klarheit zu schaffen.

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    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

     

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