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  • Wahlduell Dickes: Das Ergebnis hat mir gut getan

    Landratswahl: Nies bedauert seinen Fehler - "Ich bin angezählt"

    Kreis Bad Kreuznach. Das Wahlduell geht weiter – mit unterschiedlichen Vorzeichen. Bettina Dickes (CDU) ist nach ihrem Triumph im ersten Wahlgang obenauf, Hans-Dirk Nies (SPD) in der Defensive. Er hat aber offenbar aus dem Ergebnis gelernt – und reagiert entsprechend selbstkritisch.

    „Ich muss zugeben, es war falsch, ein Fehler, das bedauere ich“, kommentiert Nies seine im Wahlkampf gemachten Aussagen in Richtung Dickes. Längst ist klar, dass er der CDU-Kandidatin damit eine Vorlage gegeben hat. Als persönlicher Angriff sei das aber nicht gedacht gewesen, vielmehr als Abgrenzung in beruflich-fachlicher Richtung. Schließlich habe ein Landrat komplizierte Rechtsentscheidungen zu treffen, sich außerdem mit einer schwierigen Finanzlage zu befassen.

    „Jetzt gilt es, politische Verantwortung zu zeigen.“

    Hans-Dirk Nies am Wahlabend 

    Die Stichwahl hat er erreicht, aber nur als zweiter Sieger hinter Dickes. Für Nies ein ernüchterndes Ergebnis. „Ich bin enttäuscht. Ich bin angezählt. Das lässt sich nicht weglächeln“, sagt er. Klingt ein wenig nach Resignation, ist es aber nicht. Am Tag danach macht der 50-jährige Erste Kreisbeigeordnete deutlich: „Jetzt gilt es, politische Verantwortung zu zeigen.“

    In Winzenheim nur hauchdünn vorn

    Das lässt Rückschlüsse auf die Strategie der kommenden Tage bis zum 2. April zu. Doch die will Nies gemeinsam mit dem SPD-Kreisvorstand festlegen und dem Team, das am Montagabend tagen sollte, nicht vorgreifen. Nur soviel: „Maßgeblich wird sein“, so Nies, „die eigenen Wähler an die Urne zu bringen.“ Eigentliche Hochburgen wie Bad Kreuznach, wo er sich ebenso wie in seinem Stadtteil Winzenheim nur mit hauchdünnem Vorsprung vor Dickes durchsetzte, könnten ein Ansatz sein in dieser Richtung.

    Dickes war nach ihrem Etappensieg so aufgewühlt, dass sie kaum Schlaf fand. Sie will in den Tagen bis zur Stichwahl ihrer bisherigen Linie treu bleiben: „Ich werde mich weiterhin nicht gegen andere Kandidaten positionieren.“ Sie macht aber keinen Hehl daraus, „dass mir das Ergebnis gut getan hat, nachdem mir jede Kompetenz abgesprochen wurde“. Sie habe inzwischen eine ganze Menge Anrufe erhalten – „auch von Menschen, die nicht in der CDU sind“.

    „Ich werde mich weiterhin nicht gegen andere Kandidaten positionieren.“

    Bettina Dickes auf die Frage nach ihrer Strategie

    Sie habe schon einige Wahlkämpfe bestritten, „aber noch nie ging es so sehr um die Person“, betont sie. Alle Rückmeldungen, positive wie negative, beziehe man ausschließlich auf sich selbst. Emotional sei es zugegangen, vor allem, als Nies sie persönlich attackiert habe. „Das hat mich schon getroffen“, bekennt Dickes. Der Druck, der auf ihr lastet, war und ist groß. „Aber wenn man vier Kinder großgezogen hat, wirft einen nichts so schnell aus der Bahn.“

    Bettina Dickes in freudiger Umarmung mit einer Unterstützerin.
    Bettina Dickes in freudiger Umarmung mit einer Unterstützerin.
    Foto: Stefan Munzlinge

    Die CDU-Kandidatin will sich ab heute wieder voll auf den Straßenwahlkampf konzentrieren und an möglichst vielen Haustüren klingeln – bevorzugt in den Dörfern, „in denen ich noch Potenzial sehe“. Bettina Dickes will nicht darüber spekulieren, wie sich eine mögliche Wahlempfehlung von Anke Schumann auswirken könnte. „Das habe ich ohnehin nicht in der Hand.“ Die 45-Jährige sieht ihre 43,4 Prozent ohnehin nur als „ein Zeichen für gute Stimmung. Die Wahl ist aber noch nicht gewonnen“.

    Diel traut beiden den Job zu

    Und was sagt der Amtsinhaber? „Für mich war es klar, dass es in die Stichwahl geht“, kommentiert Landrat Franz-Josef Diel den Wahlsonntag. Seiner Parteikollegin Bettina Dickes attestiert der scheidende Landrat einen „engagierten Wahlkampf“, den sie konsequent durchgezogen habe. „Sie ist ihrer Linie treu geblieben. Das haben die Leute honoriert.“ Zu sehr ins Detail gehen, was nun Nies‘ mäßiges Abschneiden ausgelöst hat, will Diel aber nicht. „Ich war bei keinem Wahlkampftermin vor Ort. Ich habe wenig mitbekommen“, erklärt Diel, der krankheitsbedingt pausieren musste.

    Der Amtsinhaber gibt ganz staatsmännisch zu verstehen, dass ihn vor allem die höhere Wahlbeteiligung im Landkreis freue. Den großen Wirbel um die Kompetenzdiskussion kann er indes überhaupt nicht nachvollziehen. „Bettina Dickes war bildungspolitische Sprecherin und saß zehn Jahre im Landtag. Sie ist alles andere als ein Nobody und kennt die Leute.“ Generell sei es kein Nachteil, wenn man von außen in einen Verwaltungsapparat komme. Er traue beiden Kandidaten zu, den Landratsjob zu meistern, betont Diel.

    Von Gustl Stumpf, Marian Ristow und Kurt Knaudt

    Kommentar: Dickes muss nichts ändern, Nies fast alles

    Bettina Dickes geht dank ihres wichtigsten Wahlhelfers Hans-Dirk Nies mit viel Rückenwind in die Stichwahl. Sie ist klug genug, ihre Triumphgefühle nicht allzu deutlich zu zeigen. Dieses Gespür für die richtigen Worte hat Nies bisher vermissen lassen.

    Nicht seine Botschaft, dass er Dickes für fachlich ungeeignet hält, hat ihm geschadet, sondern die frontale, fast schon brutal polarisierende Art und Weise, mit der er sie wiederholt vertreten hat. Es liegt für ihn eine gewisse Tragik darin, dass vermutlich alles ganz anders aussehen würde, wenn er darauf ganz verzichtet hätte.

    Das hat Nies spät, vielleicht sogar schon zu spät erkannt und versucht jetzt, Schadensbegrenzung zu betreiben. Seine Aufgabe ist auch deshalb schwierig, weil Dickes einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Vorteil hat. Sie ist die Siegerin des ersten Wahlgangs, er der Verlierer. Daraus kann sich jetzt eine für sie positive, für ihn negative Eigendynamik entwickeln. Während er seine Strategie ändern muss, kann sie einfach weitermachen wie bisher. Der SPD-Kandidat hat nur dann noch eine Chance, wenn ihm das Kunststück gelingt, die Stimmung zu drehen und zugleich auch noch die eigenen Wähler in den SPD-Hochburgen deutlich stärker zu mobilisieren.

    Eine Unbekannte in den Überlegungen hier wie dort ist das Verhalten von Anke Schumann, die mehr als nur einen Achtungserfolg erzielt hat. Schumann, ehemals CDU-Stadtverbandsvorsitzende von Bad Sobernheim, und Dickes sind sich nicht grün. Würde die parteilose Kandidatin sich noch dazu durchringen, zumindest eine indirekte Wahlempfehlung für den angeschlagenen Nies auszusprechen, wäre das immerhin ein positives Signal für den von ihm beschworenen Neuanfang – und zugleich ein (kleiner) Dämpfer für Dickes.

    E-Mail: kurt.knaudt@rhein-zeitung.net

    Auch im "roten Westen" keine Chance für Nies - Richtet Dickes Bürgersprechstunden ein?Meisenheim: Viele Wähler, schnelle Zählung und doch enttäuschend - SPD-Bastion ging verlorenHinter den Kulissen: Vom Trauma zum Triumph - Bettina Dickes bleibt coolAnalyse: Bettina Dickes mobilisiert ihre Klientel - Häme kein ThemaAlle Ergebnisse in Tabellen und Grafiken: Stichwahl zur Landratswahl in Bad Kreuznachweitere Links
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