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  • Schluss mit lustig? FDP-Parteitag fordert Tobias Huch zum Rückzug auf

    Rheinland-Pfalz. Tobias Huch hat schon viel von sich reden gemacht. Politisch wie auch als Internetunternehmer ist der 32-jährige Vorsitzende der Jungen Liberalen (Juli) Rheinhessen-Pfalz und stellvertretende Juli-Landesvorsitzende ein Hans Dampf auf allen Kommunikationskanälen.

    Seine Ghostwriter-Beichte in der "Bild" bringt den Mainzer IT-Unternehmer und Jungen Liberalen Tobias Huch politisch in Bedrängnis. Foto: dpa
    Seine Ghostwriter-Beichte in der "Bild" bringt den Mainzer IT-Unternehmer und Jungen Liberalen Tobias Huch politisch in Bedrängnis.
    Foto: dpa

    Von unserer Redakteurin Claudia Renner

    Ob als Enthüller des Datenskandals bei T-Mobile, als einziger Gegendemonstrant bei einer Demo gegen Thilo Sarrazin oder als Überraschungssieger einer Handtaschenversteigerung der Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner (Grüne) - Huch mag Publicity und Provokation. So einer ist auch parteiintern umstritten. Trotzdem hatte Huch seit November seinen Platz auf der FDP-Stadtratsliste für die Kommunalwahl sicher. Bis zum vergangenen Wochenende.

    Der Parteitag der Mainzer FDP hat Huch am Samstag mit großer Mehrheit aufgefordert, seinen siebten Platz auf der Kandidatenliste für den Stadtrat zu räumen. Doch dazu sieht Huch bis heute keinen Grund.

    Rückzugsforderung

    Auslöser für die Rückzugsforderung ist Huchs Beichte in der "Bild"-Zeitung von Anfang Februar. Huch wird mit dem Bekenntnis zitiert, er habe viermal für Freunde Uni-Hausarbeiten im Fach Betriebswirtschaftslehre geschrieben. Damit habe er die FDP im Kommunalwahlkampf in eine "undenkbare Situation" gebracht, sagte der ehemalige FDP-Fraktionsvorsitzende im Mainzer Stadtrat, Wolfgang Petereit, laut der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" zur Begründung für seinen Dringlichkeitsantrag. Petereit wollte sich jetzt nicht mehr inhaltlich äußern. "Es gibt ein eindeutiges Mitgliedervotum, und ich gehe davon aus, dass Tobias Huch sich dem stellen wird."

    Dabei glaubte die FDP-Spitze den Aufruhr um den "Bild"-Beitrag überwunden. In einer dreistündigen Aussprache mit dem Kreisvorstand habe er längst eingeräumt, dass er "Mist gebaut" hat, sagte Huch unserer Zeitung. Das Boulevardblatt habe ihn zudem falsch ausgelegt: Ghostwriter sei er nie gewesen, er habe nur Freunden in Not kostenlos geholfen.

    Es geht um viel für die FDP

    Unterdessen schwelt in der FDP der Ärger. Der Chef der Stadtratsfraktion, Walter Koppius, sieht Strippenzieher am Werk. "Wenn man Huch hätte verhindern wollen, hätte man die Strippen schon damals ziehen sollen", sagte Koppius. "Aber jetzt kurz vor Einreichung der Listen einen Dringlichkeitsantrag einzubringen - was bringt uns das?" Es geht um viel für die Mainzer FDP. Seit Jahrzehnten gestaltet sie die Landeshauptstadtpolitik mit, seit 2009 in einer Ampel mit SPD und Grünen. Trotz widriger Großwetterlage will sie sich am 25. Mai eine Koalitionsbeteiligung sichern.

    Huch will als Erstes mit den Julis reden. Der siebte - wenig aussichtsreiche - Listenplatz ist der Nachwuchsorganisation zugedacht. Der Rückhalt der Julis dürfte ihm sicher sein. Anders klingt es beim FDP-Kreisvorstand, zu dessen Sitzung Huch am Donnerstag "mit gesenktem Haupt" hinzustoßen will. Kreis-Chef David Dietz sagt: "Es ist Sache von Huch, wie er sich entscheidet." Ein Rückzug wäre allerdings "der richtige Schritt".

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