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  • Sichtung bei Brey: Schleicht der Luchs durch den Bopparder Wald?

    Brey/Boppard. Die größte Katze Europas hat den Mittelrhein erreicht. Jedenfalls behauptet dies ein naturkundiger Wanderer, der einen Luchs bei Brey gesichtet hat. Bisher ist man davon ausgegangen, dass das Wildtier mit den flauschigen Ohren nur im Pfälzer Wald lebt, wo 2015 ein Auswilderungsprojekt gestartet wurde.

    Der Luchs (hier ein Exemplar in einem Gehege in Niedersachsen) wird bei uns wieder heimisch. Foto: dpa
    Der Luchs (hier ein Exemplar in einem Gehege in Niedersachsen) wird bei uns wieder heimisch.
    Foto: dpa - picture alliance

    Den Bericht des Wanderfreundes leiteten die zuständigen Revierförster Dieter Kaul und Ralf Kerber von den Forstrevieren Rhens und Boppard an unsere Zeitung weiter. Demnach wurde der Luchs in einem Waldstück zwischen dem Jakobsberger Hof und dem Rheindorf Brey auf einem abseits der Rheinburgen- und Traumpfade gelegenen Waldweg entdeckt. In der einsetzenden Dämmerung kreuzte der Luchs den Weg. Aufgrund des feuchten Bodens waren sowohl der Tritt des Tieres als auch der des Wanderers lautlos. Der Luchs hatte die Größe eines großen Schäferhundes. "Er duckte und drehte sich wie ein Tiger, blickte mich an und verschwand lautlos im Unterholz", berichtet der Naturfreund. Nach einer Fotorecherche zu Hause kam der Beobachter zu dem Schluss, dass es sich um einen eurasischen Luchs mit Sommerfell handelt.

    Garant für die Regulierung des Ökosystems

    "Wenn es stimmt, dass sich ein Luchs wieder in unserer Region angesiedelt hat, ist das eine gute Nachricht", freut sich Wolfgang Herrig vom Forstamt Koblenz. Für den Projektleiter für Waldinformation, Umweltbildung und Walderleben ist der Beutegreifer ein Garant für die Regulierung des Ökosystems. Luchse bilden für den Förster wichtige Pfeiler einer geordneten Population im Wald. Der Luchs lebt als Einzelgänger in großen Gebieten. Sein Revier kann bis zu 400 Quadratkilometer umfassen. Er hat ein sehr gutes Hörvermögen und soll eine Maus auf eine Entfernung von 50 Metern orten können. Die Augen sind extrem lichtempfindlich und deshalb für die Jagd zur Dämmerung und in der Nacht bestens geeignet.

    Luchse waren früher in Westeuropa weit verbreitet. Anfang des 20. Jahrhunderts galt das Tier als ausgestorben. Er wurde gnadenlos verfolgt, obwohl Luchse für Menschen ungefährlich sind. Heute leben wieder einzelne Exemplare in deutschen Mittelgebirgen.

    Die Wiederkehr des Luchses sieht dagegen der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau kritisch. Für den Sprecher des Verbandes, Herbert Netter, stellt das Wildtier grundsätzlich eine Gefahr für das Weidevieh dar: "Tiere, die gerissen werden, leiden. Sie werden bei vollem Bewusstsein getötet." Er fordert eine Entschädigung für Betriebe, deren Weidetiere getötet werden oder wenn Herdenausbrüche Schäden verursachen. Außerdem müssten vorbeugende Schutzmaßnahmen ausgeglichen werden. Grundsätzlich lehnt der Bauern- und Winzerverband die Ansiedlung von Carnivoren (fleischfressende Tiere) in Kulturlandschaften und modernen Lebensräumen ab, so Netter.

    Übergriffe auf Nutztiere sind selten

    Ziel des Naturschutzes ist nicht nur der Erhalt von einzelnen Tier- und Pflanzenarten, sondern auch der Schutz von Lebensgemeinschaften, ökologischen Funktionen und Prozessen, betont dagegen die Projektleiterin des EU-Projektes LIFE Luchs, Sylvia Idelberger von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Als Beutegreifer spielt der Luchs nach Meinung der Expertin eine wichtige Rolle im naturnahen Ökosystem. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, wechselt der Luchs regelmäßig die Jagdgebiete innerhalb seines sehr großen Reviers. Als Einzelgänger und Intervalljäger ist sein Einfluss auf die Anzahl der Beutetiere eher als gering einzuschätzen, analysiert die Biologin. Das Tier macht hauptsächlich Jagd auf Rehe. Auch Frischlinge, Hasen, Füchse, kleinere Säugetiere und Vögel stehen auf dem Speiseplan.

    Luchse sind auch in der Lage, Nutztiere wie Schafe, Ziegen oder Gehegewild zu erbeuten. Erfahrungen zeigten aber, dass Übergriffe dieser Art selten sind, so Idelberger. Da die Tiere gute Kletterer sind, könnten sie über Zäune auch in Weiden eindringen. Moderne Elektrozäune sind ein Gegenmittel. So können die Interessen von Nutztierhaltern und der Schutz des Luchses in Einklang gebracht werden, wirbt die Projektleiterin.

    Die Sorgen und Ängste von Nutztierhaltern werden aber ernst genommen. Es stehen bei der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz Mittel für Entschädigungen bei getöteten Nutztieren oder für die Förderung von Präventionsmaßnahmen wie Zaun-Ergänzungen auf freiwilliger Basis zur Verfügung. Die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft untersucht projektbegleitend die Wechselwirkung zwischen Luchs und Reh.

    Mehr Infos gibt es unter www.luchs-rlp.de

    Erwin Siebenborn

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