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    Boppard/DörthErster Schritt ins Berufsleben für jungen Syrer

    Sie sind gekommen, um zu bleiben: Firas Jouma, seine Frau und sein neugeborener Sohn wollen in Deutschland einen Neuanfang wagen. Die ersten Schritte hinein in den neuen Lebensabschnitt in einer bis dahin fremden Welt hat der 27-jährige Familienvater gemacht: Er lernt fleißig Deutsch. Und die Tür ins Berufsleben hat sich für ihn einen Spalt breit geöffnet

    Christian Koch (2. von links), Chef der Firma Reko, und Personalchefin Tanja Christoph freuen sich darüber, dass Firas Jouma in seinem Berufsorientierungspraktikum so engagiert bei der Sache ist. Der junge Syrer fühlt sich von den Mitarbeitern sehr gut aufgenommen.  Foto: Wolfgang Wendling
    Christian Koch (2. von links), Chef der Firma Reko, und Personalchefin Tanja Christoph freuen sich darüber, dass Firas Jouma in seinem Berufsorientierungspraktikum so engagiert bei der Sache ist. Der junge Syrer fühlt sich von den Mitarbeitern sehr gut aufgenommen.
    Foto: Wolfgang Wendling

    Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling

    Firas Jouma, der zu Hause als Automechaniker und Vertreter für Lebensmittel gearbeitet hatte, absolviert bei der Firma Reko im Dörther Industriegebiet ein Berufsorientierungspraktikum. Noch weiß niemand, wie sich das Leben für die junge Familie in Deutschland letztlich gestalten wird. Aber die Aussichten könnten wesentlich schlechter sein.

    Dass es für Firas Jouma derzeit ganz gut läuft, ist in erster Linie dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass er seine Frau, die er hochschwanger in Syrien zurücklassen musste, wieder bei sich hat - mit einem gesunden Sohn, den sie zur Welt gebracht hat, nachdem er sich mitsamt einer Schwester und zwei Kindern sowie einem Bruder auf die Flucht begeben hatte. Die jungen Flüchtlinge hatten Glück. Innerhalb von nur sechs Wochen hatten sie Deutschland erreicht - sie konnten auf einem Lkw von Griechenland aus mitfahren.

    Anfang Januar kamen sie hier an. Im April trafen Frau, Sohn und Mutter in Deutschland ein. Von der Erstaufnahmeeinrichtung Trier aus gelangten sie in den Kreis und sind seit Mai im Haus Helvetia in Bad Salzig untergebracht.

    Auch dort stießen die Flüchtlinge aus Syrien auf Personen, die es gut mit ihnen meinen. Zu ihnen gehört Monika Stenzhorn. Gemeinsam mit anderen in der Bopparder Flüchtlingshilfe ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern nimmt sie den Asylbewerbern vieles ab, was ihnen das Leben in der Fremde und den Umgang mit der Bürokratie leichter macht.

    Wie Tausende anderer Syrer haben Firas Jouma und seine Familienmitglieder einen Asylantrag gestellt. Ihre Heimatstadt Aleppo ist vom Bürgerkrieg besonders betroffen. Die Aussichten, als Bürgerkriegsflüchtling anerkannt zu werden, stehen gut. Mehr als 90 Prozent aller Asylbewerber aus Syrien erhalten ein Bleiberecht.

    Seit 11. April besucht der junge Mann eine Sprachschule in Koblenz. Von Montag bis Donnerstag, jeweils 13 bis 17 Uhr, büffelt er Deutsch. Bis Januar soll der Deutschunterricht noch andauern. "Beim Sprachkurs ist er positiv aufgefallen", lobt Monika Stenzhorn ihren Schützling. Über persönliche Kontakte kam die Verbindung mit der Firma Reko zustande.

    Die Ausländerbehörde genehmigte ein Berufsorientierungspraktikum. Das ist auf drei Monate befristet und darf nicht entlohnt werden. Es dient, wie der Name schon sagt, allein der Berufsvorbereitung. Dieses entgeltfreie Praktikum vom 20. Mai bis 19. August ist auch im vorläufigen Ausweis von Firas Jouma, der sogenannten Aufenthaltsgestattung zur Durchführung des Asylverfahrens, vermerkt.

    Jeden Freitag ist er nun bei Reko in Dörth im Einsatz. "Eine fantastische Firma. Ich werde wie ein Bruder behandelt", schwärmt er über das Betriebsklima beim Unternehmen, das Automatiktüren aller Art herstellt. Firmenchef Christian Koch gibt das Kompliment zurück. Er wäre froh, wenn engagierte Personen wie Firas Jouma bei ihm arbeiten könnten. Da sich das Unternehmen die Mitarbeiter selbst großziehen muss, gibt es immer wieder einen Bedarf an guten Leuten, sagt Koch.

    Mit seinem Berufsorientierungspraktikum ist der junge Syrer kein Einzelfall. Mehr als 100 Asylbewerbern hat die Kreisverwaltung diesen ersten Schritt in die Welt der Arbeit genehmigt.

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