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    DernbachKulturschock auf dem Weihnachtsmarkt: Fans der Ludolfs feiern den Advent etwas anders

    Weihnachten ist überall – auch auf dem Schrottplatz. Doch weil die Verbandsgemeinde Puderbach 2007 nicht so glücklich war, als alle Welt die schmale Mittelstraße im Westerwaldörtchen Dernbach stürmte, um mit den vier Ludolf-Brüdern in deren Autoverwertung einen Weihnachtsmarkt der etwas anderen Art zu feiern, war erst einmal Schluss mit solchen Aktivitäten zum Fest. Jetzt wurde die Weihnachtsfeier wiederbelebt: auf Schrottplatz-Art.

    Weihnachtsmarkt mit den Ludolfs: Advent der etwas anderen Art.
    Weihnachtsmarkt mit den Ludolfs: Advent der etwas anderen Art.
    Foto: Andrea Niebergall

    Dernbach. Weihnachten ist überall – auch auf dem Schrottplatz. Doch weil die Verbandsgemeinde Puderbach 2007 nicht so glücklich war, als alle Welt die schmale Mittelstraße im Westerwaldörtchen Dernbach stürmte, um mit den vier Ludolf-Brüdern in deren Autoverwertung einen Weihnachtsmarkt der etwas anderen Art zu feiern, war erst einmal Schluss mit solchen Aktivitäten zum Fest.

    Die Fans gaben jedoch keine Ruhe, und so war es schließlich Gerrit Schumacher, ein enger Freund der Ludolf-Familie, der die Verhandlungen mit der Gemeinde wieder aufnahm und einen Weihnachtsmarkt mit den Ludolfs am Dorfgemeinschaftshaus in Dernbach auf die Beine stellte. Doch wer da heile Welt mit hübschen Ständen und stimmungsvollen Weihnachtsliedern erwartet hatte, der erlitt wohl eine Art Kulturschock. Echte Ludolf-Fans feiern eben auch das Fest der Liebe auf echte Ludolf-Art: Laut, fröhlich, skurril und vor allem mit viel, viel Auto!

    Gebrachte Radkappe als Geschenk für 20 Euro

    Das darf dann auch ruhig in Teile zerlegt sein. Kaum ein Stand im und um das Dorfgemeinschaftshaus, der nicht gebrauchte Radkappen mit den Unterschriften von Manni, Peter und Uwe Ludolf führt. 20 Euro für dieses außergewöhnliche Geschenk sind für die Fans nicht zu viel, da geht vielleicht auch noch ein Rücklicht dazu – natürlich mit Weihnachtsgruß der Brüder.

    Weihnachtskugeln, Schneemänner und Nikoläuse gibt es auch, doch die werden in Dernbach stilecht auf der Kühlerhaube eines Autos angeboten. Die Besucher, die aus ganz Deutschland und darüber hinaus anreisen, stört das nicht. Im Gegenteil. Anette Nielsen aus Dänemark findet den Markt einfach toll, natürlich wegen der Ludolfs. Manfred und Uwe sind da und baden sichtlich begeistert in der Menge. Manni tauscht von Zeit zu Zeit seine grüne Pudelmütze mit einer Weihnachtsmütze und posiert für Fotos. Uwe steuert gezielt jene Fans an, die weiblich und gut aussehend sind. „Wow, du bist schon ein echter Feger“, staunt er mit Blick auf die Blondine in seinem Arm, die ihn mindestens um 20 Zentimeter überragt, und wagt mit ihr ein flottes Tänzchen mit erstaunlich beweglichem Hüftschwung. Uwes Ehefrau bleibt gelassen und verkauft weiter Merchandise-Artikel am Stand nebenan. Sie weiß wohl besser als alle anderen, wie viel von der Masche ihres Mannes echt, und wie viel Show ist.

    Ständig werden Uwe und Manni von Fans und Fotografen umgeben, erhalten Anweisungen aus allen Richtungen, auf die sie mit Humor und Geduld gleichermaßen eingehen. Fotograf: „Uwe, nimm doch mal einen der Schneemänner!“ Uwe, mit Blick auf die junge Brünette, an die er sich klammert: „Wieso? Ich hab doch hier was Süßes in der Hand…“

    Anreise aus Dänemark

    Süßes gibt es auch für die Besucher, doch statt der üblichen Plätzchen warten Popcorn und selbst gebackener Kuchen, der dank Lebensmittelfarbe mit Mannis Airbrush-gefärbten Schuhen um die Wette strahlt. Dänin Anette Nielsen hat derweil das Getränkeangebot an der Theke entdeckt und dort auch Uwe ausgenacht, der leutselig auf alle Gespräche eingeht. „Ich bin gestern mit dem Auto aus Dänemark gekommen, schlafe hier im Hotel und fahre morgen wieder heim“, erzählt die dunkel gefärbte Nordeuropäerin, die fließend Deutsch spricht und mit dem „Ausflug“ ihr kinderfreies Wochenende ausfüllt. „Mein Auto steht bei Ludolfs in der Einfahrt.“

    Etwas später steht sie mitten in der Menge, als die Brüder einige mitgebrachte Schrotteile versteigern, auf die sie mit Edding kleine Weihnachtsgrüße und ihre Namen gemalt haben. Ein altes Lenkrad, Rückleuchten, eine Sonnenblende – alles aus den riesigen Haufen an Teilen gefischt, die die Ludolf-Halle in Dernbach füllen, und die die schrulligen Brüder berühmt gemacht haben. Die Fans zücken die Portemonnaies, und Gerrit Schumacher freut sich. „Die Standgelder und der Erlös der Versteigerung gehen an die Wünsch-dir-was-Stiftung“, erklärt er den Grund seiner Freude. Dafür kann man schon mal einige Tage Arbeit investieren.

    Andrea Niebergall

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