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    Rheinland-PfalzMord und Totschlag: Schwere Verbrechen beschäftigen die Strafgerichte im Land

    Mehrere blutige Familiendramen haben die Strafgerichte in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr beschäftigt. Die Richter verhängten unter anderem lange Haftstrafen gegen eine Schwiegertochter, die in Koblenz gemordet haben soll. Eine Großmutter brachte im Alkoholrausch ihre Enkelin im Hunsrück-Dorf Niederwörresbach um, ein Vater löschte in Kruft gar seine ganze Familie aus.

    Auch schwere Straftaten wie Mord und Totschlag beschäftigten im Jahr 2013 die Justiz in Rheinland-Pfalz. Foto: dpa
    Auch schwere Straftaten wie Mord und Totschlag beschäftigten im Jahr 2013 die Justiz in Rheinland-Pfalz.
    Foto: dpa

    Aber auch andere spektakuläre Prozesse machten Schlagzeilen. Einer drehte sich um die Frage, wer für das tödliche Unglück mit einer umgestürzten Kastanie in Trier verantwortlich ist. Ein anderer drehte sich um einen Einbruch in einem pfälzischen Weingut - als bei einem Gerangel der Enkel des Winzers getötet wurde. Die Rhein-Zeitung dokumentiert die aufsehenerregendsten Urteile 2013.

    Trier: Frau von Kastanienbaum erschlagen

    Wegen des tragischen Baumunglücks wurde ein Mitarbeiter der Stadt Trier verurteilt. Foto: dpa
    Wegen des tragischen Baumunglücks wurde ein Mitarbeiter der Stadt Trier verurteilt.
    Foto: dpa

    Im November 2012 stürzte ein maroder Kastanienbaum in Trier um und erschlug eine 70-jährige Frau. Wegen fahrlässiger Tötung wird ein Jahr später ein städtischer Mitarbeiter zu einer Geldstrafe von 4800 Euro verurteilt. „Sie haben in unverantwortlicher Weise versagt“, sagte der Amtsrichter zu dem 53-Jährigen. Der Gärtner war für Zweitkontrollen von beschädigten Bäumen zuständig. Trotz eines Hinweises, dass die alte Kastanie krank sei, hatte er den Baum nicht umfassend untersucht. „Der Baum hat Ihnen deutliche Merkmale gezeigt, aber Sie haben sie nicht erkannt. Das war schlampig und verantwortungslos“, sagte der Richter. Auch ein Fußgänger war von dem 18 Meter hohen Baum getroffen und schwer verletzt worden.

    Frankenthal: Frauenarzt fotografiert heimlich Patientinnen

    Prozess gegen Frauenarzt
    Der angeklagte Frauenarzt vor Gericht.
    Foto: dpa

    Wegen Zehntausender heimlicher Aufnahmen von Patientinnen steht ein Frauenarzt aus dem pfälzischen Schifferstadt vor dem Landgericht Frankenthal. Der 58-Jährige wird am 11. November zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Gynäkologe habe in mehr als 1400 Fällen den „höchstpersönlichen Lebensbereich“ seiner Patientinnen verletzt, hieß es zur Begründung. Viele betroffene Frauen seien nur mit Hilfe von Psychotherapeuten in der Lage, das Geschehene aufzuarbeiten. Ins Rollen gekommen war der Fall durch zwei Arzthelferinnen, die nach dem Fund von eindeutigen Fotos die Polizei einschalteten.

    Mainz: Pizzaboote erwürgt 86 Jahre alte Frau

    Ein Pizzabote wird wegen Mordes an einer 86 Jahre alten Frau in Mainz zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Überzeugung des Landgerichts tötete der 38-jährige Mann die betagte Dame und raubte sie dann aus, wie es in der Begründung am 16. September heißt. Seine Beute: 100 Euro. Der Mann hatte die 86-Jährige im November 2012 in ihrer Mainzer Wohnung erwürgt. Er war in seiner Heimat Italien schon einmal wegen Mordes an einer Seniorin verurteilt worden und hatte lange Jahre im Gefängnis gesessen.

    Montabaur: Autohändler erschossen

    Nach den tödlichen Schüssen auf einen Autohändler aus Montabaur wird ein 43 Jahre alter Mann unter anderem wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. „Er hat zwei Kindern den Vater genommen, einer Frau den Lebensgefährten und Eltern ihren Sohn“, sagte der Richter am 25. Juli in seiner Urteilsbegründung. Der Mann habe sein Opfer nach einem Betrugsversuch kaltblütig erschossen. Angeblich wollte der Angeklagte an Luxuskarossen und Uhren des Händlers kommen.

    Kruft: Vater tötet Frau und Kinder

    Auf brutale Art und Weise tötet ein 48-Jähriger seine Frau und seine beiden Söhne. Die Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen Mordes am 25. April nimmt er regungslos auf. Zurück bleibt Fassungslosigkeit - bei Richtern, Anwälten und Prozessbeobachtern. Der Vorsitzende Richter Ralf Bock sprach von einer „schrecklichen, abscheulichen und unverzeihlichen Tat“, die der Mann detailliert geplant habe. Der Familienvater hatte zugegeben, im November 2012 in Kruft in der Osteifel im Haus der Familie seine 43 Jahre alte Frau und den neunjährigen Sohn erstochen sowie seinen sieben Jahre alten Sohn erstickt zu haben. Er hatte nach eigener Aussage befürchtet, seine Familie an einen Geliebten seiner Frau zu verlieren.

    Neuwied: Entführtes Baby taucht wieder auf

    Vor den Augen der Mutter wurde im Sommer 2012 in Tschechien ein Baby entführt. Wenige Tage später taucht das Kind wohlbehalten in Neuwied wieder auf. Die beiden Entführer werden am 25. März zu jeweils viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die 48-Jährige und ihr 51 Jahre alter Lebensgefährte hatten nach Überzeugung des Koblenzer Landgerichts die wenige Wochen alte Michala im Juli 2012 im tschechischen Ústí nad Labem aus einem Kinderwagen entführt. Die 48-Jährige hatte die Tat gestanden. Angeblich verschwieg sie ihrem Freund eine Fehlgeburt und behauptete, Michala sei ihr Kind.

    Ranschbach: Winzer-Enkel von Einbrecher erstochen

    Der Winzer-Enkel der Winzer wurde brutal erstochen.
    Der Winzer-Enkel der Winzer wurde brutal erstochen.
    Foto: DPA

    Auf der Jagd nach 60.000 Euro dringen vier junge Männer gewaltsam in ein kleines Weingut ein, der Winzer-Enkel wird dabei getötet. Der Richter spricht von einer unfassbaren Tat - und verhängt am 12. Februar eine Jugendstrafe von achteinhalb Jahren für den 18-jährigen Haupttäter. Seine drei Komplizen waren nach der Tat vom November 2011 bereits zu Bewährungs- und Haftstrafen verurteilt worden. Die jungen Männer hatten es bei ihrem Überfall auf einen Geldkoffer abgesehen, den sie in dem Weingut im kleinen Ort Ranschbach vermuteten.

    Niederwörresbach: Oma schneidet Enkelin die Kehle durch

    Eine Oma schneidet ihrer zweijährigen Enkelin mit einem Messer im Vollrausch die Kehle durch. Am 25. Januar wird die Frau zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt und muss einen Alkoholentzug machen. Die 56 Jahre alte Oma war wegen Totschlags angeklagt. Gutachter hatten ihr bescheinigt, dass sie bei der Attacke im Juni 2012 mit knapp drei Promille Alkohol im Blut schuldunfähig war. Zeugen hatten ein Bild des Grauens vom Tatort im Hunsrück-Dorf Niederwörresbach geschildert. Die Kleine hatte laut Staatsanwaltschaft nicht einschlafen wollen. Die Schwester musste die Bluttat mit ansehen. Beide Kinder waren bei der Oma zu Besuch.

    Koblenz: Schwiegertochter begeht Doppelmord

    Nach dem Doppelmord an ihren Schwiegereltern in Koblenz-Horchheim muss eine Frau lebenslang hinter Gitter. Sie hatte es laut Gericht auf deren Vermögen abgesehen haben. Die 47-Jährige soll im Juli 2011 vom Emsland rund 350 Kilometer nach Koblenz gefahren sein, dort habe sie ihren 75 Jahre alten Schwiegervater und dessen 68-jährige Frau in deren Haus erstochen. Dagegen beteuerte die Angeklagte vor der Urteilsverkündung am 5. August ihre Unschuld: „Ich habe die Tat nicht begangen.“ Der Richter stützte sein Urteil unter anderem auf eine Zeugenaussage.

    Eifel: Bauer tötet seine Ex-Freundin

    Lolita Brieger
    Fall Lolita Brieger: Landwirt freigesprochen.
    Foto: Polizei Rheinland-Pfalz - DPA

    Ein lange zurück liegendes Verbrechen bleibt dagegen auch 2013 ungesühnt. Ein Eifel-Bauer tötete 1982 seine Ex-Freundin, die Leiche von Lolita Brieger wurde fast 30 Jahre später entdeckt. Nach Auffassung des Trierer Landgerichts war es aber kein Mord, sondern Totschlag. Damit ist die Tat verjährt, der 51 Jahre alte Landwirt kann nicht belangt werden. Dieser Meinung schloss sich am 8. März auch der Bundesgerichtshof an. Die Ermittlungen ergaben, dass der Täter seine frühere Freundin in einem Schuppen getötet hatte. Allerdings konnte nicht mit letzter Sicherheit bestimmt werden, ob er die junge Frau hinterrücks erdrosselte. Damit wäre das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt gewesen - Mord verjährt im Gegensatz zu Totschlag nicht.

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