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    RheinböllenRheinböllen will Zukunft aktiv gestalten

    Die Stadt Rheinböllen will für den demografischen Wandel gerüstet sein. Denn auch im Rheinböllener Land wandelt sich die Altersstruktur der Bevölkerung: Die Menschen werden immer älter, möchten aber - so lange wie möglich - in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben und aktiv ins gesellschaftliche Leben eingebunden werden.

    Damit wird die Kommune vor neue Herausforderungen gestellt. Deshalb hat die Stadt gemeinsam mit den Franziskanerbrüdern vom Heiligen Kreuz, die in Rheinböllen auch das Seniorenheim betreiben, das Projekt "Zuhause im Stadtteil" ins Leben gerufen (wir berichteten).

    Bruder Bonifatius (links) und Bruder Johannes Maria präsentieren mit Bürgermeisterin Bernadette Oberthür die Sozialraumanalyse. Deren Ergebnisse sollen in die Entwicklung der Stadt Rheinböllen mit einfließen.  Foto: Markus Lorenz
    Bruder Bonifatius (links) und Bruder Johannes Maria präsentieren mit Bürgermeisterin Bernadette Oberthür die Sozialraumanalyse. Deren Ergebnisse sollen in die Entwicklung der Stadt Rheinböllen mit einfließen.
    Foto: Markus Lorenz

    In Bürgerversammlungen und Workshops wurden die Bedürfnisse der älteren Menschen erfragt und analysiert. Was benötigen sie und welche Anforderungen stellen sie an Wohnraum? Welche Angebote, Dienstleistungen und Strukturen gibt es, und wo ist noch Handlungsbedarf? Mit diesen Fragen haben sich die Rheinböllener unter Federführung von Stadtbürgermeisterin Bernadette Oberthür intensiv beschäftigt. Vor allem die Themen "Barrierefreiheit" und "Begegnungen schaffen" stehen ganz oben auf der Agenda der älteren Bevölkerung. Damit beschäftigen sich nun zwei Arbeitsgruppen, die sich in regelmäßigen Abständen treffen. Konkret in Planung ist derzeit ein "Fest der Kulturen", das voraussichtlich im Mai stattfinden wird. Dort sollen sich Menschen verschiedener Nationalitäten, vor allem aber Jung und Alt austauschen und aufeinander zu- und eingehen. "Bei vielen älteren Mitbürgern steht der Wunsch nach Begegnung, nach intensiveren Kontakten mit jüngeren Leuten, ganz oben auf der Liste", weiß Oberthür. Deshalb sind gemeinsame Spielenachmittage von Senioren und Schülern geplant, die Stadtchefin kann sich auch einen "Omaservice" vorstellen. "Es gibt viele junge Familien in Rheinböllen ohne Großeltern. Sie könnten an solch einem Austausch Interesse haben. Wir denken aber auch über alternative Wohnformen nach, damit ältere und jüngere Menschen unter einem Dach leben können. Dazu wollen wir Investoren anlocken."

    Ein weiterer Schritt ist die umfassende Sozialraumanalyse, die die Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz von einem Pflegewissenschaftler haben erstellen lassen. Finanziell unterstützt wurden sie dabei von der Stiftung Deutsches Hilfswerk. Im Mittelpunkt stand die Frage: "Wie lässt sich für Senioren in den unterschiedlichsten Altersgruppen die Lebensqualität bis ins hohe Alter sichern?" Im Auge hat das 40-seitige Papier auch das Lebensumfeld - Einkaufsmöglichkeiten, Infrastruktur etc. - sowie die konkreten Wünsche der Bürger. Dazu wurden aufwendige Fragebogenaktionen durchgeführt, die Stadt auf Leerstände und Mobilität untersucht. Ein Ergebnis davon ist die genannte Arbeitsgruppe "Barrierefreiheit".

    Die Analyse stellt fest, dass 34,4 Prozent der Rheinböllener - und damit mehr als ein Drittel - über 65 Jahre alt sind. Knapp 5 Prozent sind sogar älter als 80 Jahre. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in der Stadt dürfte laut Statistik verhältnismäßig hoch sein. Fast alle Rheinböllener geben an, gerne in ihrer Stadt zu leben. Allerdings stößt das Angebot für ältere Menschen auf Kritik. Viele glauben, dass es zu wenig davon gibt. Außerdem berichten vor allem Personen, die in ihrer selbstständigen Lebensführung eingeschränkt sind, von Problemen, in Rheinböllen eigenständig zurechtzukommen. In noch größerem Maße gilt dies für Menschen mit Behinderungen. Dazu werden fehlende altersgerechte Wohnangebote - barrierefreie Mietwohnungen, Mehrgenerationen- sowie gemeinschaftliche Wohnprojekte und Wohnungen mit Betreuung - vermisst. Auch eine Verbesserung des Beratungsangebots und bessere Informationen dazu werden gewünscht. Die Einrichtung einer Ehrenamtsbörse zum Beispiel für Haushaltshilfen wird angeregt. Viele sehen die Einkaufssituation als gut bis zufriedenstellend an - vor allem ältere Menschen fürchten jedoch den geplanten Umzug der "Norma" an den Stadtrand.

    Um die gewonnenen Erkenntnisse umzusetzen, will die Stadt eine Anlaufstelle mit einem sogenannten Kümmerer einrichten. Er soll Projekte strukturieren, Netzwerke schaffen, regelmäßige Bürgerworkshops einrichten, eine Verbindung zur Kommune sein. Ein Förderantrag für eine 50-Prozent-Stelle wurde bereits gestellt, die Finanzierung wäre auf drei Jahre befristet. "Es fehlt die kompetente Beratung aus einer Hand", erklärt Bruder Bonifatius von den Franziskanern. "Wir suchen nach einer Dauerfinanzierung für eine solche Stelle." Ausdrücklich lobt er das Engagement der Stadt. "Rheinböllen ist sehr aktiv und stellt sich den Herausforderungen." Markus Lorenz

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