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  • Klöckner: Menschen in Namibia Chancen geben

    Mainz. Namibia, sagt Julia Klöckner nachdenklich, sei schon ein sehr anderes Land, das einem die Augen öffne für die eigenen Lebensumstände zu Hause. "Namibia ist beeindruckend", sagt sie, die Menschen seien so offen und herzlich, die Landschaft und die Tierwelt atemberaubend und ursprünglich. Und sie selbst habe "viel gelernt, Demut vor allem, vor dem, was im Leben an Höhen und Tiefen möglich ist", berichtet Klöckner.

    Von unserer Mitarbeiterin Gisela Kirschstein

    Sechs Tage war die rheinland-pfälzische CDU-Chefin in dem Nachbarland Südafrikas unterwegs, dieses Mal jedoch nicht im Dienste der Politik: Klöckner ist seit vielen Jahren Kuratoriumsmitglied der Stiftung Weltkirche, einer Stiftung des Bistums Mainz. In Nyangana in der Kavango-Region im Norden von Namibia war Klöckner zur Einweihung eines Waisenhauses für Aids-Waisen.

    Namibia ist eines der fünf weltweit am meisten von der Aids-Epidemie betroffenen Länder, rund 100.000 Aids-Waisen gibt es in dem afrikanischen Land. "Viele sind per Geburt infiziert", berichtet Klöckner, "da gibt es Kinder, die wohnen gemeinsam in einer Hütte, und das älteste ist sieben Jahre alt. Das geht einem richtig ans Herz." Aids sei weiter in der Gesellschaft hoch tabuisiert, "man redet nicht darüber im Familienverband, man lässt sich nicht testen".

    Thema Aids ist in den Hintergrund gerückt

    In Deutschland ist das Thema Aids weit in den Hintergrund gerückt, auch wenn zum heutigen Welt-Aids-Tag Institutionen davor warnen, die Risiken der Krankheit zu unterschätzen. "Aids ist weiterhin ein Gesundheitsrisiko in Deutschland", betonte jüngst der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar H. Wieler. Jüngsten Schätzungen zufolge waren Ende 2015 rund 84.700 Menschen in Deutschland mit HIV infiziert, etwa 3200 infizierten sich vergangenes Jahr in Deutschland neu.

    In Afrika jedoch sind die Dimensionen völlig andere: 227.000 Menschen sollen in Namibia laut jüngsten Medienberichten mit dem HI-Virus infiziert sein, das sind 10 Prozent der Bevölkerung in dem wenig besiedelten Land. Rund 40 Prozent der neu infizierten Menschen sind zwischen 15 und 24 Jahre alt, berichtet Klöckner. Aids verschärfe Armut und gefährde den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt des Landes.

    Vier Kindergärten werden finanziert

    Seit 1990 ist Namibia eine stabile demokratische Republik, die Pressefreiheit sei hoch, berichtet Klöckner. Die Vision für das Land "muss eigentlich sein, eine Aids-freie Generation zu erreichen". Genau dazu soll das Waisenhaus des Bistums Mainz beitragen. Vier Häuser für 60 Kinder wurden durch die Stiftung Weltkirche dort finanziert, der Hompa, der Häuptling des dortigen Gebietes, habe dafür eigens ein 30.000 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung gestellt.

    Die Stiftung Weltkirche betreibt in Nyangana bereits eine Touristenlodge, dort seien 80 Menschen aus der Region beschäftigt. "Die Menschen werden angelernt in Berufsbildern, die sie so nicht kannten", erzählt Klöckner. Mit dem Job könne eine Person eine Familie mit 17 Menschen ernähren. Auch bessere Häuser könnten von diesen Familien gebaut werden.

    Zudem wird in vier Kindergärten des Bistums Englisch gelehrt, das sei wichtig, damit die Kinder auf weiterführende Schulen gehen können. "Das führt dazu, dass Frauen eben nicht mit 15 ihr erstes Kind bekommen", sagt Klöckner - Bildung sei der Schlüssel zur Armutsbekämpfung. Das gelte besonders für eine Region wie Kavango mit einer Arbeitslosigkeit von 85 Prozent. "Jeder Cent, den wir dort investieren, ist gut angelegtes Geld", betont Klöckner.

    Deutschland als „Hoffnungsland“

    Trotz der schwierigen Vergangenheit mit den Deutschen, die als Kolonialmacht zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Völkermord an den einheimischen Herero und Namba verübten, wird Deutschland heute "als Hoffnungsland gesehen", berichtet Klöckner. Wer aber verhindern will, dass die Menschen ihre Heimat auf der Suche nach Überlebensmöglichkeiten verlassen, müsse ihnen Perspektiven in ihrem Land geben. "Es liegt in unserem ureigenen Interesse, dort zu investieren", betont Klöckner. Auch sei es ihr als Christin ein Bedürfnis zu helfen.

    Und so stellte das Bistum bereits sauberes Trinkwasser für 30.000 Menschen sicher, aktuell ist ein Landwirtschaftsprojekt geplant. "Das Wissen geht weiter zu den Hütten", sagte Klöckner, "es ist wie ein Stein, den man ins Wasser wirft - die Wellen gehen weiter und weiter. Das ist Fortschritt, der sich verbreitet!" Für die Kinder in dem neuen Waisenhaus sucht die Stiftung Weltkirche nun noch Paten zur Finanzierung von medizinischer Versorgung, Kindergartenbesuch, Kleidung. "Mit nur 1000 Euro pro Jahr", sagt Klöckner, "ist dort eine Zukunft gegeben."

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