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  • Fast jedes Dorf hat seine eigene Mundart

    Kreis Ahrweiler. Bereits zum dritten Mal hatte Jutta Bell aus Kempenich Anfang März 2013 am Mundartwettbewerb der Sparkassenstiftung "Zukunft Kreis Ahrweiler" teilgenommen und diesen zum dritten Mal in Folge gewonnen. Die 55-Jährige in Weibern geborene Altenpflegerin ist damit die unbestrittene Königin der Mundart im Kreis Ahrweiler. Mit ihrem Vortag "Grußmottesch Benneleschüez", der die zahlreichen Funktionen der Küchenschürze ihrer Großmutter beschreibt, konnte sie die Jury erneut überzeugen.

    Königin der Mundart im Ahrkreis ist Jutta Bell aus Weiber.<br />
    Königin der Mundart im Ahrkreis ist Jutta Bell aus Weiber.
    Foto: Tarrach

    Eine Mundart, so die sachliche Erläuterung, ist eine lokale Sprachvarietät. Sie kann sich von anderen Dialekten wie auch von der Standardsprache in allen Sprachbereichen wie Lautebene, Wortbeugung, Wortschatz, Satzbau und Idiomatik vollkommen unterscheiden. Mundart wird heute meist nur noch von den älteren Menschen gesprochen, während sich die Jüngeren des Hochdeutschen bedienen. So würde die Mundart irgendwann verschwunden sein, würde sie nicht in Vereinen, so wie im Heimatverein Alt-Ahrweiler, durch Wettbewerbe oder in speziellen Mundartabenden ständig gepflegt.

    „Wir Dernauer schwätzen nicht wie die Leute an der Unterahr, sondern mehr wie die Eifler an der Oberahr.“

    Mundartexperte Dieter Koll aus Dernau

    Es wird einem Unkundigen schwer fallen, die vielen unterschiedlichen Mundarten zu verstehen, die allein im Kreis Ahrweiler genutzt werden. Noch viel schwerer ist es, geschriebenes Platt zu lesen, denn es wird in einer reinen Lautschrift verfasst. Eigentlich ist es nur eine Sprachvariante. "Fast in jedem Dorf wird anders gesprochen", weiß Jutta Bell zu berichten. "Bei uns in Kempenich wird zum Beispiel das Ä viel breiter gesprochen als anderswo." Für sie selbst ist Platt, das sie bereits in ihrer Kindheit von den Eltern gelernt hat, ihre eigentliche Muttersprache. "Ich denke sogar in Platt, verrät sie, obwohl in der Familie mit den Kindern nur Hochdeutsch gesprochen wird. Trotzdem, wenn sie zu Geburtstagen, Jubiläen oder Festen mit ihren selbst gedichteten Reimen in Platt auftritt, ist ihr der Erfolg sicher, denn man kann viele Dinge einfach schöner ausdrücken. Drei Mal im Jahr veranstaltet Jutta Bell mit Gitarrenbegleitung in der Verbandsgemeinde Brohltal Geschichtenabende in Mundart und hat damit viele Freunde gefunden.

    Platt ist eine schöne Ausdrucksweise. Das beschreibt auch Herbert Engel aus Ahrweiler so. Er hat am Mundartwettbewerb erstmalig teilgenommen und mit seiner Geschichte "Meng iersche Rädche" (Mein erstes Rädchen) gleich den zweiten Platz belegt. In Ahrweiler wird aus historischen Gründen mehr der rheinische Dialekt gesprochen, der sonst im Ahrkreis nicht so gepflegt wird, sagt er. "Da drückt sich die rheinische Fröhlichkeit mit mehr Sing-Sang drin aus." Er ist in Ahrweiler als Vorsitzender der "Platt-Akademie" des Heimatvereins unbestrittener Platt-Experte und hat mit seiner Akademie sogar schon ein Platt-Wörterbuch verfasst. Regelmäßig werden Mundartabende durchgeführt, und auch die Theatergruppe des Heimatvereins bringt Stücke in dieser traditionellen Sprachvariante. Im Freundeskreis und natürlich bei den älteren Leuten werde noch viel das Ahrweiler Platt gesprochen, berichtet er. Aber auch hier müsse die Mundart besonders gepflegt werden, denn bei den Jüngeren verschwinde sie mehr und mehr.

    Diesen Effekt sieht auch Dieter Koll aus Dernau, der beim Wettbewerb mit seinen "Verzällche us Dearnee" (Erzählungen aus Dernau) den dritten Platz belegte. "Jede Gegend hat seine sprachlichen Besonderheit. So schwätzen wir Dernauer nicht wie die Leute der Unterahr, sondern mehr wie die Eifler an der Oberahr", erklärt er und gibt auch gleich einige Beispiele. Mit wird als mott ausgesprochen, Wind als Wond, Kind als Kond, ist als oss und Mist als Moss. Die Unterahrer, angefangen in Marienthal (Merjendall) drücken ein I als E aus. "Deshalb sooten mir in de Schöll, wenn mir der Merjendaller ärjere wollten immer Merjendaller es - Mess - dress." Alles verstanden? Falls nicht, sollten Sie unbedingt etwas an ihrem Platt verbessern. Jochen Tarrach

    Der Originalbeitrag von Marianne Breuer aus DedenbachDer Originalbeitrag von Helmut Schick aus AltenahrDer Originalbeitrag von Uta Assenmacher aus HeppingenUnser Dialekt ist noch von der Römerzeit beeinflusst3. Platz: Der Originalbeitrag von Dieter Koll aus Dernauweitere Links
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