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  • Gewässerschau: Experten stellen der Ahr ein gutes Zeugnis aus

    Ahrtal. Kleine Probleme, aber kein grundsätzlicher Handlungsbedarf: So lautet die Zwischenbilanz der Schaukommission, die derzeit an der Ahr unterwegs ist.

     

    Von unserem Mitarbeiter Horst Bach

    Warm angezogen, mit Protokollheft und Kartenmaterial in der Hand, gezücktem Fotoapparat, mit gutem Schuhwerk und jeder Menge Sachverstand ausgestattet, erkunden derzeit eine Reihe von Fachleuten von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD), der Kreisverwaltung, den Ordnungsbehörden sowie so mancher Ortsbürgermeister, Kommunalpolitiker und Förster zu Fuß die gemächlich und scheinbar harmlos dahinplätschernde Ahr vom Oberlauf bis zur Mündung. Grund für die Gewässerschau über acht Etappen und einer Distanz von rund 80 Kilometern sind die Hochwasser- und Starkregenereignisse und die dadurch entstandenen Schäden vom Juni dieses Jahres.

    Während des fünften Abschnitts nahmen sich die Begutachter den Flusslauf von Pützfeld bis Kreuzberg unter die Lupe. Der Weg führte die Gruppe flussabwärts. Bei deutlichen Minusgraden galt das besondere Augenmerk auch den Strömungs- und Abflusshindernissen unmittelbar im Gewässer und in Ufernähe. Schon häuften sich die Zweifel einzelner vom Hochwasser betroffene Bürger. Was wissen wir eigentlich wirklich über die Ahr im Spannungsfeld zwischen Renaturierung und Rekultivierung, fragte sich auch Carl Caspary von Interessengemeinschaft der Hochwassergeschädigten der Gemeinde Altenahr? "Das ist jedenfalls der Dschungel von Pützfeld", machte er nach wenigen Metern mit Blick auf den Wildwuchs der Pützfelder Auenlandschaft deutlich. Vor langer Zeit habe man dort mal eine Uferbefestigung der Ahr vorgenommen, seit gut 30 Jahren ist aber gar nichts mehr in diese Richtung unternommen worden. "Die Ahr ist seit Jahrzehnten unaufgeräumt und ein mit Massen an Totholz sich selbst überlassener Fluss", seufzte er.

    Dicke, lange und sperrige Totholzstämme liegen in diesem Überschwemmungsbereich in großer Zahl herum. "Keiner räumt auf", mahnte Caspary an. Besonders im Uferbereich der Ahr und im Hochwasserschutzbereich müsse endlich etwas getan werden. Allerorten ragten Bäume ins Wasser, bei jedem Hochwasser würden Massen an Schwemmgut an Engstellen und Brückendurchlässen aufgestaut, wetterte Caspary.

    Man müsse erst einmal dafür sorgen, dass das Totholz aus den der Ahr naheliedenden Waldstücken herausgeholt werde, hielt derweil eine Fachfrau der Schaukommission für dringender geboten. Durchaus gebe es an bestimmten Punkten "Nachbesserungsbedarf, um überhaupt großes Schwemmgut zu vermeiden", schätzt SGD-Mann Schäfer die Lage ein. Akuten Handlungsbedarf habe man an dieser Stelle zurzeit aber nicht. Zumal auch im Bereich von Pützfeld die "nötigen Flächen vorhanden sind, wo sich die Ahr im Hochwasserfall gut ausbreiten kann - eigentlich alles so, wie es zu einem Überschwemmungsgebiet passt", legte sich Schäfer fest.

    Förster Markus Noack sprach indessen von einem naturbelassenen, guten Baumbestand im Pützfelder Auenwald, der bei Hochwasser die natürliche Aufgabe übernehme, die Fließgeschwindigkeit der Ahr abzubremsen. Übers Räumen von großen Totholzstämmen Auenwald sollte man allerdings nachdenken. "Aufräumen, das ist aber nicht wirklich eine Aufgabe der SGD", ist sich Schäfer sicher. "Das ist eine Angelegenheit der Grundstückseigentümer." Mit Blick auf die Ahr machte er deutlich, die Gewässerschau diene der Gewässerunterhaltung, der Gewässerentwicklung und der Hochwasservorsorge in Ortslagen.

    Passend zur Zielvorstellung eröffnete sich der Schaukommission ein paar Kilometer weiter in Kreuzberg eine steile, grüne Freifläche unterhalb der Bachstraße, die im Juni dieses Jahres ebenso Land unter gemeldet hatte. Dort habe der Mensch den Lauf der Ahr durch Aufschüttungen im Böschungsbereich der Brückendurchlässe beeinflusst. "Die große Renaturierung ist hier 2018 in der Planung", vertröstete Schäfer.

    Der Fußweg führte die Gruppe am Mittwochmorgen dann einige Kilometer weiter flussabwärts von Mayschoß nach Walporzheim. Auch dort galt das Augenmerk der Schaukommission wieder den Strömungs- und Abflusshindernissen im Gewässer - die Überschwemmungsbereiche dabei stets im Blick. Und da waren sie wieder: natürliche, angeschwemmte Altlasten am Pfeiler der alten Fußgängerbrücke mitten in Mayschoß, wuchernde Weiden und schwere, offenbar mit der Säge behandelte Holzbalken am Ufer. Zu sehen auch: alter Baumbestand auf wackligen Füßen mitten im Ufermauerwerk und zugewucherte Brückendurchlässe.

    Und so brachte Ortsbürgermeister Hubertus Kunz gegenüber der Kommission die zunehmende Hochwasserproblematik ins Spiel. "Der Neubau der Brücke zum Sportplatz, die nach dem Hochwasser gesperrt werden musste, wäre beispielsweise eine zukunftsfähige Entscheidung. Ginge es nach uns, würden wir den Übergang mit abnehmbaren Gitterstäben ein Stück weit flussabwärts favorisieren, um auch die Strömungsgeschwindigkeit zu minimieren. Das Bett der Ahr ist hinter der Brücke bestimmt einen halben Meter tiefer", erklärte er. Es müssten allemal Renaturierungsmaßnahmen im Bereich der Durchlässe erfolgen, um den Hochwasserscheitel durchgängig absenken zu können, befand Kunz mit Blick auf die Brücke in Laach.

    Freilich würden im Rahmen der Gewässerschau alle Auffälligkeiten und erkannten Mängel protokolliert, machte Schäfer klar. Und so zog er dann auch nach der fünften Etappe ein positives Zwischenfazit. "Akuter Handlungsbedarf besteht nicht. Im Wesentlichen ist die Ahr in einem guten Zustand", legte sich der SGD-Mann fest.

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