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    Bad KreuznachLeitender Oberstaatsanwalt Brandt: Da hält kein Krimiwissen mit

    Vor einem Jahr übernahm Michael Brandt das Amt des Leitenden Oberstaatsanwalts in Bad Kreuznach. Im Wochenend-Interview blickt er zurück und erklärt unter anderem, was er besonders an der Nahestadt schätzt.

    Seit einem Jahr Leitender Oberstaatsanwalt in Bad Kreuznach: Michael Brandt.
    Seit einem Jahr Leitender Oberstaatsanwalt in Bad Kreuznach: Michael Brandt.
    Foto: Stephan Brust

    Bad Kreuznach - Vor einem Jahr übernahm Michael Brandt das Amt des Leitenden Oberstaatsanwalts in Bad Kreuznach. Im Wochenend-Interview blickt er zurück und erklärt unter anderem, was er besonders an der Nahestadt schätzt.

    Herr Brandt, wie war das erste Jahr?
    Sehr spannend. Ich habe in Mainz als Stellvertreter des Leitenden Oberstaatsanwalts ja schon einige Aufgaben des Behördenleiters mit erledigt, aber plötzlich alleinverantwortlich zu sein, ist schon eine Umstellung und eine besondere Herausforderung.

    Was hat den Ausschlag für den Wechsel gegeben?
    Das war recht unspektakulär. Die Stelle war ausgeschrieben, ich war im Kreis der Verdächtigen. Also habe ich mich beworben.

    Aber warum ausgerechnet Bad Kreuznach?
    Die Stadt ist für mich auch unter regionalen Gesichtspunkten sehr attraktiv. Ich wohne in Rheinhessen zwischen Mainz und Bad Kreuznach. In Mainz habe ich fast 30 Jahre im Stau auf der Saarstraße gestanden, die jetzige Strecke ist da wesentlich angenehmer und landschaftlich reizvoll.

    Was ist in Bad Kreuznach anders?
    In Mainz hatte ich viel mit Medienstrafsachen oder Strafsachen mit politischem Einschlag aufgrund des Regierungssitzes zu tun. Das fällt hier komplett weg. Dafür ist in Bad Kreuznach aber beispielsweise die Landeszentralstelle für Wein- und Lebensmittelstrafsachen angedockt, die für ganz Rheinland-Pfalz zuständig ist. Eine Spezialmaterie, die völlig neu für mich war. Ungewöhnlich ist auch der große regionale Einzugsbereich mit insgesamt vier beteiligten Polizeipräsidien. Das ist nicht immer optimal. Gerade, wenn man etwas über den kurzen Dienstweg klären möchte.

    Was schätzen Sie an Bad Kreuznach?
    In Mainz war ich es gewohnt, mittags eine Runde durch die Stadt zu drehen, um einfach mal frische Luft zu schnappen und auch mal Gedanken neu zu sortieren. Meine erste Frage in Bad Kreuznach war: (schmunzelt) Wo ist die Stadt? Aber ganz kurze Zeit später habe ich schon die vielen positiven Seiten kennengelernt: zum Beispiel einen Spaziergang über die Roseninsel, die schöne Altstadt oder mal eine Mittagspause in einem Restaurant mit Blick auf die Nahe. Großartig. Da lebt es sich auch ohne große Fußgängerzone sehr gut.

    Zurück zu Ihrer Funktion als Leitender Oberstaatsanwalt. Welche Fälle sind Ihnen in diesem Jahr besonders in Erinnerung geblieben?
    Da gibt es einige. Zu den besonderen Verfahren zählen sicher der tödliche Unfall von Bundeswehrsoldaten auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder und der Pulver-Kurt (Anm. d. Red.: Gemeint ist Kurt N. aus Becherbach, der in einer Scheune in Becherbach die bundesweit wohl größte private Waffen- und Munitionssammlung angelegt hat).

    Gehen einem Fälle privat nach?
    Wenn man als Staatsanwalt tätig ist, lernt man bald die Wahrheit des Satzes kennen: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Die tiefen menschlichen Abgründe, in die man mehr als einmal blickt, sind schon beträchtlich. Das perlt nicht immer ab und geht manchmal unter die Haut. Insbesondere dann, wenn Menschen unendliches körperliches und seelisches Leid zugefügt wird. Und damit meine ich nicht die blutige Nase oder ein blaues Auge. Das sind Abgründe, die man sich als normaler Mensch nicht vorstellen kann. Da hält kein Krimiwissen mit.

    Welche Charakterzüge zeichnen einen guten Staatsanwalt aus?
    Ein gesundes Selbstbewusstsein und ein unbefangenes Ermitteln ohne Ansehen der Personen. Grundsätzlich muss die Aufklärung des Sachverhalts im Mittelpunkt stehen. Und nicht, jemanden raushauen oder drankriegen zu wollen. Manchmal endet das auch in dem Bewusstsein: Ich weiß jetzt, was passiert ist und dass es auch strafbar ist, kann es aber nicht nachweisen. Dann sitzt man am Schreibtisch und möchte am liebsten in die Tischplatte beißen.

    Wo liegt der Unterschied zwischen einem Leitenden Oberstaatsanwalt und einem Staatsanwalt? Nur in der leitenden Funktion?
    Als Leitender Oberstaatsanwalt bin ich nicht mehr in der eigentlichen Sachbearbeitung tätig, sondern bin viel mit Organisation, Dienstaufsicht oder auch Stellungnahmen zu gewissen Gesetzesvorgaben befasst. Nicht zu vergessen ist natürlich die Information der Presse über die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft beziehungsweise über einzelne Verfahren, die die Öffentlichkeit interessieren
    Das heißt: Sie betreuen keine eigenen Verfahren mehr.
    Richtig.

    Vermissen Sie das nicht?
    Eigentlich nicht. Alles hat seine Zeit. In eigenen Verfahren zu ermitteln, ist spannend. Aber das habe ich ja über viele Jahre gemacht. Und die heutige Aufgabe ist auch sehr interessant und fordernd.

    Und was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit Akten beschäftigen?
    Ich versuche, viel zu reisen. Auch hier unter der Überschrift: Alles hat seine Zeit. Denn die Zeiten, in denen wir mit Kindern und Hund unterwegs waren, sind vorbei. Beide Kinder sind erwachsen, im Beruf beziehungsweise Studium. Da haben meine Frau und ich heute schon die Möglichkeit, den Radius etwas größer zu ziehen.

    Das Gespräch führte Stephan Brust

    Bad Kreuznach
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