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    Kreis Bad KreuznachStadtwerke als Ziel für Hacker? Auch bei Wasser und Strom gibt's immer ein Risiko

    Ohne Wasser und Strom geht wenig. Was aber, wenn Hacker und Kriminelle versuchen, die Versorgung gezielt lahmzulegen? „Diese Gefahr ist uns sehr wohl bewusst“, betont Dietmar Canis, Chef der Stadtwerke Bad Kreuznach, auf Anfrage des Oeffentlichen Anzeigers. „Wir tun, was möglich ist, um uns und die Kunden davor zu schützen“, versichert er.

    Die Versorgungsstruktur einer Stadt wie Bad Kreuznach ist ein komplexes Gebilde, aber wie sicher ist das System?  Foto: Stadtwerke Bad Kreuznach
    Die Versorgungsstruktur einer Stadt wie Bad Kreuznach ist ein komplexes Gebilde, aber wie sicher ist das System?
    Foto: Stadtwerke Bad Kreuznach

    Das dachte auch sein Kollege Eberhard Oehler von den Stadtwerken in der süddeutschen Stadt Ettlingen. Er erklärte sich schon 2014 zu einem Test bereit: Ein dafür engagierter Hacker sollte das System angreifen und versuchen, zum Herzstück vorzudringen. Das ernüchternde Ergebnis: Er brauchte nur zwei Tage, um die Kontrolle über die Stadtwerke zu übernehmen. Mit ein paar Klicks hätte er 40.000 Haushalten die Stromzufuhr kappen und 200.000 Wasserpumpen außer Betrieb nehmen können.

    Die Folgen: Flächendeckend wäre es dunkel, Telefone und Computer tot, Zapfsäulen, Heizungen, Kochherde, Kühlschränke und Fernseher funktionsuntüchtig gewesen. Dietmar Canis kennt den Test in Ettlingen und das Ergebnis. Wie würden die Stadtwerke Bad Kreuznach bei einem solchen Test abschneiden? „Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich weiß nicht, wie das ausgehen würde“, macht er keinen Hehl aus seinen Zweifeln. Denn Canis ist bewusst, „dass es keine absolute Sicherheit geben kann, weil wir alle gezwungenermaßen digital unterwegs sein müssen“. Und es auf diesem Feld immer Lücken und Schwachstellen geben wird.

    Wie bei Hase und Igel

    Der Chef der Stadtwerke vergleicht die daraus resultierende zunehmende Cyber-Kriminalität mit dem Wettrennen zwischen Hase und Igel: Je mehr die eine Seite für Schutzmaßnahmen aufwendet, desto findiger und professioneller agieren auch die Hacker. Zugleich gilt: Weil die Infrastruktur – also Strom, Wasser und Verkehr – immer mehr von digitaler Steuerung abhängig ist, wird sie immer verwundbarer. „Das ist eine große Herausforderung“, sagt Canis. Warum aber sollte sich überhaupt jemand die Mühe machen, die Stadtwerke Bad Kreuznach zu attackieren?

    Sabotage wäre eine Erklärung. Der Täter könnte aber auch versuchen, mit gestohlenen Daten Lösegeld zu erpressen. Viel schlimmer aber wäre es noch, wenn Terroristen, wie Marc Elsberg es in seinem Roman „Blackout“ plastisch beschreibt, im großen Stil miteinander verbundene Netze kapern.

    Fakt ist: Um sich gegen Angriffe aller Art zu wappnen, müssen Kommunen und Unternehmen immer mehr Geld für Beratung und Schutzsoftware ausgeben. Das gilt auch für die Stadtwerke: Es gebe natürlich eine Firewall und eine entsprechende Virensoftware, darüber hinaus einen Leitfaden für Mitarbeiter. Mails mit Anhang werden laut Canis separiert und erst mal überprüft. Zudem sei man dabei, sich zertifizieren zu lassen: Nach dem IT-Sicherheitsgesetz müssen Unternehmen bis Ende dieses Jahres nachweisen, dass sie für den Fall eines Hackerangriffs die Lage mit einem zertifizierten Sicherheitsmanagement-System steuern können. „Da stehen wir kurz vor dem Abschluss“, berichtet der Stadtwerkedirektor.

    Falls aber doch jemand durchkommt: Wie lange wäre die Versorgung gestört? „Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Es kommt darauf an, wo wir getroffen werden“, antwortet Canis ausweichend. Durch die Energiewende ist das Problem eher größer als kleiner geworden. Denn durch die dezentrale Energieerzeugung sind aus wenigen Produzenten viele geworden. „Jedes Gerät, mit dem an einem Windrad Daten gemessen und übermittelt werden, ist aber ein neues Scheunentor für die Cyber-Verbrecher“, heißt es etwa in einem Bericht der FAZ.

    Keine unnötigen Einblicke

    Zugeknöpft gibt sich die OIE AG in Idar-Oberstein, deren Muttergesellschaft Innogy, eine Tochtergesellschaft des Energieversorgers RWE, an den Bad Kreuznacher Stadtwerken beteiligt ist. Die RWE wiederum ist der Grundversorger im Kreis Bad Kreuznach. Man wolle Außenstehenden bei diesem sensiblen Thema keine unnötigen Einblicke gewähren, begründet OIE-Pressesprecherin Jutta D'Orazio die Zurückhaltung. Sie bleibt deshalb lieber im Allgemeinen: Der von der Bundesnetzagentur herausgegebene Sicherheitskatalog sei seit mehr als fünf Jahren Standard. Weil IT-gesteuerte Systeme und Prozesse für das Netz und den Vertrieb von zentraler Bedeutung seien, habe man unter dem Dach von Innogy umfangreiche Schutzmaßnahmen getroffen. Diese passe man ständig an den Stand der Technik an – eine anhaltende Herausforderung.

    Von Kurt Knaudt

    Mehrere Wege führen ins Netz und zu den Schaltstellen

    Es gibt mehrere Möglichkeiten, digitale Schutzmauern zu überwinden. Eine realitätsnahe Variante ist eine E-Mail mit einer Schadsoftware an einen Mitarbeiter zu schicken. Falls der sie öffnet, hat der Angreifer Zugang zum Rechner – als eine Art Brückenkopf ins interne Netz der Firma.

    Ein anderer Weg führt über die Hardware nach innen. Der gekaufte Hacker in Ettlingen konnte in einem Gästehaus ein Modul an eine Netzwerkdose anschließen, die mit dem Stadtwerkenetz verbunden war. Sein weiteres Vorgehen vergleicht er mit dem eines Diebes: Man müsse erst mal an allen Türen rütteln, um herauszufinden, wo es was zu holen gibt, erklärte er. Die Angriffsfläche wird außerdem durch die Smart Meter vergrößert, die kleinere Erzeuger erneuerbarer Energien zukünftig nutzen müssen. Diese elektronischen Stromzähler lassen sich von außen über Computeranlagen ansteuern. Wenn sie auch zur Regelung und Steuerung eingesetzt werden, haben Hacker womöglich viele neue Zugänge zum Netz und seinen Schaltstellen. kuk

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