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    Sexuelle Belästigung im Netz

    Was am Anfang nach einem harmlosen Flirt aussah, entpuppte sich für eine Neustädter Schülerin schnell als Albtraum. Sie wurde im Internet und in der Schule belästigt. Als der 13-jährigen Sandra (Namen geändert) von einigen Jungen aus ihrer Schule Komplimente gemacht wurden und ihr einer von ihnen gestand, in sie verliebt zu sein, fühlte sie sich geschmeichelt. Doch irgendwann schlug die vermeintliche Schwärmerei ins Gegenteil um.

    Das Internet und besonders die sogenannten sozialen Netzwerke bieten eine Fülle an Möglichkeiten, andere Menschen zu beleidigen oder einzuschüchtern.
    Das Internet und besonders die sogenannten sozialen Netzwerke bieten eine Fülle an Möglichkeiten, andere Menschen zu beleidigen oder einzuschüchtern.
    Foto: Jörg Niebergall

    Neustadt - Was am Anfang nach einem harmlosen Flirt aussah, entpuppte sich für eine Neustädter Schülerin schnell als Albtraum. Sie wurde im Internet und in der Schule belästigt. Als der 13-jährigen Sandra (Namen geändert) von einigen Jungen aus ihrer Schule Komplimente gemacht wurden und ihr einer von ihnen gestand, in sie verliebt zu sein, fühlte sie sich geschmeichelt. Doch irgendwann schlug die vermeintliche Schwärmerei ins Gegenteil um.

    Von unserer Mitarbeiterin Beate Christ

    Sandra ging damals in die sechste Klasse. Wie für die meisten Mädchen in ihrem Alter fühlte es sich auch für sie gut an, von älteren Jungen beachtet zu werden. Bei den Komplimenten auf dem Schulhof sollte es aber nicht bleiben. In einem Internetforum chattete Sandra mit einem der Jungen, der deutliches Interesse an ihr zeigte.

    Eines Tages wurde der Ton allerdings rauer: Denn das, was er ihr schrieb, war weit entfernt von dem, was ein Mädchen in ihrem Alter als Flirt bezeichnen würde. „Sandra wurde sexuell belästigt. Der Junge machte ihr eindeutige Angebote“, erinnert sich Sandras Mutter Gabi Meier. „Er hätte sich wahrscheinlich nie getraut, ihr diese Dinge direkt ins Gesicht zu sagen. Im Internet war die Hemmschwelle wohl viel geringer“, fügt sie nachdenklich hinzu. Die Worte, die der Junge ihrer Tochter damals schrieb, möchte sie im Gespräch mit der Rhein-Zeitung nicht wiederholen. Nur so viel: „Es war dermaßen unter der Gürtellinie und so heftig, dass es für eine Strafanzeige gereicht hätte.“

    Auch Sandra vermag die eindeutigen Aufforderungen, die ihr Mitschüler damals an sie richtete, nicht noch einmal auszusprechen. „Es war einfach nur ekelhaft“, sagt das Mädchen. Sie reagierte zunächst höflich auf die Anmache im Internet und bat den Jungen, damit aufzuhören. „Doch er ließ es nicht sein, obwohl ich gesagt habe, dass ich das nicht will.“ Auch als Sandra einen anderen Ton anschlug, wütend und böse im Chat reagierte, ließ er nicht locker. Im Gegenteil. Sogar in der Schule wurde die 13-Jährige von ihm und seinen Freunden belästigt und begrapscht. „In dieser Zeit hatte ich sehr viel Angst. Es war ein komisches Gefühl. Ich fühlte mich ständig verfolgt“, sagt Sandra leise.

    Das Mädchen vertraute sich seinen Freundinnen an. „In der Schule sind sie immer in meiner Nähe geblieben, um mich zu schützen.“ Unterdessen wurde Sandra im Internet unter Druck gesetzt. Ihr vermeintlicher Verehrer drohte, sie in der ganzen Schule schlechtzumachen, sollte sie was verraten. Sandra allerdings tat das einzig Richtige und vertraute sich ihrer Mutter an. „Es war ein Schock für mich“, sagt Gabi Meier. Sie riet ihrer Tochter, die Vorfälle der Schulleitung zu melden. „Uns war klar, dass wir dieses Problem nicht allein lösen“, fügt sie hinzu. Sandra druckte den beleidigenden Chatverlauf aus und ging zur Schulleitung. Die Täter wurden zur Rede gestellt, mussten Sandra in die Augen sehen und sich entschuldigen.

    Sandras Eltern sahen von einer Anzeige ab. „Den Jungen war nicht bewusst, in welcher Situation sie sich befanden“, sagt Gabi Meier schon fast verständnisvoll. Sandra ist froh, dass der ganze Spuk ein Ende hat. „Wer im Internet gemobbt wird, sollte sich Hilfe holen. Es tut gut, darüber zu reden“, sagt sie. „Man darf die Täter nicht ungeschoren davonkommen lassen.“

    Dieser Vorfall hat bei Sandra Spuren hinterlassen. „Man weiß nie, mit wem man sich im Internet unterhält. Ich bin heute viel vorsichtiger, sperre oder ignoriere Personen, die ich nicht kenne.“ Wenn sie heute ihrem Peiniger begegnet, geht sie ihm aus dem Weg. „Es ist jetzt Vergangenheit“, sagt Sandra.

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