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    HilgenrothWohnanlage bleibt leer: Warum zieht niemand ins Haus Oliver nach Hilgenroth?

    Es ist neu. So riecht es auch. Unbewohnt eben. Der Geruch nach Farbe ist allgegenwärtig. Keine Kratzer an den Wänden, keine Spuren auf dem Boden. Noch nie in Gebrauch gewesen. Nur ein Zimmer ist aus Demonstrationsgründen eingerichtet. Um potenziellen Interessenten zu zeigen, was auf 33 Quadratmetern möglich ist. Haus Oliver in Hilgenroth steht auch gut neun Monate nach der offiziellen Einweihung immer noch leer. Hier, wo „Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf“ eine Bleibe finden können, herrscht gähnende Leere.

    Am Tag der Einweihung im vergangenen Jahr waren die Betreiber von Haus Oliver noch voller Hoffnung, alsbald Mieter für die neuen Räume zu finden .Foto: Heinz-Günter Augs​
    Am Tag der Einweihung im vergangenen Jahr waren die Betreiber von Haus Oliver noch voller Hoffnung, alsbald Mieter für die neuen Räume zu finden .
    Foto: Heinz-Günter Augs​

    Das kann Gerd Schumacher nicht verstehen, weil er weiß, dass Bedarf, solch schwer verletzten Menschen eine vernünftige Unterkunft zu bieten, besteht. „Wir haben schon eine Liste mit 35 bis 40 Interessenten, die ihren kranken Angehörigen oder Bekannten einen Aufenthalt ermöglichen wollen“, sagt Schumacher. Manche Kontakte verlaufen im Sand, andere wiederum scheitern, wenn das liebe Geld ins Spiel kommt. 1226 Euro sind derzeit der monatliche Mietpreis. Inklusive aller Nebenkosten versteht sich. Selbst die Reinigung der Bettwäsche und des Zimmers sowie der Anteil am Gemeinschaftsbereich und die Nutzung des kleinen Swimmingpools sind inklusive. Nur das Essen kommt noch on top. Doch Entscheidendes tut sich nicht.

    Kummer sind Gerd und Renate Schumacher gewohnt. Seit ihr Sohn Oliver schwer verunglückte, wissen sie, was es heißt, einen Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma in ihrer Nähe zu haben, zu versorgen. Erst dieses Ereignis ließ die Idee reifen, eine Wohnanlage für Patienten mit diesem Krankheitsbild zu bauen. Das ging nicht von heute auf morgen. Rund ein Jahrzehnt lagen zwischen erstem Gedanken und Fertigstellung, ein Jahrzehnt, in dem Rückschläge an der Tagesordnung waren. Nur der Glaube, etwas wirklich Einmaliges auf die Beine zugunsten dieser schwer angeschlagenen Menschen zu stellen, ließ die Schumachers wohl nicht verzweifeln. Und in diesen Tagen, in denen das Pendel wohl letztmalig zum Guten oder Schlechten ausschlagen kann, ruhen die Hoffnungen einmal wieder auf der Politik, die nach Gerd Schumachers Aussage zunächst nie zu ihrem Wort gestanden habe. Er berichtet von mündlichen Zusagen aus Mainz, nach denen ganz am Anfang das Land eine Bürgschaft in Höhe von 80 Prozent der Investitionskosten übernehmen und einen „verlorenen Zuschuss“ in Höhe von 135.000 überweisen wollte, weil sich die Schumachers bei ihrem Vorhaben an die Vorgabe „ambulant vor stationär“ hielten. „Die Absage wurde damals mit der Situation um den Nürburgring begründet. Zu unserem Pech hatten wir nie etwas Schriftliches“, blickt Gerd Schumacher in die Zeit zurück, in der die erste Wirtschaftlichkeitsberechnung logischerweise wie ein Kartenhaus von jetzt auf gleich in sich zusammenfiel.

    Nach und nach wurde das Unterfangen auf andere monetäre Füße gestellt. Die Förder- und Wohnstätten gGmbH aus Kettig trat als potenter Mitgesellschafter in der Haus Oliver GmbH an die Seite von Gerd und Renate Schumacher (ebenfalls Gesellschafter), die neue Finanzierung war alsbald in trockenen Tüchern, die Männer vom Bau rückten an, um das Gebäude, um dessen zentralen Bereich herum sich einzelne Waben mit den Zimmern für bis zu 12 Patienten gliedern, vom Plan in die Wirklichkeit umzusetzen. Nach der Einweihung im Juni 2016 wurde die Euphorie auf eine schnelle Vermietung von Tag zu Tag kleiner. Alle Werbemaßnahmen zeitigten keinen Erfolg. Die Betreiber setzen ihre Hoffnung inzwischen auf ein spezielles Portal im Internet. Flyer und die erneute Vorstellung des Hauses Oliver bei Krankenkassen bilden flankierende Maßnahmen. Und just in dieser schwierigen Situation versucht Gerd Schumacher wieder, die Politik als Geldgeber zu gewinnen. Nach einem Besuch der rheinland-pfälzischen Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler am 6. Januar schien in die Gewährung eines möglichen Zuschusses (die ehedem in Aussicht gestellten 135.000 Euro) Bewegung zu kommen. Es schien jedoch nur so. Denn nach einem Telefonat mit dem Mainzer Ministerium stellte sich wieder Hängen im Schacht ein. In einem Schreiben mit Datum vom 14. Februar legte die Gesellschaft erneut das Problem dar und bat Bätzing-Lichtenthäler um die Zusage des „verlorenen Zuschusses“. Auf dieses Schreiben, das Gerd Schumacher sogar Bätzing-Lichtenthäler an deren Wohnort zusätzlich übergab, stand immer noch eine Antwort aus – bis Donnerstag. Das Sozialministerium werde die Anfrage den Kollegen im Finanzministerium zuleiten, wurde Gerd Schumacher beschieden, der lapidar meint: „Wenigstens etwas.“

    Sollte irgendwann einmal diese „Anschubfinanzierung“ wirklich fließen, wird das Geld helfen, die „vergleichsweise hohen Mietkosten“ zu senken. Denn Gerd Schumacher ist sich sicher: „Sind einmal zwei, drei Leute eingezogen, wird es deutlich leichter, weitere Mieter zu gewinnen.“ Zumal sich das Angebot nicht nur an Menschen richtet, die in einen Unfall verwickelt waren (wie sein Sohn Oliver), sondern auch an diejenigen, die beispielsweise nach einem Hirnschlag nicht mehr ihr angestammtes Leben führen können. Noch bis zum Sommer haben sich die Verantwortlichen Zeit gegeben, die Unterkunft entsprechend der ursprünglichen Überlegung zu nutzen. Klappt das nicht, muss eine andere Verwendung gefunden werden – sei es auch nur als Heimstatt für betreutes Wohnen im Alter. Der Rubel muss rollen, Kredite müssen getilgt, Zinsen gezahlt werden. Spätestens im Herbst wird also der Geruch nach Farbe verschwinden, werden die ersten Gebrauchsspuren an Boden und Wänden sichtbar, wird Haus Oliver mit Leben erfüllt. Von wem auch immer!

    Von unserem Redakteur Volker Held

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