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    Rhein-HunsrückLaserpointer werden auch im Rhein-Hunsrück-Kreis zum Problem

    Stark strahlende Lasergeräte sind gefährlich, aber leicht übers Internet zu besorgen. Den Strahl auf Flugzeuge oder Autos zu richten, mag vielen als Dummejungenstreich vorkommen. Der kann aber schlimme gesundheitliche Folgen für die Opfer und harte juristische Konsequenzen für die Täter haben.

    Mit Laserpointer auf Flugzeuge: Das kann einen Fall von Gefährlichem Eingriff in den Luftverkehr darstellen. 
    Mit Laserpointer auf Flugzeuge: Das kann einen Fall von Gefährlichem Eingriff in den Luftverkehr darstellen. 
    Foto: picture-alliance

    Von unserem Redakteur Ingo Lips

    Strahlt die Gefahr, die in Ballungszentren trauriger Alltag geworden ist, mittlerweile auch in unsere Region aus? Der Polizeibericht erwähnte im Sommer einen 14-Jährigen am Mittelrhein, bei dem ein Laserpointer sichergestellt wurde, nachdem er damit auf Autofahrer gezielt hatte. Dass er auch den Piloten einer Boeing geblendet haben könnte, hielten die Ermittler damals zumindest für möglich.

    Fest steht: Stark strahlende Laserpointer entwickeln sich zunehmend zu einer Gefahr in der Luftfahrt. Mittlerweile vergeht kaum noch ein Wochenende ohne Meldungen über solche Attacken, denen sich die Piloten ausgesetzt sehen: Meist erwischt es sie im Landeanflug. Ein kurzer Moment, in dem der Strahl die Netzhaut trifft, reicht, um die Sehfähigkeit für Minuten zu beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall können sogar bleibende Schäden aus solch einer Blendattacke resultieren. Oft ist die Sicht auf die Instrumente für Minuten getrübt, Landemanöver wurden daraufhin schon abgebrochen.

    Auf dem Hahn kennt man solche Extrembeispiele noch nicht, wie Flughafensprecherin Bianca Waters auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Dennoch kam es schon vor, dass Piloten, die im Hunsrück landeten, Meldungen über störende Lichtquellen machten.

    Längst nicht jede gemeldete Störung entpuppt sich als Laserattacke, wie der Leiter der Polizeiwache Hahn, Josef Schirra, erklärt. In seinem unmittelbaren Zuständigkeitsbereich hat es noch "keine konkrete Gefährdung" gegeben, die als gefährlicher Eingriff in den Flugverkehr zu werten wäre. Dennoch nimmt die Polizei den Alarm aus dem Cockpit sehr ernst und versucht der Sache möglichst schnell auf den Grund zu gehen. Die Piloten melden den Vorfall der Flugsicherung. Durch die Koordinaten kann dann der ungefähre Punkt der Störquelle ermittelt werden. In diesem Sommer wurde beispielsweise Nohfelden als Standort möglicher "Blender" ermittelt, im vergangenen Jahr soll eine Attacke aus dem Bereich Morbach erfolgt sein. In beiden Fällen konnte die Polizei keine Verdächtigen fassen.

    Der schnelle Zugriff ist gerade im ländlichen Raum ein Problem. Dennoch sollten sich die Täter nicht zu sicher fühlen. Sogar Polizeihubschrauber werden eingesetzt, um die meist grünlich strahlenden Laser zu lokalisieren.

    Doch nicht nur Piloten sind der gefährlichen Strahlung ausgesetzt. Auch Lokführer und Autofahrer werden immer häufiger zum Ziel von Blendattacken. Im Juni stellte die Bopparder Polizei einen Laserpointer bei einem 14-Jährigen in St. Goar sicher. Der Junge soll damit unter anderem einen Taxifahrer angeleuchtet haben.

    Der Fall wurde der Staatsanwaltschaft übergeben. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Kruse auf Anfrage erklärt, ergaben die Ermittlungen, dass der 14-Jährige zu einer Gruppe von Jugendlichen gehörte, innerhalb derer der Pointer herumgereicht und benutzt worden war. "Es konnte daher nicht mit zu einer Anklageerhebung hinreichenden Sicherheit festgestellt werden, welcher der Jugendlichen den Pointer auf das Taxi gerichtet hatte." Das Verfahren wurde eingestellt. So blieb es, wie so oft, bei Ermahnungen der Polizisten. Die Beamten zogen den Laserpointer ein. Das Gerät wurde in diesem Fall sogar vernichtet, wie Kruse erklärt.

    Doch das Thema beschäftigt die Staatsanwaltschaft Koblenz weiterhin. "Der Einsatz solcher Laserpointer ist uns in letzter Zeit leider häufiger untergekommen", schildert Kruse gegenüber unserer Zeitung. "Meistens waren die Täter nicht zu ermitteln, oder es fehlt an der konkreten Verkehrsgefährdung, da die Fahrer - glücklicherweise - nicht direkt angeleuchtet wurden", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt. Auch in St. Goar wurde der Taxifahrer nicht geblendet, sondern "nur" angeleuchtet.

    Eine Anklage wegen zumindest versuchtem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr kann aber in aller Regel erst dann erhoben werden, wenn der Täter ermittelt und eine konkrete Gefährdung vorliegt. Mit welchen Konsequenzen Täter rechnen müssen, ist im Bereich des Jugendstrafrechts, das der Erziehung der Jugendlichen dient, abstrakt nicht zu sagen: "Wie der Staat reagiert, hängt mithin nicht nur von der Tat, sondern insbesondere vom individuellen Erziehungsbedarf ab", erklärt Kruse.

    Allgemein weisen die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland aber immer wieder darauf hin, dass es sich bei Laserattacken, gleich ob sie sich gegen Autofahrer oder Piloten richten, beileibe nicht um Kavaliersdelikte handelt. Der gefährliche Eingriff in den Luftverkehr beispielsweise kann mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden - strafbar ist im Übrigen schon der Versuch.

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